Fußball WM
Zidane will nicht ohne zweiten Titel abdanken

Frankreichs Superstar Zinedine Zidane plant heute einen großen Abschied mit WM-Titel. Italien hingegen will nach dem Manipulationsskandal die Heimat beschwichtigen. Das WM-Endspiel garantiert in jedem Fall für Spannung.

Der Fußballer der Superlative plant heute einen großen Abschied: Zinedine Zidane möchte zum Abschluss seiner Karriere mit Frankreichs "Altherren-Team" das letzte Meisterstück vollbringen. Die "Squadra Azzurra" hingegen nimmt die "wichtigste Herausforderung der italienischen Fußball-Geschichte" nicht minder ernst. Wenn Frankreich und Italien im WM-Finale in Berlin (20.00/live in der ARD und bei Premiere) um die Krone des Welt-Fußballs kämpfen, spielen Streitereien, Zweifel auf der einen und der größte Manipulationsskandal in der Geschichte des Landes auf der anderen Seite für mindestens 90 Minuten keine Rolle mehr.

"Wir leben und sterben gemeinsam. Noch vor kurzem wäre ich wohl alleine gestorben", meinte Frankreichs Trainer Raymond Domenech. Der neue Zusammenhalt im Team ist nach Ansicht des lange umstrittenen und belächelten Coaches der Schlüssel zum Erfolg der "Equipe Tricolore" geworden. Wie "eine Seilschaft im Hochgebirge" sei das Team mittlerweile verbunden, und Gloria Gaynors Hit "I will survive" würden alle mittlerweile auswendig kennen. Domenech ist sicher, dass der Verbund auch im Endspiel hält: "Das olympische Motto "Dabei sein ist alles" haben wir aus unserem Wortschatz gestrichen."

Zidane kritisiert Mitläufer

Kapitän und Regisseur Zidane hatte schon nach dem 1:0-Sieg im Halbfinale gegen Portugal den zahlreichen Mitläufern und Quertreibern in der Heimat, die das Team in der schwachen Vorrunde mit Häme überschütteten, deutlich die Meinung gesagt. "Der WM-Titel wäre wundervoll. Für die 23 Spieler, für den gesamten Betreuerstab und für die Menschen, die uns unterstützt haben. Und dabei spreche ich ausdrücklich von denen, die uns von Anfang an unterstützt haben. Und nicht von denen, die auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind", sagte "Zizou", der gegen Italien seine unvergleichliche Karriere mit dem zweiten WM-Titel nach 1998 beenden will.

Neben Zidane standen auch Abwehrchef Lilian Thuram und Torwart Fabien Barthez in der Elf, die damals im Finale in Paris Brasilien mit 3:0 bezwang. Thierry Henry, Patrick Vieira und David Trezeguet kamen bei der Zidane-Gala (zwei Tore) zwar nicht zum Einsatz, dürfen sich als Mitglieder des 98er-Kaders aber auch Weltmeister nennen. "Die blaue Dynastie - eine Epoche könnte einen außergewöhnlichen Abschluss finden", schrieb L´Equipe am Freitag.

Cannavaro schon 1990 als Balljunge bei der WM

1998 schalteten die Franzosen Italien im Viertelfinale nach Elfmeterschießen aus, zwei Jahre später versetzten "Les Bleus" den Azzurri im EM-Finale von Rotterdam (2:1 n.V.) einen weiteren Tiefschlag. Italiens Kapitän Fabio Cannavaro denkt vor dem Finale aber besonders an die WM-Pleite vor vier Jahren im Achtelfinale gegen Co-Gastgeber Südkorea und das peinliche Vorrunden-Aus bei der EM 2002 in Portugal, wenn er sagt: "In uns hat sich durch diese zwei riesigen Enttäuschungen eine Menge Ärger aufgestaut. Diese Wut müssen wir auf dem Feld umsetzen."

Für den 1,76m großen gebürtigen Neapolitaner, den wohl besten Abwehrspieler der laufenden Endrunde, schließt sich im Finale möglicherweise der Kreis. "Ich war 1990 in Neapel Balljunge beim WM-Halbfinale gegen Argentinien. Da habe ich beschlossen: Ich werde Nationalspieler und Weltmeister", erklärte Cannavaro, der am Sonntag sein 100. Länderspiel bestreitet.

Nach dem 2:0-Erfolg nach Verlängerung im Halbfinale gegen Gastgeber Deutschland kennt die Zuversicht im Team von Trainer Marcello Lippi, der laut "Gazzetta dello Sport" nach der WM Teammanager beim englischen Ex-Meister Manchester United werden soll, keine Grenzen mehr. "Italien gegen Frankreich ist das ultimative Duell, und wir haben den Glauben, auf den es ankommt", schrieb die "Gazzetta", während "Tuttosport" von der "entscheidendsten Herausforderung der italienischen Fußball-Geschichte" sprach - auch mit Blick auf den riesigen Bestechungsskandal vor der eigenen Haustür.

Urteile im Manipulationsskandal schon am Montag

Schon am Montag sollen die Urteile gegen Juventus Turin und Co. fallen, und allein im WM-Finale werden wohl sechs Spieler von Beginn an auflaufen, die beim vom Zwangsabstieg in die dritte Liga bedrohten Rekordmeister unter Vertrag stehen. Alessandro Del Piero, Schütze des zweiten Tores im Halbfinale gegen die DFB-Elf, nimmt den Skandal als willkommenen Anlass, den Franzosen die Favoritenrolle aufzubürden. "Sie haben keinen Skandal und keinen großen Druck durch die Medien. Sie sind die Favoriten", meinte der 31-Jährige, der zudem seinen ehemaligen "Juve"-Teamkollegen Zidane als "die Nummer eins" bezeichnete.

Fabio Grosso, seit seinem Führungstreffer gegen Deutschland in der Heimat wie ein Held gefeiert, hält im Gegensatz zu Routinier Del Piero nichts von derartiger Tiefstapelei: "Wir haben noch nicht genug, wir wollen mehr. Und wir werden laufen bis zum Umfallen."

© SID

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