Fußballverband
DFB baut radikal um

Der größte Sportfachverband der Welt plant den Neustart – mit Methoden der Wirtschaft. Die Radikalreform sichert dem Generalsekretär mehr Macht. Finanziell steht der DFB unter Druck - wegen eines neuen Steuerbescheides.
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MünchenDen Siemens-Konzern haben die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Verbands (DFB) im Blick, wenn sie heute auf ihrer Präsidiumssitzung eine kleine Revolution beschließen. Mit einem General-Umbau (Projekt: „Umschaltspiel“) wollen Präsident Reinhard Grindel und Generalsekretär Friedrich Curtius endgültig der großen Vertrauenskrise entweichen.

Noch immer belasten die Berichte über eine gekaufte Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land den Verband. So wie Siemens damals intern nach einem Korruptionsskandal aufräumte, so will auch der DFB nun durchgreifen. Drei von sieben Direktorien entfallen genauso wie zehn von dreißig Abteilungen.

Für eine stärkere Trennung von Verbandspolitik und der Tagesarbeit durch die 300 Angestellten soll genauso gesorgt werden wie für die rechtliche Überwachung („Compliance“) und eine bessere Mitarbeiterführung durch Anreize. Vor allem wird künftig der „Elite-Fußball“ - die Nationalmannschaft und eine neue Akademie – stärker in die Arbeit des DFB eingebunden.

Auslöser dieser Strukturreform war eine Mischung aus äußerem und innerem Druck auf den DFB. Die 2015 enthüllte und noch immer nicht aufgeklärte Affäre um die WM 2006 kostete den Verband einen Präsidenten, einen Generalsekretär und jede Menge Glaubwürdigkeit. Erst am Freitag musste der DFB einräumen, dass das Finanzamt für das WM-Jahr 2006 geänderte Steuerbescheide über 19,2 Millionen Euro erlassen hat. Der Verband will diese Entscheidung anfechten.

Das Konzept, über das am Freitag beim DFB in Frankfurt beraten wurde, sieht ein großes Ressort vor, das von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff geleitet wird. Er werde zum „Super-Minister“ des DFB, titelt das Fachmagazin „Kicker“. Bierhoff ist andererseits aber weisungsgebunden an DFB-General Curtius, der mit den Änderungen deutlich mehr Macht bekäme.

Offenbar wird eine stärkere Verzahnung der Marken DFB und Nationalmannschaft angestrebt. Neben dem Bierhoff-Bereich soll es noch eine Direktion für Vereine, Verbände und Ligen geben. Beide Einheiten sollen wiederum von zwei Verwaltungsdirektorien bedient werden: Sie sind in Finanzen/interne Dienste sowie Öffentlichkeitsarbeit/Fans aufgeteilt.

Das „Umschaltspiel“ des DFB hatte eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey vorbereitet. Für eine Million Euro durchkämmten die Consultants ein halbes Jahr lang die Überbürokratie in der Frankfurter Zentrale und schlugen einen gänzlich anderen Aufbau vor. Eine interne Mitarbeiterbefragung brachte zudem zutage, dass in der Belegschaft ein Mangel an Führung und fehlende Förderung als große Hürden empfunden werden.

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