Fußball WM
Zwanziger: "Abschneiden absoluter Erfolg"

Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) hat sich der Geschäftsführende DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger zur Halbfinalniederlage gegen Italien geäußert und die Leidenschaft des Nationalteams hervorgehoben.

sid: "Wie sehr sind Sie über die Niederlage der deutschen Mannschaft im WM-Halbfinale gegen Italien enttäuscht?"

Theo Zwanziger: "Natürlich ist man nach so einer Niederlage zunächst mal enttäuscht und unglücklich. Aber die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in Dortmund wieder präsentiert hat, mit welcher Leidenschaft sie aufgetreten ist, das erfüllt mich mit größter Zufriedenheit, hat mir sogar ein Glücksgefühl beschert."

sid: "Wie bewerten Sie denn den verpassten Finaleinzug?"

Zwanziger: "Natürlich haben wir uns alle den WM-Titel gewünscht und nach den guten Leistungen unserer Mannschaft im Turnierverlauf auch fest daran geglaubt. Aber es wäre doch maßlos, wenn einen immer nur das Topresultat zufriedenstellen würde. Es ist zwar so, dass man im Sport immer auf die oberste Stufe schielt, aber wir dürfen aus unserer Sicht das Abschneiden unserer Mannschaft als absoluten Erfolg bewerten. Wir zählen wieder zu den vier besten Mannschaften der Welt und können stolz darauf sein, was die Mannschaft, der Trainerstab und die Betreuer geleistet haben."

sid: "Zwangsläufig muss die Frage nach der Zukunft von Jürgen Klinsmann gestellt werden..."

Zwanziger: "Erst einmal steht das Spiel um Platz drei auf dem Programm, in dem sich unsere Mannschaft mit einem Erfolg von dieser WM verabschieden möchte. Ich bin überzeugt davon, dass Jürgen Klinsmann die Vorbereitung auf dieses Spiel ebenfalls mit voller Energie und vollem Elan angeht. Anschließend wird es von Verbandsseite keinen Druck auf ihn geben. Er hat das Recht, sich in Ruhe Gedanken zu machen und sich mit seiner Familie und seinen Freunden auszutauschen. Er weiß selbst, dass am 16. August das erste Länderspiel der neuen Saison auf dem Programm steht und wir bis dahin Klarheit wollen. Aber ich kann nachvollziehen, dass er zunächst einmal ein Projekt abhaken will, ehe er ein neues in Angriff nimmt. So ist er, und das zeichnet ihn auch aus."

sid: "Gibt es beim DFB einen Plan B, falls Klinsmann aufhört?"

Zwanziger: "Nein. Der Arbeitskreis Nationalmannschaft wird sich ab der kommenden Woche unter Einbindung von Oliver Bierhoff mit diesem Thema beschäftigen. In Portugal hatten wir vor zwei Jahren in Rudi Völler einen Trainer, der bis 2006 unter Vertrag stand. Und nach seinem Rücktritt entstand plötzlich ein Chaos. Das wird es auf keinen Fall mehr geben. Der DFB verfügt auch in den eigenen Reihen über viele qualifizierte Trainer. Wir werden aber alles tun, um Klinsmann zu halten und beschäftigen uns deshalb auch nicht mit Alternativen."

sid: "Was bedeutet die insgesamt überaus erfolgreiche WM und auch das gute Abschneiden der Mannschaft für den Fußball in Deutschland?"

Zwanziger: "Es war ja immer so, dass nach Welt- oder Europameisterschaften ein Zuwachs in den Vereinen zu verzeichnen war. Diesmal wird es aber einen Quantensprung geben, da bin ich mir sicher. Diese WM hat einen gewaltigen Boom ausgelöst, deshalb glaube ich, dass nach den Schulferien ein gewaltiger Run auf die Vereine einsetzen wird."

sid: "Sind die Vereine denn auf einen solchen Ansturm vorbereitet?"

Zwanziger: "Ich mache mir schon Sorgen, ob die Vereine einen solchen Ansturm bewältigen können. Deshalb sind wir auch als Verband gefordert, mehr Übungsleiter für die Klubs zu bekommen und diese entsprechend zu schulen. Insgesamt haben wir aber nach wie vor zu wenig Hallen und Sportplätze. Deshalb hoffe ich, dass die Politiker, die diese WM interessiert und fasziniert verfolgt haben, diese positiven Dinge erkennen und nicht so schnell den Spaß am Fußball wieder verlieren, der einen sportlichen und auch gesellschaftlichen Auftrag hat."

sid: "Erhoffen Sie sich auch Impulse für den Profi-Fußball?"

Zwanziger: "Man darf die Prognose wagen, dass es in den nächsten Jahren nicht schlecht um den deutschen Fußball bestellt sein wird. Wir werden das Projekt Eliteschulen vorantreiben, zudem wird auch die Arbeit in den Nachwuchszentren der Bundesligaklubs nach und nach Früchte tragen. Wir sind auf einem guten Weg."

© SID

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