Fußball WM
"Zehn Löwen und ein dummer Junge"

Einen Tag nach dem WM-Aus hat die englische Presse nur Hohn und Spott für Beckham, Rooney und Co. übrig. Die portugiesische Presse feiert indes vor allem Schlussmann Ricardo.

Die englischen und brasilianischen Nationalspieler sollten heute besser nicht die Zeitung aufschlagen. Besonders die englische Presse hatte nur Hohn und Spott für Beckham und Rooney und Co. übrig. Die französische und portugiesische Nationalelf wurden hingegen gefeiert. Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat die internationalen Pressestimmen zusammengestellt.

England:

The Sun: "Schande für England. Ricardo bestraft uns wie schon vor zwei Jahren. Wieder eine Herzattacke im Elfmeterschießen. Es ist nicht mehr auszuhalten. Wir waren mit zehn Mann besser, sind aber wieder raus."

Daily Mail: "Erst die Qual mit England, dann die Ekstase dank Andy Murray. Mill. auf der Insel waren nach dem bitteren Aus im Elfmeterschießen völlig frustriert, doch der überragende Triumph von Murray in Wimbledon gegen Andy Roddick trocknete unsere Tränen."

Mail on Sunday: "Warum haben Sie Eriksson 35 Mill. gegeben? Es endet alles in Tränen. Unser Herz ist gebrochen."

Sky News: "Die Ära Eriksson hat die hohen Erwartungen der Engländer nicht erfüllt."

Sunday Express: "End of the world. Zehn Löwen und ein dummer Junge."

News of the world: "Beckham - ein Clown in Tränen."

Sunday Mirror: "Unsere Träume in Roo-inen". Die gleiche alte Geschichte: England verliert seinen Schlüsselspieler und zahlt die Strafe. Folter-Kammer. Warum mussten wir eine weitere Elfmeter-Horrorshow erleiden? Tschüs, Sven - können wir bitte unser Geld zurück haben? Verbannt Cristiano Ronaldo aus unserem Land."

The Sunday Times: "Oh nein, nicht schon wieder. Das Turnier ist auf die aufregendste, Nerven aufreibendste und vorhersehbarste Weise zu Ende gegangen: England verliert nach Elfmeterschießen. Eine Rote Karte, eine Niederlage, Elfmeter. All die vertrauten Symbole für ein Ausscheiden Englands aus einem großen Turnier waren wieder da."

The Independent: "Die Welt endet in Tränen. Ronaldo verschrottet Englands heldenhaften Widerstand. Man kann nicht bestreiten, dass über das gesamte Turnier gesehen eine anscheinend Goldene Generation insgesamt nicht ihre Leistung gebracht hat."

Portugal:

Diario Noticias: "Ricardo bricht den Rekord und stürzt Portugal in die Party. Ricardo, das Phantom für England. Der Held der EM 2004 war wieder da, als er drei Elfmeter hielt. Ronaldo, einer der Stars von Englands Manchester United, erzielt das letzte Tor und schießt Portugal 40 Jahre nach dem ersten und zuvor einzigen Mal wieder ins Halbfinale.

A Bola: "Unsterblich! Scolari hatte Recht: diese Mannschaft hat gelernt, Geschichte zu schreiben. Es ist die beste Generation, die Portugals Fußball je gesehen hat. Ricardo ins Geschichtsbuch. Im Hof von König Ricardo gibt es viele Reiter."

Publico: "Ricardo bringt Portugal ins Halbfinale."

Record: "Wir sind auf dem Weg nach Berlin! Ricardo war der Held, als er drei Elfmeter hielt. Dieses neue kämpferische Portugal hat den Geist von Scolari."

Frankreich:

L´Equipe: "Sie habens geschafft! Auch wenn noch zwei Spiele bleiben, ist es an der Zeit, Erinnerungen an 1998 zu wecken. Es ist nahezu unglaublich, wenn man bedenkt, was diese Mannschaft noch vor zwei Wochen gespielt hat. Unter der Regie eines bezaubernden Zidane und mit einer genialen halben Stunde hat sie Brasilien gequält und ist der Halbfinalist, der am meisten überzeugt hat."

Liberation: "Das perfekte Spiel! Die Franzosen haben das Kunststück vollbracht, von dem alle Mannschaften träumen, und Brasilien im Viertelfinale ausgeschaltet. Langsam werden sie zur schwarzen Bestie für die Brasilianer: Nach den Siegen im Viertelfinale 1986 und im Endspiel 1998 haben sie wieder mal bewiesen, dass sie praktisch die einzigen sind, die der Übermacht der Brasilianer Stand halten können. Es ist ein Erfolg bei einem Abenteuer, dass eigentlich mit Schmerzen und Verdrossenheit begonnen hatte. Die älteste Mannschaft des Turnier hat ein Spiel abgeliefert, das man ihr nach dem Fiasko von 2002 und dem Scheitern von 2004 nicht mehr zugetraut hatte. Die schönste Nachricht ist aber, dass Zidane zum Gipfel seiner Kunst zurückgefunden und eindeutig gezeigt hat, dass er keinen vorzeitigen Abschied will."

Le Monde: "Frankreich schickt Brasilien nach Hause und träumt jetzt vom Titel. Blau war die dominierende Farbe. Einer von vielen ruhenden Bällen von Zidane brachte die Erleichterung. Das ist ein einfach unglaublicher Erfolg für eine französische Mannschaft, die ihre Leistungsgrenze noch nicht einmal erreicht hat."

Brasilien:

Folha (Sao Paulo): "Erneut eliminiert Frankreich Brasilien. Von der erwarteten Revanche für die Final-Niederlage von 1998 war nichts zu sehen. Die Selecao war apathisch und ohne Offensivkraft."

O Globo (Rio de Janeiro): "Brasilien erzittert wieder einmal vor Frankreich. Ein melancholischer Abschied von der WM, mit einer Vorstellung, die die Turnier-Geschichte des fünfmaligen Weltmeisters befleckt."

Lance (Sao Paulo): "Der Traum vom sechsten WM-Titel muss um vier Jahre verschoben werden. Um eine WM zu gewinnen, reicht Talent allein nicht aus. Es muss auch der Wille da sein."

Gazeta Esportiva (Sao Paulo): "Der WM-Superfavorit verabschiedet sich ohne Pokal, Show oder Rekorde. Zum dritten Mal verwandelt Frankreich Brasiliens WM-Traum in einen Alptraum. Apathie und Zidane lassen Brasilien im Viertelfinale stolpern."

Estadao: "Ein Fiasko. Der brasilianische Fußball erlebte eine seiner größten Tragödien."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%