Gastbeitrag
Contra: „Es hängt nicht nur am Geld“

Die „50+1“-Regel soll fallen, besser heute als morgen. So konnte man es in den vergangenen Wochen mancherorts in der Bundesliga vernehmen. Und immer wieder war dabei zu hören, es ginge darum: wettbewerbsfähiger zu werden, gleich zu ziehen mit den Ligen in Spanien, in Italien, vordergründig aber mit der in England. Als würde sich so mit einem Schlag alles lösen lassen. Was aber wird damit gelöst?

Dass die deutschen Bundesligisten mit anderen europäischen Topklubs nicht auf Augenhöhe spielen, ist ein weites Feld. Am Geld allein liegt es nicht, und auch nicht allein an der Regel „50+1“.

„50+1“ beschränkt den Einfluss von klubfernen Investoren, will sagen: Der Klub behält in entscheidenden Fragen die Mehrheit. Und das ist meiner Ansicht nach etwas, dass wir nicht so ohne weiteres weggeben sollten für eine Neuerung, von der wir nicht wissen können, was sie bringt. Übernahmeschlachten wie etwa bei Manchester United oder Arsenal London? Eintrittspreise von 60, 70 oder 100 Euro, wie es in England nicht unüblich ist?

Ich denke, eine solche umfassende Reform ist diesen Preis nicht wert. Denn wer behauptet, dass „50+1“ den Einstieg von Investoren ins deutsche Fußballgeschäft verhindert, übersieht einiges.

Er übersieht, dass es für Unternehmen oder Privatpersonen vielfältige Möglichkeiten gibt, Geld in unseren Fußball zu investieren. Nehmen wir den FC Schalke 04. Wir haben mit Gazprom einen Partner für uns gewinnen können, der sein Geld gut in dem Sponsor-Engagement angelegt sieht, obwohl er damit keine Entscheidungsgewalt erworben hat.

Zudem hat der FC Schalke 04 die Möglichkeiten einer Anleiheemission genutzt, um seine Ziele erreichen zu können. Dass sich das ausgezahlt hat, sieht man am Erfolg unserer Elf in der Champions League.

Dass es Raum für Reformen gibt, will ich dabei gar nicht ausschließen. Deshalb untersucht die Liga Chancen und Risiken einer Abschaffung der „50+1“-Regel. Sich ganz von ihr zu trennen, dem stehe ich negativ gegenüber. Zum einen ist der Fußballmarkt generell sehr kostenintensiv. Würde nun massenweise frisches Geld in unsere Liga strömen, hätte dies zur Folge, dass die Gehälter steigen, die Ablösesummen und somit das Bedürfnis nach noch mehr Geld. Und würde dies tatsächlich etwas daran ändern, dass letztlich nur ein Team gewinnen kann?

Zum anderen, und dies wird zurzeit völlig außer Acht gelassen, sind die Klubs mehr als nur Marktteilnehmer. Sie wirken, wie Schalke in Gelsenkirchen, sozial bindend und identitätsstiftend. Sie sind Vereine im klassischen Sinn und keine Aktiengesellschaften. Sie werden von ihren Mitgliedern mitgestaltet und nicht von renditesuchenden Investoren. Das unterscheidet sie von normalen Wirtschaftsunternehmen. Und so sollte es im Grundsatz auch bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%