Fußballer Thorsten Legat
Schlag den Raab und eine böse Kindheit

Thorsten Legat war Deutscher Meister, DFB- und Europapokalsieger. So wie er als Fußballer wirkte, tritt er noch öffentlich auf – als harter Hund, etwa gegen Showmaster Stefan Raab. Und bewältigt so ein Trauma.
  • 1

DüsseldorfSo einen Anruf bekommt ein Fußballer nicht alle Tage: 1994, Berti Vogts, der Bundestrainer. Thorsten Legat erinnert sich an das Telefonat, als wäre es gestern gewesen. „Thorsten, pass auf. Ich werde dich nominieren. Du fährst mit zur WM, wenn du am Freitagabend gegen den 1. FC Köln ein gutes Spiel ablieferst. Ich werde im Weserstadion sein.“

Thorsten Legat spielte damals für Werder Bremen, ein Spitzenteam in der Bundesliga und größter Konkurrent des FC Bayern München. Sein Trainer war der Otto Rehhagel, der später mit dem Außenseiter Griechenland überraschend Europameister wurde – und so seine Trainerkarriere krönte. Doch Fair Play war nicht immer die Sache von König Otto.

Rehhagel ließ Legat am entscheidenden Tag auf der Bank schmoren. Legat: „Keine Begründung – bis heute nicht!“ Doch „König Otto hinterfotzig“ war längst nicht das schlimmste Foul. Legat schleppt seit seiner Kindheit ein Trauma mit sich herum. Der Sport ist sein Ventil – immer noch, auch wenn er – wie am Donnerstag im Fernsehen – gegen Showmaster Stefan Raab antritt und sogar gewinnt: 13:11, wie eine Regionalzeitung auf Facebook postet.

Manche Erlebnisse hängen ihm noch heute nach – in Bildern, in Träumen. „Ich habe lange damit gewartet, Bilder für dieses Buch herauszusuchen, und als ich es dann tat, spürte ich, warum“, schreibt Legat in seinem Buch. „Die alten Fotos aus der Kindheit widerten mich an, ich bekam einen Brechreiz. Hass und Wut stiegen in mir auf.“

Man könne versuchen, schreckliche Erinnerungen zu verdrängen, stellt Legat fest. Doch beim Betrachten von Bildern gehe das nicht. Manche Fotos aus der elterlichen Wohnung wirkten auf ihn wie Bilder von einem Tatort. „Als mein Vaters starb, spürte ich zum ersten Mal Entlastung, und doch verfolgt er mich weiter.“

Wie schlimm das ist, schildert er so. „Es ist erst ein paar Wochen her, da geschah bei uns zu Hause eine ähnliche Szene wie im Wohnzimmer meiner Mutter. Meine Kinder waren beim Training und meine Frau bei der Arbeit. Es war still, und ich versuchte abzuschalten. Doch die Ruhe, die mir guttun sollte, wirkte plötzlich bedrohlich.“

Kommentare zu " Fußballer Thorsten Legat: Schlag den Raab und eine böse Kindheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gratuliere zum neuen Format! Es ist keine Buchrezension, es ist keine Nachricht. Es ist kein Bericht und auch kein Feature. Aber es scheint wichtig zu sein. Sonst wäre es ja nicht Aufmacher beim Handelsblatt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%