Fußball WM
Zidanes Karriere endet mit einem Blackout

Im letzten Spiel seiner Karriere wollte Zinedine Zidane sich mit dem WM-Titel würdig von der Fußballbühne verabschieden. Stattdessen sah Frankreichs großer Spielmacher nach einer Tätlichkeit die Rote Karte.

Die Bühne war bereitet für einen der Größten, den der Fußball jemals hervorgebracht hat. Zinedine Zidane wollte sich in seinem zweiten WM-Finale nach 1998 zum zweiten Mal zum Weltmeister krönen und in seinem letzten Spiel seiner Karriere als WM-Champion abtreten.

Aber nach einem totalen Blackout und einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi sah Zidane in der 110. Minute die Rote Karte und musste von draußen den 5:3-Sieg Italiens im Elfmeterschießen im Endspiel der Xviii. WM-Endrunde vor 69 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mitverfolgen. Zidane, der große Stratege der "Equipe Tricolore", hatte sich selbst ins Abseits manövriert und erlebte eine der schwärzesten Stunden seiner Karriere, als die Stars der "Squadra Azzurra" unter dem Jubel ihrer Tifosi den WM-Pokal in Empfang nahmen.

Schon in der siebten Minute trat der kahlgeschorene Supertechniker als Protagonist im Finale in Erscheinung. Nach einem Foulspiel von Materazzi an Florent Malouda entschied der argentinische Schiedsrichter Horacio Elizondo sofort auf den Punkt. Zidane trat wie schon im Halbfinale gegen Portugal erneut zum Elfmeter an. Doch diesmal wählte er gegen Italiens Weltklasse-Torwart Gianluigi Buffon eine neue Taktik, um zum Erfolg zu kommen.

Zidanes sechster WM-Treffer vom Punkt

Diese ließ allerdings den Fans der französischen Mannschaft, die sich gegen viele Hindernissen im WM-Verlauf auch dank Zidane enorm gesteigert hatte, förmlich graue Haare wachsen. "Zizou" schnibbelte den Ball mit dem rechten Fuß ins rechte Eck, während Buffon nach links tauchte. Der Ball flog im hohen Bogen in Richtung italienisches Tor, streifte die Unterkante der Latte und schlug fast in Zeitlupentempo einen halben Meter hinter der Torlinie auf den Boden - Tor für Frankreich.

Zidane hatte zum sechsten Mal in seiner Karriere einen WM-Treffer erzielt. Als vierter Spieler nach den Brasilianern Pele und Vava sowie Paul Breitner traf er in zwei WM-Finals. Im 108. Länderspiel war es sein 31. Treffer. Er überholte damit Just Fontaine und Ex-Bayern-Profi Jean-Pierre Papin in der ewigen französischen Torjägerliste und reihte sich hinter David Trezeguet (32) auf Rang vier ein.

Italienische Doppelbewachung für Zidane

Beim 3:0-Triumph acht Jahre zuvor im Stade de France von Paris gegen die brasilianische Selecao war Zidane mit zwei Kopfballtoren der Wegbereiter, avancierte zum Superstar beim ersten WM-Erfolg der Equipe Tricolore. Sollte dieser Strafstoß am 9. Juli 2006 schon die Entscheidung für die Franzosen wie im Halbfinale sein? Mitnichten.

Der Deutschland-Bezwinger aus Italien steigerte sich, wirkte in den Zweikämpfen verbissener und kam verdient durch Materazzis Kopfball schon frühzeitig (19.) zum Ausgleich. Zidane tat sich schwer, dem Endspiel seinen Stempel aufzudrücken. Sobald der Ex-Real-Madrid-Regisseur in Ballbesitz war, wurde von der aggressiven Defensiv-Abteilung der Azzurri attackiert. Zidane blieb bei der Ballannahme kaum Zeit zum Luftholen, schon waren die italienischen Widersacher bei ihm. Oft wurde er sogar von zwei Gegner bedrängt.

Zidane freut sich auf sein Privatleben

Entsprechend hoch war Zidanes Fehlerquote und gering sein Einfluss aufs Spiel. Die Missverständnisse häuften sich. Dabei hatte der dreimalige Weltmeister Pele, dessen Brasilianer im Viertelfinale nach einer Zidane-Gala die Segel streichen mussten, Zidane vor dem Endspiel über den grünen Klee gelobt: "Er ist das leuchtende Beispiel des Fußballs."

In der 53. Minute gab es endlich wieder ein Geniestreich der Marke Zidane. Mit einem herrlichen Pass bediente der 34-Jährige erneut Malouda, der von Gianluca Zambrotta elfmeterreif gestoppt wird. Der Pfiff blieb diesmal aber aus.

Es war eine der wenigen starken Aktionen von Zidane im weiteren Spielverlauf. Nach einer knappen Stunde gab es dennoch erstmals verhalten "Zizou"-Sprechchöre von den französischen Schlachtenbummlern, die nun ohne Zidane als Aktiver auskommen müssen. In der Verlängerung wäre er dann doch noch fast zur absoluten Lichtgestalt des Finals avanciert, doch Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon parierte Zidanes Kopfball in der 104. Minute mit einer Klasseparade. Nur sechs Minuten später stand Zidane schon nicht mehr auf dem Platz.

In Zukunft privatisiert der Routnier, kümmert sich der scheue, außerhalb des Platzes oft schüchtern wirkende dreimalige Weltfußballer des Jahres um seine Familie. "Ich will mein Privatleben genießen und mit meiner Familie zusammen sein. Und ich möchte meine Ruhe haben", unterstrich er.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%