Fußball WM
Togo will sich gegen die Schweiz rehabilitieren

Der Prämienstreit ist beigelegt, jetzt wollen sich die Kicker aus Togo endlich wieder auf den Fußball konzentrieren. Heute wollen die "Sperber" gegen die Schweiz in Dortmund für positive Schlagzeilen sorgen.

Nach dem Trainer-Theater um Otto Pfister und einer weiteren Streikdohung der Spieler hat WM-Neuling Togo doch noch seinen Prämienstreit beendet. Einen Tag vor dem zweiten Vorrundenspiel der Afrikaner am Montag (15.00 Uhr) in Dortmund gegen die Schweiz einigten sich die Mannschaft und der Verband unter Vermittlung der Regierung. Das bestätigte Trainer Otto Pfister dem Sport-Informations-Dienst (sid). Nach Informationen der Ruhr Nachrichten erhält jeder Spieler eine Antrittsprämie in Höhe von 75 000 Euro. Zusätzlich sollen Siegprämien ausgeschüttet werden, deren Höhe noch nicht feststeht.

Nachdem die Mannschaft am Sonntagmorgen in den Streik getreten war und die Abfahrt aus dem Mannschaftsquartier in Wangen im Allgäu um mehr als zwei Stunden verzögert hatte, schaltete sich die Regierung in die Verhandlungen ein und garantierte schließlich die Zahlung der Antrittsprämie. "Das Geld ist heute bar in Wangen bezahlt worden, wir sind froh, dass es zu der Einigung gekommen ist", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi Bachirou Salou, der zur Delegation der Westafrikaner. Beim Afrika-Cup im Januar hatte der Verband nur die Hälfte der vereinbarten Prämie ausgeschüttet. Vor der WM hatte die Mannschaft zunächst umgerechnet 155 000 Euro Antrittsgeld pro Kopf verlangt. Ungeachtet der chaotischen Situation beim Gegner warnte der Schweizer Nationaltrainer Jakob "Köbi" Kuhn: "Alle, die Togo als Kanonenfutter sehen, liegen falsch."

Angeblich Druck der Fifa

Die Fifa soll angeblich massiven Druck ausgeübt haben. Nicht nur dem Verband wurde mit Sanktionen gedroht, sondern offenbar auch den Spielern Togos mit einer Sperre für ihre Vereine. Zuvor glich die Situation im Mannschaftsquartier in Wangen wieder einmal einem Chaos. "Ich kann das wirklich nicht kommentieren. Wir sitzen noch immer im Hotel, daraus kann sich jeder einen eigenen Reim machen", sagte Pfister am Sonntagvormittag.

Dabei hatte der gebürtige Kölner, der wegen des Prämienstreits bereits fristlos gekündigt hatte und dann doch zur Mannschaft zurückgekehrt war, alle Störfeuer ausblenden und auf seine "Spionage-Kenntnisse" setzen wollen. "Ich kenne die Schweizer Schlüsselspieler sehr gut", sagte der 68-Jährige, dessen Familie in der Schweiz lebt. Seine Mannschaft bereitete er mit Videoszenen vom Gegner auf die Begegnung vor.

Bevor sich die Lage am Sonntag weiter verschärfte, war Pfister trotz des 1:2 zum Auftakt gegen Südkorea sowie der Querelen im Umfeld noch guter Dinge. "Wir haben uns vorgenommen, bis zum Letzten zu gehen. Denn nur der Gewinner hat noch die realistische Chance, das Achtelfinale zu erreichen", hatte Pfister erklärt und seine eigenen Probleme mit dem Verband ausgeblendet. Nach der Auftaktniederlage waren dem Afrika-Experten von Generalsekretär Assogbavi Komlan Alkoholprobleme unterstellt worden - Pfister hatte daraufhin eine Klage angedroht.

Sportliche Sorgen hat Togo in der Defensive. Kapitän und Abwehrchef Jean-Paul Abalo ist nach seiner Gelb-Roten Karte gesperrt, Linksverteidiger Ludovic Assemoassa wurde nach einem Patellasehnen-Abriss operiert. Für die beiden könnten Youngster Assimiou Toure vom Bundesligisten Bayer Leverkusen sowie der in der Vorbereitung an Windpocken erkrankte Richmond Forson auflaufen.

Schweiz mit Problemen in der Offensive

Im Gegensatz zu den Afrikanern drückt bei den Schweizern, die wie bei ihrer letzten Endrunden-Teilnahme 1994 in den USA den Einzug ins Achtelfinale anstreben, der Schuh im Angriff. Vorwürfe nach dem 0:0 zum Auftakt gegen Ex-Weltmeiseter Frankreich, er ließe zu defensiv spielen, wies Kuhn vehement zurück: "Nicht das Spielsystem ist wichtig, sondern das offensive Denken", sagte der 62-Jährige und glaubt: "Die Erwartungshaltung im Land ist riesig, aber wir können mit der Favoritenrolle umgehen."

Fraglich ist aber, wer im Sturm für die Tore sorgen soll. Marco Streller vom Erstliga-Absteiger 1. FC Köln, der am Sonntag seinen 25. Geburtstag feierte ("Ich will mich mit einem Tor selbst beschenken"), konnte gegen Frankreich ebenso wenig überzeugen wie Alexander Frei, der bei Borussia Dortmund im Gespräch ist und sich schon mal einen Eindruck von der Atmosphäre im Stadion verschaffen kann.

Auf den "Heimvorteil" setzt auf jeden Fall BVB-Profi Philipp Degen als einer von sieben Deutschland-"Legionären". "Dieses Spiel ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich kenne im Stadion jede Ecke, und die Stimmung wird fantastisch sein", weiß Degen: "Nur eines könnte das Ganze noch toppen: Wenn auch mein Zwillingsbruder David mit in der Anfangsformation stehen könnte."

© SID

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