Fußballer beschweren sich über ihren Arbeitsplatz Wenn der Rasen sprechen könnte

Die Fernsehzuschauer sehen es immer wieder - hochbezahlte Fußballer liegen versehentlich auf dem saftigen Grün der WM-Stadien. Aber nicht um eine Auszeit zu nehmen, sondern weil ihre Standfestigkeit dem Rasen nicht angepasst werden kann. Jetzt melden sich immer mehr Ballklünstler zu Wort und versuchen ihre teils desolaten Vorstellungen auf den Bodenbelag zu schieben. Wenn das der FIFA-WM-Rasen wüsste!
Der Rasen ist schuld. Foto: dpa

Der Rasen ist schuld. Foto: dpa

HB BERLIN. Die Ballkünstler sind beleidigt: Weil der Rasen in den WM-Stadien nicht ihren Vorstellungen entspricht, macht der Ball nicht, was sie wollen. Sagen sie zumindest. "Auf dem klebrigen Untergrund war die Ballbehandlung schwer", befand etwa Frankreichs Superstar Thierry Henry nach dem tristen 0:0 in Stuttgart gegen die Schweiz. Zuvor hatten sich schon die Niederländer ("zu trocken"), die Japaner ("zu lang") und die Deutschen ("zu rutschig") über das Grün beschwert, das extra für die WM gezüchtet und für rund 150 000 Euro pro Stadion neu verlegt worden war.

Dass bei der bislang nahezu perfekten WM ausgerechnet der Rasen mangelhaft sein soll, wollen die Organisatoren nicht auf sich sitzen lassen. "Uns liegen keine offiziellen Beschwerden vor", betonte Gerd Graus, der Sprecher des Organisationskomitees (OK). "Nach Meinung unserer Experten ist der Rasen in gutem Zustand." Auch Engelbert Lehmacher vom "Rasenkompetenzteam", das das OK eigens für die WM gegründet hatte, relativierte die Kritik. "Das sind subjektive Erfahrungen, die zum Teil sehr widersprüchlich sind."

Das Problem mit dem Rasen, sagte Lehmacher, sind vor allem die unterschiedlichen Vorlieben der Spieler. "Einige Nationen mögen einen feuchten Rasen, damit der Ball schneller läuft, aber einige mögen das auch nicht." Bei der Präparierung vor den Spielen sind die Greenkeeper in den Stadien ohnehin weitgehend an die Vorgaben der FIFA gebunden. So mag Trainer Zico darüber klagen, dass der Rasen in Kaiserslautern viel länger sei als in der Heimat; an der vorgegebenen WM-Schnitthöhe von 2,8 Zentimetern lässt sich aber nicht rütteln.



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Lehmacher betonte zugleich, dass das OK die Beobachtungen ernst nehme. "Wir sehen auch, dass hin und wieder ein Spieler ausrutscht", sagte er. Das sei aber kein Problem der Rasendecke, sondern vielmehr des Bodens. Der müsse auch bei den extremen Temperaturen feucht gehalten werden. "Sonst würde der Rasen kaputtgehen." Die Folge: Die Stollen reißen Stücke aus dem Boden heraus, so dass die Spieler ins Rutschen geraten. "Das ist nur begrenzt völlig auszuschließen, hängt vielleicht aber auch von der Wahl der Stollen ab", sagte er.

Dennoch gebe es durchaus noch "Kleinigkeiten", die verbessert werden könnten. So seien die Plätze noch einmal "perforiert" worden: Löcher wurden in den Rasen gestanzt, um die Luftzirkulation zu erhöhen. Damit sei der Rasen zugleich auch auf eventuelle Regenfälle besser vorbereitet. Zudem haben die Experten noch eine Maßnahme im Köcher, die die Standfestigkeit für die Spieler verbessern soll. "Topdressing" nennt sich die Methode, bei der der Rasen "ganz leicht mit Sand gepudert" wird, um die Oberfläche rauer zu machen.

Bislang kam das Topdressing jedoch noch nicht zum Einsatz, und Lehmacher zögert auch, es anzuwenden. Denn weil der Rasen dadurch auch heller würde, ahnt er schon die nächsten Klagen: "Dann wird auch wieder gejault, dass die Optik nicht passt."

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