Fußball WM
Torschütze Kaka nimmt sich die Kollegen zur Brust

Bei Brasiliens erstem WM-Auftritt in Deutschland lief beim Weltmeister noch nicht alles rund: Zwar gelang Kaka beim 1:0 gegen Kroatien ein Traumtor, doch vom Traumfußball war der Titelverteidiger noch weit entfernt.

Brasiliens Mittelfeldstar Kaka fand die richtigen Worte: "Ronaldo ist noch nicht in der Verfassung, in der wir ihn kennen. Dafür muss er sich mehr bewegen", forderte der 24-Jährige nach dem mühsamen 1:0 (1:0)-Arbeitssieg des fünfmaligen Weltmeisters gegen Kroatien und fachte damit die Diskussion um den körperlichen Zustand des dreimaligen Weltfußballers erneut an.

Der schwerfällig und behäbig wirkende Ronaldo zog es derweil vor, gar nicht zu sprechen. Der 29-Jährige verzichtete auf einen Gang durch die Mixedzone des Berliner Olympiastadions, wo er normalerweise den Fragen der Journalisten Rede und Antwort stehen sollte. Wohlwissend, dass es reichlich Kritik hageln würde an der Leistung des gemeinsam mit Pele erfolgreichsten brasilianischen WM-Torschützen aller Zeiten (je zwölf Treffer).

"Was für ein "Fenomeno" ist das denn?"

"Was für ein "Fenomeno" ist das denn?", fragte die Tageszeitung Globo und bescheinigte Ronaldo eine der schlechtesten Leistungen seiner Laufbahn. Der landesweit bekannte Kolumnist Juca Kfouri stellte süffisant fest, dass es vielleicht der größte Erfolg der Mannschaft war, Kroatien mit zehn Mann geschlagen zu haben: "Es war eine Qual, ihn wie ein schwammiges Schwergewicht rumtapsen zu sehen, als habe er mit dem Geschehen auf dem Platz nicht das Geringste zu tun. Schon den Ball zu kontrollieren, war eine übermächtige Herkules-Aufgabe für ihn."

Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira nahm seinen Torjäger allerdings aus der Schusslinie. "Er wurde hauteng gedeckt. Aber seine Leistung kann und wird er verbessern", sagte Parreira. Um jeglichen Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen, kündigte der Trainer bereits an, dass er auch im zweiten Spiel am Sonntag in München gegen Australien auf Ronaldo in der Startformation setzen wird: "Er spielt von Beginn an. Er braucht die Praxis."

Der Druck wird dadurch nicht geringer für Ronaldo, der langsam, aber sicher seinen Kredit bei den Fans verspielt. Die forderten bereits nach einer knappen halben Stunde die Einwechslung von Supertalent Robinho, nachdem sie festgestellt hatten, dass ihr Phänomen lahm über den Rasen trottete. "Robinho kam ins Spiel und hat Druck gemacht", stellte Kaka vielsagend fest. Nach seinem spielentscheidenden Treffer (44.) kurz nach der Auswechslung des verletzten kroatischen Kapitäns Niko Kovac durfte sich Kaka diese Bemerkung wohl erlauben.

Nicht nur Ronaldo formschwach

Doch Ronaldo war nicht der einzige Brasilianer, der gegen die defensivstarken Kroaten unter seinen Möglichkeiten blieb. Nur eine Viertelstunde boten die Südamerikaner schnelles Kurzpass- und Direktspiel, dann war auch der Zauber des zweimaligen Weltfußballers Ronaldinho verpufft. Der Star des FC Barcelona menschelte und spielte nur durchschnittlich. "Es ist alles im grünen Bereich. Wir werden uns ganz sicher steigern", versprach Ronaldinho.

Parreira gestand seiner Mannschaft den mäßigen Auftakt zu. 60 bis 70 Prozent der Leistungsfähigkeit würden seine Stars zurzeit nur erreichen können, das impliziere eine deutliche Steigerung im Laufe des Turniers. "Wir hatten lange kein Pflichtspiel mehr. Das gibt jetzt Selbstvertrauen", sagte der Weltmeister-Trainer von 1994, der seiner Mannschaft am Montag trainingsfrei gab.

Die Abwehr der Selecao hinterließ derweil einen ordentlichen Eindruck. Die Innenverteidigung mit den Bundesliga-Legionären Lucio und Juan erfüllte ihren Part vor allem vor der Pause konsequent. Nach dem Wechsel standen die Brasilianer insgesamt weniger kompakt und bescherten ihrer Defensivreihe dadurch wesentlich mehr Arbeit. Torhüter Dida wirkte dabei nicht immer als sicherer Schlussmann und ließ mehrfach Bälle nach vorne abprallen. Die kroatischen Spitzen Dado Prso und Ivan Klasnic schlugen kein Kapital daraus.

"Schade. Wir waren die bessere Mannschaft und hätten den Ausgleich verdient gehabt", sagte Kroatiens Trainer Zlatko Kranjcar, der die stabile Defensivarbeit seiner Spieler lobte. Die 25 000 Kroaten im Stadion empfanden das Gleiche und verabschiedeten ihre Landsleute mit warmem Applaus. "Das zeigt uns, dass wir heute vieles richtig gemacht haben", so Kranjcar.

© SID

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