Fußball WM
Schweiz ringt nach der Blamage nach Worten

Die "Jahrhundert-Pleite" gegen Luxemburg sorgt in der Schweiz für Katerstimmung. Die Presse schlägt Alarm und Trainer Ottmar Hitzfeld zeigt sich ratlos: "Es gibt keine Erklärung."

Das Trauerspiel endete mit einer Schmach, die eine ganze Nation bis ins Mark erschütterte. Was die Schweizer Fans und der neue Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld im Letzigrund von Zürich erlebten, war nicht fassbar und vor allem nicht vorhersehbar. Unmittelbar nach dem erschütternden 1:2 in der WM-Qualifikation gegen die "Fußball-Zwerge" aus Luxemburg rang der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer um Fassung und brachte die 90 Minuten auf einen kurzen Nenner: "Wir haben uns bis auf die Knochen blamiert! Das war eine meiner schlimmsten Niederlagen!"

Drei Monate nach dem unglücklichen Vorrunden-Aus bei der Euro 2008 leisteten sich die EM-Gastgeber die größte Pleite seit jenem 0:1 in Baku vor zwölf Jahren gegen Aserbaidschan. Die Schweizer Medien berichten sogar von einer "Jahrhundert-Pleite", das Schweizer Boulevard-Blatt Blick beschrieb die "Nati" als "Europas Lachnummer". Selbst im Ausland sorgte das sensationelle Ergebnis für Resonanz. "Eine zünftige Ohrfeige für die Schweiz", titelte die italienische Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport.

Jeff Strasser der Mann des Abends

Selbst Hitzfeld, der in seiner langen Karriere so manchen Rückschlag verkraften musste, traf diese Niederlage, vier Tage nach dem ernüchternden 2:2 gegen Israel (nach einer 2:0-Führung), wie ein Keulenschlag. "Wir haben uns in der Offensive sehr schwer getan. Aber ich hatte dennoch nie das Gefühl, dass wir noch ein Tor bekommen", meinte der ehemalige Meistercoach von Bayern München und Borussia Dortmund.

Es war besonders bitter für den 59-Jährigen, dass sich sein Team zweimal vom Luxemburger Jeff Strasser übertölpeln ließ. Zuerst traf der ehemaligen Gladbacher und Lauterer Bundesliga-Profi mit einem direkt verwandelten Freistoß (27.). Beim zweiten Gegentor in der 86. Minute bediente Strasser seinen Kollegen Alphonse Leweck, der unbedrängt vor Torhüter Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) zum 2:1 traf. Zwei Minuten vor der Halbzeit hatte Blaise N'Kufo für die Eidgenossen zum 1:1 getroffen und für einen Hoffnungsschimmer gesorgt.

Hitzfeld resigniert: "Es gibt keine Erklärung"

Auf die Frage eines luxemburgischen Journalisten, wie es möglich sei, dass eine Mannschaft, die vorwiegend aus Fußballern zusammengesetzt ist, die bei guten europäischen Klubs unter Vertrag stehen gegen die Amateure aus dem Großherzogtum ihre Leistung nicht abrufen könne, antwortete Hitzfeld lakonisch: "Es gibt keine Erklärung." Zur Pause sei er von einer Wende überzeugt gewesen: "Ich dachte, jetzt geht ein Ruck durch die Mannschaft." Doch das Gegenteil war der Fall. Das Tor zum 1:2 nannte Hitzfeld "einen Schock".

Dennoch ist der geborene Lörracher davon überzeugt, dass das Ticket für Südafrika noch nicht verspielt ist: "Wenn es brennt, bin ich noch motivierter. Ich gebe noch lange nicht auf, wir haben noch acht Spiele vor uns." Allerdings stellte der ehemalige Stuttgarter Trainer Rolf Fringer als Experte im Schweizer Fernsehen fest: "Der Ballon der Euphorie ist zerplatzt."

"Nati" vor erstem "Endspiel" gegen Lettland

Mit ernüchternden Fakten unterstrich die Neue Luzerner Zeitung die Schmach von Zürich. Luxemburg sei die Nummer 152 in der Weltrangliste des Weltverbandes Fifa, knapp vor den Solomon-Inseln, Malediven und den Seychellen sowie ein Land mit etwas mehr als 100 Vereinen und etwa 30 000 aktiven Fußballern. Die Schadenfreude der Luxemburger drückte sich in der Schlagzeile der Zeitung Das Wort aus: "Luxemburg stürzt die Schweiz in eine tiefe Depression."

Etwa einen Monat hat Hitzfeld Zeit, die Depression und den unrühmlichen Auftritt seiner Mannschaft zu verarbeiten und zu analysieren. Schon in etwa einem Monat (11. Oktober) kommt Lettland zum nächsten Gruppenspiel, für die Schweiz ist es bereits ein Endspiel. Seit Mittwochabend ist man sich jedoch im Alpenland einig: Mit der "Nati" kann es nur noch bergauf gehen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%