Ganz Österreich träumt vom Sieg gegen DFB-Team
„Lasst uns Jubeln“

Fußball-Österreich strotzt vor dem Deutschlandspiel vor Selbstbewusstsein, die Erwartungshaltung ist groß – ein Hauch von Cordoba liegt in der Luft. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Alpenrepublik überschätzt.
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WienÖsterreich hofft. Weil die eigenen Fußballer zuletzt deutlich besser als in den zurückliegenden Jahren gespielt haben, soll es heute Abend im WM-Qualifikationsspiel gegen den übermächtigen Gegner Deutschland nach sieben Niederlagen in Folge endlich wieder einmal einen Sieg geben. „Lasst uns Jubeln“, fordert die U-Bahn-Zeitung „Heute“. Im „Spiel des Jahres“ im Wiener Ernst-Happel-Stadion könnte es nach der langen Pleiten-Serie gegen Deutschland vielleicht doch eine Überraschung geben.

Nach der Papierform sind die Kräfteverhältnisse für heute Abend eigentlich ziemlich klar. In der aktuellen Fifa-Weltrangliste liegen die Österreicher auf Platz 49, die Deutschen auf Rang zwei. Die deutsche Mannschaft kommt auf einen Marktwert von 425 Millionen Euro, das Team aus der Alpenrepublik auf klägliche 71 Millionen Euro. Trotzdem sind die hohen Erwartungen aus Österreich nicht ganz ungerechtfertigt.

Das Team aus der Alpenrepublik hat die Türkei im August in einem Vorbereitungsspiel 2:0 geschlagen. Der neue Nationaltrainer, der Schweizer Marcel Koller, seit einem knappen Jahr im Amt, hat die Mannschaft deutlich verbessert. Dass neun der elf Team-Spieler von heute Abend ihr Geld in der deutschen Bundesliga verdienen, hat das Selbstbewusstsein der Österreicher zusätzlich gesteigert. „Die heutige Mannschaft besitzt mehr Qualität als etwa das Team bei der Heim-EM vor vier Jahren“, konstatiert der frühere Nationaltrainer Josef Hickersberger.

Die Kommentatoren von Österreichs führenden Zeitungen freuen sich darüber, dass der deutsche Bundestrainer Joachim Löw vor den Österreichern warnt und die deutliche Verbesserung bestätigt. „Das muss vorerst schon einmal als kleiner Sieg gewertet werden“, schreibt Wolfgang Wiederstein in der „Presse“. Team-Kapitän Christian Fuchs, in Deutschland in Diensten von Schalke 04, möchte der deutschen Mannschaft auf jeden Fall „ein Haxl stellen“. Er hofft darauf, dass die jüngste Schwäche-Phase des DFB-Teams auch heute Abend anhalten möge.

Österreichs Fußballer hatten in der Vergangenheit allerdings allzu häufig das Problem, dass sie ihre eigenen Fähigkeiten zu schnell zu hoch angesetzt haben. Vor dieser sehr typischen österreichischen Selbstüberschätzung warnt Christian Hackl im „Standard“. „Da die Welt aber keine Scheibe ist, bleibt Deutschland Favorit“, schreibt er.

Unterstützung kommt für die Elf der Alpenrepublik immerhin aus der heimischen Politik. Die Regierung setzt unisono auf einen Sieg der eigenen Mannschaft, da ist sich die Große Koalition ausnahmsweise einmal einig. „Ich bin Realist. Aber als Bundeskanzler habe ich einen Hoffnungstipp: 2:1 für Österreich“, meint Regierungschef Werner Faymann (SPÖ). „Wir gewinnen mit einem Tor Vorsprung. Immer optimistisch, jetzt haben wir einen Lauf“, glaubt auch der konservative Vizekanzler Michael Spindelegger.

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Und wieder heißt es „Cordoba“

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  • Die Mentalität der Deutschen ist doch klar umrissen.
    In allen Lebensbereichen.
    Alle gleichen Schrittes Marsch.
    Individualität ist nicht gefragt, so kann sich auch keine Genialität entwickeln, wie sie im spanischen Fußball zelebriert wird.Alles läuft auf einer Art sozialistischen Schiene ab.In der grauen Masse sind wir stark, aber niemals genial.Dazu benötigt man selbstständiges Denken und
    Kreativität.Wieviel Leute haben wir denn die fähig sind, wenn der Gegner die Räume eng macht,sich mit einer perfekten Ballbehandlung und Kontrolle durchzusetzen?
    Das sind allenfalls Özil, Khedira, Lahm.Alle anderen sind doch nur Handwerker die damit übermäßig beschäftigt sind
    bei der Ballannahme diesen zunächst unter Kontrolle zu bringen.Das ist doch zum Teil grausig anzusehen, wie diese
    noch nicht einmal einen guten Pass bzw. Kuzpass anzunehmen in der Lage sind.
    Früher waren die Spanier brotlose Künstler, das war unser Glück. Aber jetzt verstehen diese Ballkünstler ihre Kunst im taktischen Bereich einzusetzen.
    Sie haben also viel dazugelernt. Aber wir haben keine Künstler am Ball.Und das macht den Unterschied!!
    Genialität haben wir nur einmal gehabt, daß war die Zeit von Günther Netzer, Paul Breitner und Co. in den 70er Jahren.
    Das waren Persönlichkeiten.Zugegeben, das war auch eine andere Zeit.

  • Nicht die Österreicher, sondern die Piefkes neigen zur grenzenloser Überschätzung. Die wähnen sich jetzt schon als Weltmeister 2014, obwohl noch gar nichts gelaufen ist und deren Sieg gegen die fleissigen "Fischer" aus den Färoer Inseln mehr als peinlich war. Schon 2006 waren diese großkotzigen Angeber selbsternannte Weltmeister. Dann kam aber Italien als Vollstrecker und aus Deutschland bliebt nichts mehr übrig.
    Da diese Lektion nicht gereicht hat,proklamierte man sich Anfang dieses Sommers schon als Europameister und der nicht besonders für Nachdenklichkeit bekannte Schweinsteiger blubberte im Fernsehen, auch Italien müsse daran glauben. Prompt kam die nächste Fußballlektion und die deutschen Bubis weinten auf dem Platz, wie kleine Jungs, die sich in die Hosen gepisst haben...
    All dies reicht aber offensichtlich nicht, um endlich mal wieder etwas bescheidener zu sein. Die Piefkes wissen nicht was Bescheidenheit ist und wieder labert Lahm im Fernsehen,wir werden 2014 Weltmeister.
    Mittlerweile können sogar die Hühner nicht mehr darüber lachen. Aber so sind nun mal die Piefkes!
    Die nächste Fußballlektion für sie kommt bald und wenn es die Österreicher es nicht sein sollten, spätestens dann wenn Italien wieder daran glauben muß.
    Diesen Piefkes ist ein baldiges Scheitern zu wünschen.

  • ich sehe es etwas differentierter und werde mich nicht zum löw-bashing verleiten lassen. zwar stimmt es teilweise, dass bei löw die spieler zwar tollen fußball spielen, aber wenn es darauf ankommt, haben sie noch nicht die titelreife erlangt. hier sehe ich dringenden nachholbedarf. man fasst die spieler meiner meinung nach zu sehr mit samthandschuhen an. der einzige, der da eine entsprechende philosophie hatte, also sammer, der ist nun auch weg. auch ist mir das defensivverhalten zu sehr vernachlässigt worden in letzter zeit. lahm hat eher abgebaut anstatt besser zu werden (das liegt halt am ständigen wechsel von links nach rechts und zurück und wieder zurück usw.). die iv ist gerade so akzeptabel aber wird auch immer neu aufgestellt und wird somit destabiliesiert. das einzige gute ist halt das mittelfeld, eines der besten der welt, aber wenn die anderen mannschaftsteile dafür nicht so gut sind, wirds halt nix mit dem titel´und ich denke, dass es gegen die ösis zwar wieder zum sieg reicht(hier wird künstlich druck aufgebaut, um eine reaktion zu bekommen), aber wenn mal ne große mannschaft kommt, wirds wieder eng. die wm-quali wird kein selbstläufer. sollte die dfb-elf wider erwarten gegen die ösis verlieren, wirds wohl nix mit der quali zur wm.

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