Fußballmärchen in England: Vom Underdog zum Schreckgespenst

Fußballmärchen in England
Vom Underdog zum Schreckgespenst

Der Fußballklub Leicester City ist eine graue Maus der Premier League. Doch die Billig-Truppe wurde zum Alptraum für die reichen Vereine. Trotz einer Niederlage am Sonntag ist die Sensation noch möglich: der Titelgewinn.

LondonClaudio Ranieri bleibt lieber vorsichtig. Gefragt, wen er aus der Spitzengruppe der britischen Premier League als Favoriten ansehen würde, sagte der Trainer von Leicester City kürzlich trocken: „Alle bis auf uns.“ Es ist ein Tiefstapeln, das dem 64 Jahre alten Italiener offensichtlich großen Spaß bereitet: Seit Wochen redet der Leicester-Trainer die Titelchancen seiner Mannschaft unermüdlich herunter.

„Wir haben zwei Punkte Vorsprung“, stellte er am Sonntag nach dem Spiel gegen den Titelaspiranten Arsenal lediglich nüchtern fest: „Wir müssen weitermachen – und lächeln.“ Doch das Kleinreden verfehlt allmählich seine Wirkung.

Die meisten britischen Rivalen sehen die Situation inzwischen nicht mehr annähernd so entspannt – und dazu haben sie auch allen Grund. Denn der Klub aus dem britischen Norden hat sich zum Überraschungsteam der laufenden Saison gemausert – und zum Schreckgespenst der etablierten großen Vereine.

Arsenal-Star Mesut Özil wusste vor dem Spiel am Sonntag deshalb genau, was zu tun war. „Unser Job ist es, Leicester City zumindest fürs Erste von dieser unglaublichen Euphoriewelle herunterzuholen“, gab der deutsche Spieler vor dem Treffen mit Leicester als Devise im Londoner Emirates Stadium aus.

Tatsächlich schlug Arsenal dank eines späten Tors von Danny Welbeck das Team aus Leicester mit 2:1 und macht das Titelrennen so wieder spannend. Doch nach den zwei Spitzenspielen bei den Verfolgern Manchester City und Arsenal ist Leicester, das erst seit 2014 wieder in der Premier League spielt, noch immer da, wo die Mannschaft zu Beginn der Saison wirklich niemand vermutet hatte: auf Platz Eins der Tabelle.

Es ist das Fußball-Märchen aus Leicester. Vor Beginn der Saison stuften die Buchmacher die Wahrscheinlichkeit, dass die Mannschaft Meister wird, auf eine Quote von  5000:1 ein. Kurz gesprochen: Sie hielten es für ein Ding der Unmöglichkeit – und befanden sich damit in guter Gesellschaft.

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