Fußball WM
Vogts erwägt Abschied aus Aserbaidschan

Nationaltrainer Berti Vogts weiß nicht, ob sein Engagement in Aserbaidschan eine Fortsetzung findet: "Der Vertrag läuft aus. Ich kann jetzt Gespräche mit anderen Vereinen führen."

Noch einmal reist Berti Vogts in die Vergangenheit, dann ist die Mission Aserbaidschan wohl auch fast schon zu wieder zu Ende. Vieles deutet vor dem WM-Qualifikationsspiel in Deutschland am Mittwoch (20.45 Uhr/live im ZDF) darauf hin, dass der frühere Bundestrainer nach dem Ende der WM-Qualifikation im Oktober nach nur anderthalb Jahren wieder seine Zelte in der Kaukasus-Republik abbricht.

Vor einigen Wochen holte den "Terrier" die Vergangenheit ein, als eine aserbaidschanische Zeitung wie einst eine deutsche eine Rücktrittsforderung druckte. Die zu hohen Erwartungen der Fußballfans und auch der gnadenlos übertreibenden Medien in Aserbaidschan konnte der ehemalige DFB-Coach bislang nämlich nicht erfüllen. Zwar gab Verbandspräsident Rownag Abdullajew zu Protokoll, die Nationalmannschaft habe unter Vogts einen Riesenschritt nach vorne gemacht, aber selbst die knappen Niederlagen in der WM-Quali halfen dem früheren Bundesligaspieler in der öffentlichen Wahrnehmung nicht.

"Vorstellen kann ich mir alles"

Eine Vertragsverlängerung will Vogts zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht kategorisch ausschließen: "Vorstellen kann ich mir alles. Aber sicherlich muss man dann frühzeitig abklären, inwieweit der Verband in der Lage ist, meinen Vorstellungen zu folgen."

In der WM-Quali hielt der Außenseiter bisher stets tapfer mit, zu Buche stehen bisher aber nur ein Punkt und ein Tor. Dass sich das am Mittwoch ändert, glaubt selbst Vogts nicht.

"Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen. Aber Deutschland ist eine Weltklassemannschaft", sagte der 62-Jährige kurz nach der Ankunft in Hannover, wo er mit seiner Mannschaft am Mittwoch innerhalb von vier Wochen zum zweiten Mal auf sein ehemaliges Team trifft. Im Hinspiel hatte der Außenseiter beim 0:2 in Baku zwar viele gute Ansätze gezeigt, am Ende setzte sich der Gast aber dank der Treffer von Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose standesgemäß durch.

Sein Optimismus vor dem erneuten Duell mit seinem früheren Arbeitgeber, der in der Fifa-Weltrangliste als Vierter 135 Plätze vor Aserbaidschan liegt, hält sich aber in Grenzen: "Wir wollen nicht zu hoch verlieren", sagte er bescheiden.

Dass am Mittwoch in Mario Gomez möglicherweise ein Topstürmer ausfällt, kann den Realitätssinn bei Vogts nicht trüben: "Wenn Gomez ausfällt, kommen halt Klose oder Podolski. Wenn ich nur einen Stürmer solchen Kalibers hätte, stünden bei uns zehn Tore mehr auf dem Konto."

Ärger über zypriotisches Schiedsrichter-Gespann

Besonders geärgert hat ihn die 1:2-Niederlande am Samstag gegen Finnland. "Da gibt das zypriotische Schiedsrichter-Gespann ein Tor von Pasanen kurz vor Schluss, was überhaupt keines war. Deshalb stehen wir wieder mit leeren Hände da", sagte er der Bild-Zeitung.

Gegen die Finnen konnte sich Vogts immerhin über den ersten Treffer seiner Mannschaft nach 589 Minuten freuen. Elwin Mammadow hatte die Hausherren mit dem 1:0 kurz nach der Pause für eine bis dahin starke Leistung belohnt, ehe die Finnen in der Schlussphase durch Markus Heikkinen und den Bremer Bundesliga-Profi Petri Pasanen eiskalt zuschlugen und so ihre WM-Chance aufrechterhielten.

"Bei uns reichte die Kraft am Ende nicht. Der Ausgleich war psychologisch ein Schlag, von dem sich meine Spieler nicht mehr erholt haben", sagte der Weltmeister von 1974: "Die Mannschaft hat aber gezeigt, dass sie mit einem solchen Gegner mithalten kann."

So wahrt er die Hoffnung, wie versprochen am 14. Oktober beim Gruppenfinale zu Hause Deutschlands schärfsten Rivalen Russland zu schlagen. Dadurch könnte der Coach des deutschen Europameisterteams von 1996 zumindest in seiner Heimat mit Verspätung noch die nötige Wertschätzung erfahren.

© SID

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