Fußball WM
Togo-Coach Pfister nach WM-Aus demoralisiert

"Wir haben eine große Chance verpasst", sagte der deutsche Trainer Otto Pfister demoralisiert, nachdem die Schweiz durch den 2:0-Sieg gegen seine togolesische Mannschaft das vorzeitige WM-Aus besiegelt hatte.

Otto Pfister war zunächst zu enttäuscht und traurig, um selber seinen Spielern Trost zu spenden, nachdem sie ihren größten Kampf verloren hatten. Zunächst kam der deutsche Trainer nicht auf den Rasen, wo seine Spieler sich von den Fans aufmunternden Beifall abholten, nachdem die Schweiz durch ihren 2:0 (1:0)-Sieg das vorzeitige WM-Aus des Neulings Togo besiegelt hatte. "Ich bin demoralisiert. Wir haben eine große Chance verpasst", sagte der 68-Jährige enttäuscht.

Bis Montag hatte sein Team durch Prämien-Streitigkeiten, Streik-Drohungen und den zwischenzeitlichen Rücktritt Pfisters für Schlagzeilen gesorgt und den zweifelhaften Ruf als Chaos-Team der WM erlangt. Gegen die Schweiz boten die Afrikaner einen großen Kampf und standen kurz vor einer Überraschung, doch am Ende blieb eine bittere Erkenntnis: Der Teilerfolg in den zähen Verhandlungen mit dem Verband, neben den 75 000 Euro Antrittsgeld auch Siegprämien zu erhalten, könnte sich im Falle einer dritten Niederlage am Freitag gegen Frankreich als Pyrrhus-Sieg erweisen.

Pfisters Gegenüber Köbi Kuhn vermutete in der öffentlichen Austragung des Streits sogar einen "Theatercoup" des Deutschen. "Ich kenne Otto und habe ihn schon lange durchschaut. Er spielt auf allen Klavieren", meinte der Schweizer Trainer schmunzelnd.

Mannschaft hat sportlich dazu gelernt

"Die Mannschaft war hier, um zu lernen. Und ich glaube, sie hat sich insgesamt gut verkauft", sagte Pfister - und meinte damit ausdrücklich nur den sportlichen Bereich. Für den Verband fand der gebürtige Kölner dagegen keinerlei versöhnliche Worte. "Ich hatte hier immer nur den Eindruck, dass ich alles alleine machen muss und keine Unterstützung bekommen habe", betonte der Coach: "Das Arbeiten hier war nicht nur turbulent. Es war extrem schwierig. Auch für die Spieler. Solche Querelen gehen natürlich an die Substanz und an die Nerven."

Seine eigene Zukunft ließ Vater-Figur Pfister offen. "Ich muss ehrlich sagen, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", versicherte er, augenscheinlich mit Blick auf die Entwicklung im Verband: "Nur wenn sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen, kann man bessere Ergebnisse erzielen. Ob die Verantwortlichen ihre Lehren gezogen haben, weiß ich nicht. Das wird die Zukunft zeigen."

Benachteiligt wurden die Afrikaner aber von Schiedsrichter Amarilla, der ihnen zwei klare Strafstöße verweigerte, wie sogar Kuhn und die Schweizer Spieler eingestanden. "Das ist unglaublich", schimpfte Pfister: "Es gibt ein Regelbuch, es gibt Fernsehbilder. So wird man um einige Früchte seiner Arbeit gebracht."

Pfister will den Reservisten auch Chance geben

Nach dem feststehenden Aus will der Coach gegen Frankreich nun eine B-Elf aufbieten: "Ich habe vier, fünf Spieler, die noch gar nicht zum Einsatz gekommen sind. Denen will ich auch eine Chance geben. Denn die Buben sollen lernen." Der Schweizer Ludovic Magnin vom VfB Stuttgart wittert dadurch Wettbewerbsverzerrung: "Wenn er das macht, wäre ich sehr enttäuscht. Für die anderen geht es noch um was."

Der Schweiz reicht gegen Südkorea allerdings ein Punkt, nachdem der Leverkusener Tranquillo Barnetta zwei Minuten vor dem Ende das 2:0 erzielte. "Bei der Stärke der Koreaner bin ich sehr froh, dass wir das Tor noch gemacht haben", sagte Kuhn.

Unterdessen warb Alex Frei für sich in eigener Sache. Der von Borussia Dortmund umworbene Stürmer beendete ausgerechnet in seiner vielleicht künftigen Heimspielstätte die 303 Minuten dauernde Torflaute der Eidgenossen bei Weltmeisterschaften (16.). "Ich wäre sehr stolz, bald hier spielen zu dürfen", sagte der 26-Jährige.

© SID

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