Fußballklubs in Finanznot Spaniens sinkende Sterne

Barcelona, Real, Atlético, Bilbao, Valencia - alle kämpfen sie in diesen Tagen um den Einzug in die beiden wichtigsten Europapokal-Finals. Sportlich dominiert Spanien den europäischen Fußball - finanziell ist die Lage jedoch prekär, der Blick in die Bilanzen erschreckend. Experten sehen schon in der Bundesliga den kommenden Machtpol in Europa.
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Atletico Madrids Joao Miranda (hinten) im Duell mit Jonas vom FC Valencia: Sportlich sind beide Klubs top und spielen am Donnerstag um den Einzug ins Europa-League-Finale. Aber finanziell sieht es düster aus. Quelle: dapd

Atletico Madrids Joao Miranda (hinten) im Duell mit Jonas vom FC Valencia: Sportlich sind beide Klubs top und spielen am Donnerstag um den Einzug ins Europa-League-Finale. Aber finanziell sieht es düster aus.

(Foto: dapd)

KölnWer in die Bücher spanischer Fußball-Vereine guckt, darf nicht schreckhaft sein. Philipp Grothe, Chef der internationalen Sportmanagement-Agentur Kentaro, hat den Blick gewagt. Als ihm eine Beteiligung an einem namhaften Verein angeboten wurde, checkte er die Bilanzen – und nahm schnell Abstand von der Idee. „Wenn Sie da die erste Seite aufschlagen, da graut es Ihnen.“ Pikant: Der Klub steht in dieser Woche im Halbfinale der Europa League. Präziser mag Grothe nicht werden. 

Sportlich dominiert der spanische Fußball Europa zwar wie nie zuvor - fünf der acht verbliebenen Teams in den internationalen Wettbewerben kommen aus Spanien: Im Champions-League-Finale ist ein rein spanisches Duell Real Madrid gegen Barcelona gut möglich, in der Europa League bei drei von vier Halbfinalisten aus der Primera Division (Athletic Bilbao, Atlético Madrid, FC Valencia) sogar sehr wahrscheinlich. Doch spanische Fußball-Teams lehren nicht nur ihren Gegnern das Fürchten. Auch Wirtschaftsprüfer erschaudern, beim Studium der Vereinsfinanzen. Keine einzige spanische Mannschaft schaffte es auf die Liste der zehn solidesten europäischen Top-Vereine, aufgestellt von Ernst & Young.

Das Urteil der Wirtschaftsprüfer über die Primera División ist desaströs: Während sie die Bundesliga zur Referenz mit 100 Prozent erklären, erreichen die spanischen Teams gerade einmal 39 Prozent – das ist der schlechteste Wert in ganz Europa.

Der momentane sportliche Höhenflug könnte sich schnell als Wendepunkt entpuppen. Auch wenn die beiden Top-Klubs Real Madrid und FC Barcelona vorerst weiter stark sein werden – für den Rest der spanischen Liga könnte die Blüte bald vorbei sein, vermutet der Unternehmensberater Jürgen Rothenbücher von A.T. Kearney. Als neue fußballerische Macht in Europa sieht er die Bundesliga – auch dank der der höheren TV-Einnahmen ab 2013.

Der Deal wird Deutschland bei den Fernseh-Einkünften von Platz fünf auf Platz vier hieven. „Die Bundesliga wird dominanter werden, Spanien wird dagegen stark abfallen. Wir sehen jetzt schon, dass die spanischen Klubs deutlich weniger für Spieler ausgeben. Und es wird noch weniger werden.“ Damit sinke im Vergleich zu anderen Ligen die Attraktivität für Starspieler.

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11 Kommentare zu "Fußballklubs in Finanznot: Spaniens sinkende Sterne"

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  • Das Uefa FFP geht schon in die richtige Richtung. Wirkungsvoll ist dieser Gedanke aber nur, wenn Uefa-weit ein einheitliches Lizensierungsverfahren eingeführt wird. Und da ist das deutsche das beste. Gesunderweise behandeln DFB und DFL Vereine als Unternehmen, die jedes Jahr ihre Wirtschaftlichkeit nachzuweisen haben. Da gibt es keine Schlupflöcher. Wer keinen dezidierten Entschuldungsplan vorlegen kann, fliegt raus. Ja, auch das bietet das deutsche Lizensierungsverfahren: die Möglichkeit, einen realistischen Entschuldungsplan einzureichen. Neuestes Beispiel: Hansa Rostock. Sinn der Maßnahme: Schutz eines Clubs vor Insolvenz und Förderung des gesunden Wirtschaftens. Was Spanier und Engländer praktizieren, ist sportlicher Erfolg auf Pump. Unfair. Und wenn die Schulden lasten, dass dem Verein das Rückgrat bricht, gib es einen staatlichen Schuldenerlass. So geschehen im Falle von AEK Athen in den 90ern, als der Staat eingriff.

  • Kann nur zustimmen! Man darf gar nicht so weit über den Tellerrand der "Finanzierung" hinausblicken,je weiter der Blick in die Tiefe geht desto näher kommt der Suizid

  • Wir statten Spanien ja über die EZB auch mit Krediten aus mit denen die dann bei uns Firmen wie HOCHTIEF kaufen. Warum soll das im Fußball anders sein? Bald kommen wieder ein paar Bilder mit hungernden Kindern und armen Mütterchen ohne Rente und dann werden wir als die schuldigen Verbrecher an die Klagewand gestellt. Die Länder im Süden sollen mal alle erst Ihre Probleme intern lösen und wenn sie dann wirklich am Hungertuch nagen dann kann man ja helfen. Wenn ich aber sehe wie da geprasst wird dann komme ich mir ziemlich veräppelt vor.

  • Gut recherchiert und geschrieben!
    Nur - was soll sich bitte schön ändern? Die Bestandsschulden werden irgendwie, direkt oder indirekt, erlassen werden. In der Zukunft darf dank UEFA Financial Fair Play der Fehlbetrag max. 45 Mio. EUR betragen, der durch Mäzene, Privatpersonen, etc. ausgeglichen werden darf. Tendenz sinkend.
    Na und?
    Es wir immer wieder Schlupflöcher geben, mit denen die aufgeblähten Etats bestritten werden können. Beispiel: individuelle Vermarktung a la Real oder Barca. Oder: wer sagt eigentlich, wie viel ein Trikotsponsor maximal zahlen darf??? Dann wird das Defizit halt über Sponsormodelle ausgeglichen ...
    Wirklich eingreifen wird da kein Politiker; Brot und Spiele sichern sozialen Frieden und Wahlergebnisse ...

  • Nichts, gar nichts wird passieren!! Der Hoeneß Uli redet schon seit 20 Jahren, dass die Südvereine finanziellen Schiffbruch erleiden werden (Pustekuchen)! Athletico Madrid hat mit 100 Mio Schulden nochmal locker 40 Mios mehr verbuttert um den Stürmer zu kaufen, der Hannover 96 aus der "Europaliga" gekickt hat! Hannover 96 und sein Prädident Martin Kind bemühen sich um einen ausgeglichenen Haushalt! So gerecht ist dieses Europa!! Und das Schönste ist, dass die ihren Vereinsschulden (und nicht nur die) weiter bei uns doofen Nordeuropäern (Deutsche) abladen können!! pfui Spinne; das ist nicht mehr mein Europa!!

  • dann werde ich aber meinen anteil an ronaldo und messi gerichtlich einfordern. auch wenns nur der dreckerte zehennagel von denen sein sollte.

  • Brot und Spiele....die Menschen lassen sich immer noch veräppeln...Milliarden für 22 Mann, die sich um einen Ball streiten!

  • Also da muss ein,zwei Rettungsschirme her. Man kann die Armen doch nicht darben lassen. Solidarität sollte hier nicht nur ein Inhalts leerer Begriff sein.
    Vamos Compadres.

  • Sobald im Sommmer die deutschen Abgeordneten im Euro-Wahn den ESM abgenickt haben - und der Bundespräsident hat seine Unterschrift ja auch schon angekündigt, können unbegrenzt aus Solidarität deutsche Steuergelder an spanische Banken fließen.
    Dann dürfte auch weiter genug für die Fussballclubs dabei abfallen. Also alles kein Problem.

  • Na, da wird sich doch bestimmt bald ein Rettungsschirm aufspannen, oder? Es muss doch auch hier möglich sein, den deutschen Steuerzahler in Generalhaftung zu nehmen - das wäre ja gelacht!

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