Fußballer hört mit 29 auf
Der ungewöhnliche Abschied von Marcell Jansen

„Meine Karriere ist vorbei“: Ein Fußballer verzichtet freiwillig auf ein paar Millionen Euro. Geht nicht, gibt's nicht? Oh, doch! Ex-Nationalspieler Marcell Jansen wagt den klaren Schnitt – mit gerade einmal 29 Jahren.
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DüsseldorfMarcell Jansen hat seine Karriere beendet. Das enthüllte der frühere Fußball-Nationalspieler in der „Bild“. „Ich habe lange überlegt. Einige Tage, einige Wochen sogar“, sagte der gebürtige Mönchengladbacher: „Doch nun ist es für mich klar: Meine Karriere ist vorbei, ich höre auf.“ Und das im zarten Fußballeralter von gerade einmal 29 Jahren.

Der Schritt sei zwar nicht einfach gewesen. „Ich habe im Urlaub viel überlegt. Es gab sehr tolle Angebote. Aber für mich ist ein Weitermachen keine Option“, sagte Jansen der Zeitung. Er könne nicht „zwei, drei Jahre noch irgendwo spielen, wo ich nicht zu 100 Prozent dahinterstehe“.

Außerdem ist Jansen überzeugt, sich in anderen Aufgaben nun besser verwirklichen zu können. Keine Verletzung, kein Desinteresse von Seiten der Vereine: Der Abwehr- und Mittelfeldspieler hört freiwillig auf und kehrt dem hysterischen Fußballzirkus den Rücken. Sein Karriereende ist auch eine Absage an die Geldmaschine Fußball.

Zumal: Wenn er mit seinen Tantiemen klug gehaushaltet hat, dürfte er sich für den Rest seines Lebens keine Sorgen mehr um den Broterwerb machen müssen. Indes hat Jansen keine Lust auf Faulenzen. Er habe einige Projekte im Kopf, etwa ein Start-up. Als Investor gründete Jansen Anfang 2015 mit fünf Freunden das Modelabel „Gymjunky“, einen Onlineshop für Fitnessklamotten.

„Und ich freue mich darauf, dass ich mein Hobby wieder zurückbekomme. Zuletzt war Fußball mein Beruf, nun wird es wieder mein Hobby.“ Der Verteidiger stand zuletzt beim Hamburger SV unter Vertrag, erhielt aber keinen neuen Kontrakt. Vergangene Saison machte er lediglich elf Bundesliga-Spiele für den HSV.

Benfica Lissabon war im Winter ein Interesse an der Verpflichtung Jansens nachgesagt worden. Der Fußballer kam aus der Gladbacher Jugend, wurde 2005 Nationalspieler und wechselte zwei Jahre später für 14 Millionen Euro zum FC Bayern München. Lange blieb er dort trotz eines Vierjahresvertrags und des Gewinns von Meistertitel und DFB-Pokal nicht.

Nach nur einer Saison zog er weiter zum HSV, wo er insgesamt neun Cheftrainer und viele emotionale Achterbahnfahrten erlebte. Vor fünf Jahren verpasste er in der Europa League den Finaleinzug unter Bruno Labbadia, der ihn nun aussortierte. In 242 Bundesliga-Partien schoss Jansen 25 Tore, für Deutschland spielte er 45 Mal.

Das WM-Sommermärchen 2006 erlebt er als jüngster Spieler des Turniers mit. „Das war und ist das größte Turnier, was ich bisher erlebt habe und ein Highlight meiner Karriere, wovon sicherlich jeder fußballbegeisterte kleine Junge als auch jeder Profi träumt“, schrieb Jansen auf seiner Facebook-Seite.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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