Fußball WM
Vergabe der WM 2014 an Brasilien nur Formsache

Nur noch Formsache ist die Vergabe der WM 2014 an den einzigen Bewerber Brasilien. Die Inspektorengruppe hat bereits Grünes Licht gegeben. Lediglich die maroden Stadien und die Hotelsituation bereiten der Fifa Sorgen.

Wenn heute am Fifa-Sitz in Zürich die Entscheidung des Exekutivkomitees über die Vergabe der Männer-WM 2014 verkündet wird, dürfte dies bei keinem der Beteiligten für einen erhöhten Pulsschlag sorgen. Denn während die Entscheidung im Duell Deutschland gegen Kanada um die Ausrichtung der Endrunde der Frauen 2011 mit Spannung erwartet wird, fehlt Brasilien zur Gastgeberrolle bei der Männer-WM 2014 nur noch die Bekanntgabe durch Fifa-Präsident Joseph S. Blatter. Kein Gegenkandidat, alle Fristen eingehalten und Grünes Licht von der Inspektorengruppe - da können sich die Südamerikaner vor der zweiten Endrunde am Zuckerhut nach 1950 in Zukunft nur noch selber im Weg stehen.

CBF-Boss Teixeira: "Wir haben Hausaufgaben gemacht"

Entsprechend zuversichtlich geht Ricardo Teixeira, der als Präsident des Verbandes CBF die Kandidatur des fünfmaligen Weltmeisters anführt, in den finalen Akt am Sitz des Weltverbandes in Zürich. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", erklärte der ehemalige Schwiegersohn und Zögling des Fifa-Ehrenpräsidenten Joao Havelange. Teixeira weilt schon seit Tagen in der Schweiz, um mögliche Bedenken bei den Exekutivmitgliedern zu entkräften.

Schließlich hat die vom US-Amerikaner Hugo Salcedo angeführte Fifa-Inspektorengruppe nach ihrer Stippvisite Ende August im Abschlussbericht festgehalten: "Für uns besteht kein Zweifel, dass Brasilien seinen Zusagen im Bewerbungsdossier nachkommen wird." Für die fünfköpfige Delegation wäre Brasilien "eine würdige Wahl."

"Kein einziges Stadion WM-tauglich

Der 27-seitige Erfahrungsbericht nach dem Besuch von fünf Städten und dem Treffen mit 13 weiteren Kandidaten in Rio de Janeiro zeigt aber auch Probleme auf, die in den verbleibenden sieben Jahren angegangen werden müssen. In Brasilien sei derzeit "kein einziges Stadion WM-tauglich". Besonders Rios Fußballtempel Maracana erfülle nicht die strengen WM-Anforderungen.

Die jüngst für die Pan-Amerikanischen Spiele renovierte Arena soll wie bei der Endrunde 1950 mit dem finalen Trauma gegen Uruguay (1:2) eine Schlüsselrolle einnehmen. Insgesamt legten 14 Städte für ihre Stadien Modernisierungspläne vor. Lediglich Maceio, Natal, Recife und Salvador gehen mit Neubauten ins Rennen um die noch festzulegenden acht bis zehn Austragungsstätten.

Der CBF kalkuliert für die Stadien Ausgaben in Höhe von umgerechnet 765 Mill. Euro - eine Summe, die laut Fifa-Inspektoren mit Vorsicht zu genießen sei. Die zwölf deutschen WM-Arenen hatten schließlich doppelt so hohe Kosten verursacht.

Bei Verkehr, Medien/Telekommunikation, Sicherheit oder medizinische Einrichtungen sehen die Inspektoren Brasilien auf einem guten Weg, raten der Fifa aber zu einer ständigen Kontrolle vor Ort. In einem Land, in dem Korruption alltägliches Geschäft ist, bedarf es zudem einem wachsamen Auge auf den Einsatz öffentlicher Gelder. Schließlich ist die angestrebte Finanzierung zu 90 Prozent durch private Mittel längst nicht garantiert.

Sorge um Hotel-Kapazitäten

Sorgen bereitet der Inspektionsgruppe allerdings die Hotelsituation. Zum Stichtag 31. Juli waren erst rund 25 000 der geforderten 55 000 Hotelzimmer für die Fifa garantiert. Vor allem in Rio de Janeiro und Sao Paulo, wo Eröffnungs- oder Endspiel sowie der Fifa-Kongress stattfinden sollen und das Medienzentrum errichtet wird, ist in diesem Bereich ein großes Manko zu verzeichnen.

Einigen Städten in der Provinz wird nicht zugetraut, die Anforderungen an die Unterbringungs-Kapazitäten zu erfüllen, doch haben alle Bewerberstädte "gute Flughäfen", so dass Hin- und Rückflug am Spieltag gewährleistet seien.

Drei Mill. Tickets im freien Verkauf

Von 3,7 Mill. Tickets sollen drei Mill. in den freien Verkauf gehen. Die Rechte am Ticketverkauf werden weitgehend an die Fifa und ihre Organisationseinheit Match abgetreten. Das Problem ist wie in Südafrika, dass viele Tickets "unter Marktwert" verkauft werden müssen, um die Stadien zu füllen und einen grauen Markt zu verhindern. Brasilien zahlt die Kosten für die Modernisierung der Ehrentribünen, für die 50 Prozent der Plätze für die Fifa reserviert sind.

© SID

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