Fußball WM
WM im Schatten der NBA-Finals

Fußball oder "Soccer" erfreut sich in den USA seit der erfolgreichen WM 2002 immer größerer Beliebtheit. Sportarten wie Basketball und Baseball sind jedoch weiter die Nummer eins bei den Amerikanern.

Charles F. Gardener ist Reporter aus den USA und derzeit in Hamburg, um über die US-amerikanische Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft zu berichten. Täglich schreibt der Reporter für den Milwaukee Journal Sentinel eine persönliche Kolumne aus der Hansestadt. Über das US-Team, die Stimmung in Germany und der Stadt. Donnerstag aber interessierte ihn vor allem eines: "Wo kann ich die NBA-Finals sehen."

Als er dann erfahren musste, dass nur der Pay-TV-Sender Premiere die Spiele von Dirk Nowitzki und seinen Dallas Mavericks gegen das Team von Shaquille O`Neal - den Miami Heat überträgt. Nachts um drei, wenn keine Sportsbar mehr geöffnet hat. Fußball-WM hin oder her, gegen Basketball ist der World Cup immer noch ein kleines Lichtlein in den USA. Und so verbrachten einige der entsandten US-Reporter ihr Tagewerk in der letzten Woche auch mit anderen Dingen als mit Fußball. "Ich muss ein Stück darüber schreiben, wie die Deutschen auf Nowitzki im Finale reagieren", erzählt Andrew Gardiner von USA Today.

Baseball ist die Nummer eins

Basketball ist eben übermächtig in diesen Tagen, Baseball insgesamt die Nummer eins, Football hat zum Glück für Fußball Pause. Eishockey allerdings kriselt, die ersten beiden Spiele es Stanley-Cup-Finales liefen auf einem völlig unbedeutenden Kabel-Kanal. "Das Interesse am Soccer ist deutlich größer geworden", sagt Gardiner: "Wir schreiben viel und sind mit zwei Reportern in Deutschland."

Insgesamt wohl viermal so viele Reporter wie 2002 haben den Weg nach Deutschland angetreten. Knapp 100 Schreiber sind gekommen, die Qualitätszeitungen sind alle da, manche mit mehreren Autoren. Ertstmals in der Geschichte sind in den USA alle WM-Spiele im Fernsehen zu verfolgen, die wichtigen Spiele sogar bei ABC, die weniger wichtigen bei Espn und Espn II, was inzwischen fast jeder über Kabel empfangen kann.

US-Erfolg sehr wichtig für Fußball in den USA

Der Erfolg der US-Boys mit dem Erreichen des Viertelfinales 2002 hat zur Aufwertung des Spiels deutlich beigetragen. Unter den Top Ten ist Fußball bereits angekommen. Allerdings hängt alles vom Erfolg ab. "Im Moment ist das Interesse recht groß", sagt Mittelfeldstar Landon Donovan: "Das kann aber ganz schnell wieder nachlassen, wenn wir nach der Vorrunde ausscheiden sollten."

Fußball ist eben noch nicht verankert in der breiten Bevölkerung. Während in New York an jeder Ecke zwischen 9.00 Uhr morgens und 15.00 Uhr am Nachmittag die WM-Spiele live in den Bars im Fernsehen zu sehen sind, findet in weiten Teilen des riesigen Landes praktisch nichts statt. In den Farmländern des Mittleren Westens und dem "Bible Belt" im Süden wird die WM nicht wahrgenommen. Viele Kommentatoren, die sonst über Football und Basketball berichten, lassen sich stattdessen in ihren Kolumnen aus: "Die Langeweile geht wieder los, keine Action, keine Tore."

Leuten fehlt die emotionale Bindung zu den "Soccer-Clubs"

Nur zwölf Teams spielen in der nationalen Profiliga MLS, die aus Termingründen auch während der WM keine Pause macht. Das bedeutet riesige weiße Flecken auf der Fußballlandkarte der USA. "Es ist einfach schwierig für viele Leute, Fußball live zu sehen", sagt Steven Goff von der Washington Post: "Außerdem fehlt die emotionale Bindung an die neuen MLS Teams, so wie es sie für 100 Jahre alte Baseball-Mannschaften gibt."

Und dennoch - allein durch die zahlreichen Kids, die mittlerweile in den Schulen gegen den runden Ball treten, wird Fußball für die werbetreibende Wirtschaft interessant. Die "Soccer-Moms" sind eine Zielgrupe für den Verkauf von Waschmitteln und Fertiggerichten. In den MLS-Städten finden außerdem Soccer-Parties vor Großbildleinwänden statt, dazu gibt es deutsche Bratwurst und Bier. Die Chancen für weiter wachsende Popularität sind da.

USA Today brachte am Donnerstag sogar eine Sonderseite zur WM heraus. Zum NBA-Finale allerdings acht.

© SID

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