Fußball WM
"Unternehmen Titelverteidigung" startet in China

Mit dem Eröffnungsspiel des aktuellen Weltmeisters Deutschland gegen Argentinien startet heute in China die Frauen-WM. Das DFB-Team ist klar favorisiert, Trainerin Silvia Neid hat aber Respekt vor den Südamerikanerinnen.

Ein Sieg ist Pflicht für Deutschlands Fußballfrauen zum Auftakt der WM in China. Erstmals in der Geschichte tritt die DFB-Auswahl als Titelverteidiger an und gibt deshalb heute Nachmittag gegen Argentinien (14.00 Uhr Mesz/live im ZDF und bei Eurosport) ihr Debüt in einem WM-Eröffnungsspiel. Zudem blieb der Mannschaft um die dreimalige Weltfußballerin Birgit Prinz die sonst übliche Trainingseinheit im Hongkou-Stadion in Schanghai versagt, weil der schlecht präparierte Rasen bis zum Anpfiff geschont werden soll.

Der Weltverband Fifa verwies am Sonntag in einer Stellungnahme auf das WM-Finale 2006 in Berlin. So habe auch damals kein offizielles Abschlusstraining stattgefunden, um den Zustand des Rasens nicht zu gefährden, hieß es.

"Das ist natürlich nicht erfreulich, weil wir es gewöhnt sind, den Rasen vor dem Spiel zu testen. Aber trotzdem wollen wir bei unserer "Tour de WM" unbedingt mit einem Sieg ins Turnier starten", meinte DFB-Trainerin Silvia Neid und reagierte mit dem Selbstbewusstsein des Weltmeisters.

Neid und ihre Auswahl peilen vor erwarteten 40 000 Zuschauern, darunter DFB-Chef und Delegationsleister Theo Zwanziger sowie und Fifa-Präsident Joseph S. Blatter, gegen Argentinien das erste von vier gesteckten Etappenzielen an. Ein Dreier gegen die Südamerikanerinnen soll die Grundlage bilden zur Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking und nach Möglichkeit auch für eine historische Titelverteidigung.

Bislang ist noch jeder Weltmeister beim folgenden Turnier gescheitert. "Die Ausgangsposition ist eine komplett andere als vor vier Jahren. Wir sind jetzt die Gejagten. Es wird ein ganz, ganz langer Weg ins Finale", sagte Neid.

Die heißblütigen Argentinierinnen wollen dabei bereits liebend gern den ersten Stolperstein für die DFB-Auswahl spielen. Trainer Carlos Barello kündigte an, dass die deutschen Frauen "keine schöne Zeit gegen uns erleben werden". Vor vier Jahren hatte Deutschland den gleichen Gegner bei der WM in den USA mit 6:1 förmlich überrollt. Doch trotz der guten Erinnerungen an das Duell vor vier Jahren nimmt Neid die Drohungen aus dem anderen Lager durchaus ernst.

"Ich erwarte ein hartes Zweikampfverhalten des Gegners. Dazu sind sie technisch sehr versiert. Ich erwarte, dass sie uns das Leben schwer machen werden", so Neid, die trotz körperlicher Überlegenheit ihrer Frauen nicht zwingend von deutscher Lufthoheit bei den Standardsituationen ausgeht: "Wir haben Freistöße trainiert, aber die Argentinierinnen sind nicht so klein, dass es unbedingt ein Vorteil für uns ist." Den dichten Abwehrriegel der vermeintlichen Außenseiterinnen, die wohl mit klassischem Ausputzer hinter der Innenverteidigung spielen werden, will Neid mit schnellem Passspiel knacken. "So müssen wir uns Chancen erarbeiten", sagte Neid.

Personell hat die Fußballlehrerin die Qual der Wahl. Alle Spielerinnen sind an Bord. Auch die zuletzt an der Wade verletzte Torhüterin Silke Rottenberg wird auf der Bank Platz nehmen können, nachdem sie den Zweikampf um die Nummer eins im deutschen Team auch wegen ihrer Blessur gegen Nadine Angerer verloren hatte. Allerdings machen der einen oder anderen Spielerin leichte Magenprobleme zu schaffen. "Aber niemand ist ernsthaft krank, so dass sie nicht spielen könnte", so Neid.

© SID

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