Fußball WM
Sieg für Angola mehr als nur drei Punkte

Wenn WM-Neuling Angola heute gegen die frühere Kolonialmacht Portugal sein erstes Gruppenspiel bestreitet, dann geht es um mehr als nur drei Punkte. Es ist ein Kampf um Anerkennung, Ehre und Prestige.

Wenn Weltmeisterschafts-Neuling Angola heute in Köln in der Vorrunden-Gruppe D (21.00 Uhr/live bei RTL und Premiere) auf seine ehemalige Kolonialmacht Portugal trifft, dann geht es um mehr als nur drei Punkte. Es wird ein Kampf um Anerkennung. Obwohl sie dieselbe Sprache sprechen und teilweise eine gemeinsame Vergangenheit haben, könnten die Unterschiede zwischen dem WM-Debütanten und Portugal kaum größer sein. Auf der einen Seite der afrikanische Underdog, dessen Spieler ihr Geld teilweise in der zweiten Liga des Gegners verdienen, auf der anderen Seite der mit Weltstars und Gehaltsmillionären gespickte Vize-Europameister.

"Wir haben Respekt, aber keine Angst. Portugal hat große Spieler. Aber ich habe mich auf die Partie vorbereitet, wie auf jede andere. Egal wer kommt, ich spiele gegen jeden", sagt Angolas Abwehrspieler Loco und sein Teamkollege Delgado fügt hinzu: "Gegen Portugal wird es eine besondere Leidenschaft auf dem Platz geben. Sie waren viele Jahre unsere Kolonialmacht. Ein Sieg würde für viele Menschen in unserer Heimat mehr als nur drei Punkte bedeuten."

Ein Sieg für das Volk

Erst seit 1975 ist das südwestafrikanische Land politisch von Portugal unabhängig. Anschließend herrschte rund 27 Jahre Bürgerkrieg. Inzwischen ist in Angola zwar der Frieden eingekehrt, doch die wirtschaftliche Situation sorgt für Probleme. Fast drei Viertel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, viele Menschen müssen mit weniger als zwei Euro am Tag auskommen, die Lebenserwartung liegt bei gerade einmal 44,6 Jahren. Ein Sieg könnte den Angolanern zumindest für einen Moment ein wenig mehr Hoffnung geben.

"Natürlich wäre es ein tolles Gefühl, Portugal zu schlagen. Aber wir dürfen dem Gegner nicht ins offene Messer laufen und müssen diszipliniert spielen", sagt Trainer Luis Oliveira Goncalves, dem nach den drei Testspielniederlagen gegen Argentinien (0:2), die Türkei (2:3) und die USA (0:1) besonders die wacklige Abwehr Sorgen bereitet haben dürfte. "Natürlich haben wir in den vergangenen Partien ein paar Gegentore hinnehmen müssen. Wir fürchten uns aber nicht. Am Sonntag werden wir uns anders präsentieren", verspricht Innenverteidiger Jamba.

"Alle sind ein wenig nervös"

Bei den seit 14 Spielen in Folge ungeschlagenen und hochfavorisierten Portugiesen zeigt man sich vor der brisanten Paarung durchaus angespannt. "Alle sind ein wenig nervös - ich auch", sagt Trainer Felipe Scolari, der sein Heimatland Brasilien 2002 zum WM-Titel führte: "Es ist immer eine sehr wichtige Partie, wenn zwei Länder aufeinandertreffen, in denen dieselbe Sprache gesprochen wird und die so enge Beziehungen zueinander haben." Der Coach sieht sein Team aber gut gerüstet: "Alle Spieler sind fit und wir haben alle taktischen Dinge einstudiert."

Bleibt zu hoffen, dass die Emotionen nicht wie beim letzten Duell zwischen Angola und Portugal überkochen. 2001 musste die Begegnung in Lissabon beim Stand von 5:1 für die Gastgeber abgebrochen werden. Nach vier Feldverweisen standen nur noch sieben Angolaner auf dem Platz.

© SID

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