Fussballanalyse
Trainer vertrauen Datensammlern

Ballkontakte, Passquote, Zweikampfwerte - in der Bundesliga zählen längt nicht mehr nur die Tore. Mit umfangreichen Datenanalysen werten moderne Trainer das Spiel ihrer Mannschaft aus. Dank der hohen Nachfrage von Vereinen und Medien ist ein florierender Markt für Fußball-Statistiken entstanden.

NECKARBISCHOFSHEIM. Wenn es um Wissenschaft im Fußball geht, vertritt Felix Magath seine ganz eigene Anschauung. Er habe es seit jeher als falsch empfunden, nach immer mehr Informationen zu suchen, sagt der Trainer des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. „Man kann ein Spiel nicht nach Ballkontaktzeiten oder Laufwegen beurteilen. Das zeigt nur, dass Trainer verunsichert sind und ihren Augen nicht trauen.“

Es scheint, als stünde Magath mit dieser Meinung bald alleine da. Denn mittlerweile wird jeder Schritt, den ein Spieler auf dem Platz macht, erfasst und statistisch ausgewertet. Innerhalb weniger Jahre ist ein florierender Markt für Fußballdaten entstanden. So gut wie alle Vereine, Verbände und Medien bezahlen dafür, dass Spielanalysten den Fußball in kleine statistische Einzelteile zerlegen. Die Anbieter schätzen, dass die Branche mit solchen Daten europaweit mindestens 50 Mio. Euro umsetzt – Tendenz steigend.

Etliche Unternehmen rangeln um Aufträge und Marktanteile. Zu den bekanntesten Anbietern gehört die vor acht Jahren gegründete Firma Mastercoach aus Düsseldorf. Bereits 1997 startete Sports Analytics in Dortmund, mitbegründet von Fußball-Coach Michael Henke, der früher Co-Trainer bei Borussia Dortmund war und heute in gleicher Funktion beim 1. FC Köln tätig ist. Opta Sport Daten und dpa-infocom beliefern Medien und die Deutsche Fußball Liga. Auch wenn der Pay-TV-Sender Sky während einer Übertragung das Eckball- und Chancenverhältnis, Zweikampfwerte eines Spielers oder die Verteilung des Ballbesitzes einblendet, stammen die Daten von Opta Sport Daten.

Ein Pionier des sportlichen Erbsenzählens ist Impire in München, das 1992 für Sat 1 die „Ran“-Fußballdatenbank entwickelte. Heute beschäftigt die Firma 60 Vollzeit- und 90 Teilzeitmitarbeiter und erwirtschaftet den Großteil ihres Jahresumsatzes von rund sieben Mio. Euro durch Aufträge von Medienunternehmen.

Die Sportstatistiker versorgen Reporter wie Oliver Frick, der für den Südwestrundfunk aus den Stadien in Stuttgart, Sinsheim und Freiburg live berichtet, schon Tage vor dem Anpfiff mit dicken Mappen. „Sie erleichtern die Vorbereitung auf ein Spiel ungemein. Früher musste man sich alles mühsam selbst zusammensuchen“, sagt Frick. Er verwendet die Daten eher in kleinen Dosen, während zum Beispiel aus der WDR-Kollegin Sabine Töpperwien statistische Schmankerln geradezu heraussprudeln.

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