Fußball WM
WM-Sicherheitskonferenz sorgt für Zuversicht

Auf der Sicherheitskonferenz zur Weltmeisterschaft 2006 ist der Tenor eindeutig: Deutschland gilt als sicher. Trotzdem behält sich die Bundesregierung vor, in bestimmten Situationen Grenzkontrollen durchzuführen.

Die Botschaft der seit Donnerstag in Berlin stattfinden Sicherheitskonferenz zur Weltmeisterschaft ist eindeutig: Deutschland ist für die WM 2006 gerüstet. "Wir werden das Menschenmögliche unternehmen. Wir wollen sichere Fußballspiele, aber keine Sicherheits-Weltmeisterschaft", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble den 280 Teilnehmern, unter denen auch Fifa-Boss Joseph S. Blatter und WM-OK-Chef Franz Beckenbauer waren, zur Begrüßung .

"Herausforderung für alle deutschen Sicherheitsbehörden"

Dennoch wird die WM vom 9. Juni bis zum 9. Juli die größte sicherheitspolitische Herausforderung in der Geschichte der Bundesrepublik. Drei Mill. Zuschauer, davon rund eine Million aus dem Ausland, werden die 64 WM-Spiele besuchen. Hinzu kommen Hunderttausende, die sich in den Innenstädten zum Fußballschauen auf Großbildleinwänden versammeln werden - beim sogenannten Public Viewing. Die Masse an Menschen biete eine Angriffsfläche für Terroristen, für Hooligans und das organisierte Verbrechen. "Es ist eine Herausforderung für alle deutschen Sicherheitsbehörden", sagte Schäuble.

Weltverbandschef Blatter betonte, er und der Rest der Welt würden Deutschland "voll vertrauen". Die Fifa hingegen könne lediglich eine "Mitarbeiterrolle" in diesen Fragen übernehmen. Nur in Sachen Rassismus in den Stadien werde der Verband "am Drücker sein". "Die Nationalverbände sind von uns informiert, dass wir dann als Weltverband einschreiten werden", sagte Blatter im Hinblick auf mögliche rassistische Auswüchse auf den Rängen der WM-Arenen. Schäuble kündigte unterdessen an, dass man drohende Aufmärsche von Rechtsextremisten "mit allen Mitteln bekämpfen" werde.

Zudem bestätigte der Politiker, dass er sich mit Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung auf die "vorsorgliche Bereitstellung" von weiteren 5 000 Soldaten zur Erfüllung sanitärer und logistischer Aufgaben im Bedarfsfall geeinigt habe. 2000 Soldaten waren ohnehin schon als Helfer vorgesehen. Eine Erweiterung der Kompetenzen der Bundeswehr-Soldaten, für die Schäuble stets plädiert hat, ist nur bei einer Verfassungsänderung durch eine Zweidrittelmehrheit im Parlament möglich und gilt zurzeit als eher unwahrscheinlich.

Schengener Abkommen eventuell vorübergehend außer Kraft

Um die mögliche Einreise von gewaltbereiten Anhängern anderer Nationen nach Deutschland zu verhindern, hat sich die Bundesregierung die rechtliche Möglichkeit offen gehalten, das Schengener Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen und je nach Situation Grenzkontrollen durchzuführen. "Wir werden je nach Lage reagieren und das Wann und Wo der Aussetzung ausdrücklich an die Situationen anpassen", sagte Schäuble.

Ein einheitliches, bundesweites digitales Funksystem für die deutschen Sicherheitsbehörden werde indes nicht bis zur Weltmeisterschaft eingeführt, sagte der CDU-Politiker. Sein Vorgänger Otto Schily habe diesen Mangel zwar stets beklagt, aber nicht geändert. Er selbst werde es ändern, versprach Schäuble. Allerdings ist die Zeit bis zur WM offenbar zu knapp. Fehler bei diversen Rettungsübungen wie beispielsweise in jüngster Vergangenheit in Berlin wertete Schäuble als positiv. "Übungen sind dafür da, dass etwas schief geht", sagte er. Man könne die Fehler identifizieren und beseitigen.

Bis Freitagnachmittag werden die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz tagen. Die internationalen Gäste nutzen die Zusammenkunft als Informationsaustausch. Anfang Mai werden dann die Innenminister der Bundesländer zusammenkommen, um den Feinschliff am Sicherheitskonzept vorzunehmen.

© SID

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