Fußballvereine wollen keine Fremdinvestoren
Oligarchen sind unerwünscht

Lediglich sieben Vereine der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga würden sich einen Fremdinvestor als Mehrheitsgesellschafter ins Boot holen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts unter den 36 Bundesligisten.

BERLIN. Mehr als die Hälfte der Klubs sind jedoch für eine Beibehaltung der so genannten „50+1“-Klausel. Die Zweidrittelmehrheit, die erforderlich wäre, um die Klausel zu kippen, kommt derzeit also nicht zustande.

Seit 1999 erlaubt die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft, um den Vereinen die Finanzierung und Suche nach Partnern zu erleichtern. Bisher haben 17 Vereine davon Gebrauch gemacht. Die „50+1“-Regel verbietet es den Klubs jedoch, die Mehrheit der Stimmen an diesen Kapitalgesellschaften zu veräußern. Klubs, die gegen die Vorschrift verstoßen, droht die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit Lizenzentzug.

Es gibt kaum ein Thema, dass die Liga so sehr spaltet, wie dieser Passus in den Satzungen des DFB und des Ligaverbandes. Auf der einen Seite formieren sich Vereine, unter denen die Angst umgeht vor amerikanischen Investoren und russischen Oligarchen, die in der Bundesliga schmutziges Geld waschen könnten. Auf der anderen Seite stehen die Vereine, die sich dem Kapitalmarkt öffnen wollen, um mit den Ligen in England und Spanien mithalten zu können. „Das Ergebnis zeigt die Skepsis der Vereine, sich in die Hände eines Investors zu begeben“, sagt Stefan Ludwig von der Unternehmensberatung Deloitte.

Stattdessen warnen die „50+1“-Bewahrer vor englischen Verhältnissen, schließlich sei die Premier League zwar ein Spektakel, aber ein viel zu teures, das sich der gemeine Fan längst nicht mehr leisten könne.

Angst um Einfluss

Hinter diesen Argumenten versteckt sich aber auch die Angst der Vereinsoberen, Einfluss zu verlieren. „Dabei würden sie ja weiterhin selbst entscheiden, auch wenn die Regel gekippt würde“, sagt Ludwig. Im Arbeitskreis Finanzen der DFL hätten Vereinsvertreter sogar Sorge um ihre Jobs geäußert, berichtet einer der Teilnehmer. „Ich kenne keinen bösen Investor, der einen Klub an die Wand gefahren hat, dafür aber einige Vereinsvorstände“, umschreibt Ilja Känzig, Chef der Beratungsfirma Boutique Football und früher Manager bei Hannover 96, das Problem. In vielen Vereinen zählten Länderspiele noch immer mehr als eine betriebswirtschaftliche Ausbildung.

Betriebswirtschaftlich argumentieren die Gegner von „50+1“, angeführt von Martin Kind, Geschäftsführer der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA, ein Kaufmann, der sein Geld mit Hörgeräten verdient hat und damit den Verein in den neunziger Jahren vor der Insolvenz bewahrte. Er will die lästige Klausel so schnell wie möglich abschaffen, damit er über eine Kapitalerhöhung regionale Investoren an 96 beteiligen kann. Nur so glaubt er, mithalten zu können, zumindest mit Bremen und dem HSV, die doppelt so hohe Einnahmen haben wie Hannover und deshalb laut Kind auch Gewinne erwirtschaften. Mit „Wettbewerbsfähigkeit“ argumentiert auch Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der sagt, dass die Abschaffung der „50+1“-Regel der Bundesliga international helfen würde.

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