Fußballskandal
Mafiajäger im Juve-Strafraum

Kurz vor der WM erschüttert ein riesiger Fußballskandal Italien. Im Zentrum: Meister Juventus Turin, eine dubiose Agentur – und die Fiat-Familie Agnelli.

MAILAND. „No Moggi, No Party“ – steht in großen Lettern auf dem Banner. So begrüßten die Fans von Reggina Calcio gestern im San Nicola-Stadion von Bari ihre Gäste aus Turin. In Anspielung auf die Martini-Werbung provozieren die Tifosi ihren schwarz-weißen Gegner Juventus, dessen Sportdirektor Luciano Moggi vor drei Tagen zurückgetreten ist.

Juve siegte nach den Treffern von David Trézeguet und Alessandro del Piero 2:0 und ist damit zum 29. Mal italienischer Fußball-Meister. Es könnte auf Jahre der letzte Auftritt mit Weltstars und auch der letzte Titel für Juventus gewesen sein.

Denn das Saisonfinale interessiert längst niemanden mehr. Ungläubig schauen Italiens Fußballfans zu, wie sich von Tag zu Tag ein immer unglaublicherer Mafia-Krimi vor ihnen entfaltet. Seitenweise präsentieren ihnen Blätter wie die „Gazzetta dello Sport“, „La Repubblica“ und selbst der „Osservatore Romano“ des Vatikan immer neue Details des schwersten Skandals der italienischen Fußballgeschichte.

Es geht um gekaufte Spiele und Spieler, schummelnde Schiedsrichter und illegale Wetten. Nicht dass das knapp vier Wochen vor der Weltmeisterschaft schon schlimm genug wäre: Es geht nicht wie beim deutschen Schiri-Skandal um die zweite Klasse im Fußballbusiness – es geht um Juventus Turin, den stolzesten Club Italiens, kontrolliert von einer der edelsten Familien Italiens, den Agnellis.

Vier Staatsanwaltschaften in Turin, Neapel, Rom und Parma ermitteln. Auch wenn weitere Teams verstrickt sein sollen: Juve steht im Zentrum. Zehn Jahre hat Neapels Staatsanwalt Giuseppe Narducci gegen die Mafia ermittelt, nun leitet er die Ermittlungen gegen Juve & Co. „Auch hier gehen wir von einer kriminellen Vereinigung aus“, sagt Narducci.

Sein Verdacht: Nicht die Leistung hat über Sieg und Niederlage im italienischen Profi-Fußball entschieden, sondern eine ominöse Agentur, deren Strippenzieher Ex-Juventus-Sportdirektor Luciano Moggi war.

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