Gastbeitrag
Pro: „Wir brauchen mehr Kapital“

Die Bundesliga hat sich zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Vereine agieren längst wie Wirtschaftsunternehmen. Deshalb muss die „50+1“-Regelung dieser Entwicklung angepasst werden. Das ist allein schon deshalb notwendig, damit die Bundesliga-Vereine national wie international wettbewerbsfähig bleiben.

So generiert Hannover 96 in der Saison 2007/2008 einen Jahresumsatz von rund 45 Millionen Euro. Damit lassen sich keine Gewinne erwirtschaften, die wir thesaurieren könnten, um zusätzliches Eigenkapital zu bilden. Dieses benötigen wir, um den Verein strategisch weiterzuentwickeln. Fünf Millionen Euro Eigenkapital sind dafür zu wenig. Im Ergebnis reden wir also über eine wirtschaftliche Stagnation. Stagnation bedeutet Rückschritt. Und die Verwaltung von Stagnation kann ich mir nicht vorstellen.

Ohne Erhöhung des Eigenkapitals – durch die Aufnahme neuer Gesellschafter – spielen wir mittelfristig wieder in der 2. Liga. In den kommenden drei bis vier Jahren wollen wir deshalb unseren Haushalt auf 70 Millionen Euro erhöhen. Zusätzlich muss das Eigenkapital der Gesellschaft deutlich gesteigert werden. Die Kapitalerhöhung soll mit Investoren aus der Region Hannover erreicht werden. Diese sind aber nur zu gewinnen, wenn in der Zukunft sichergestellt ist, dass die Kapitalgeber wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungsprozesse haben, beispielsweise bei der Besetzung der Geschäftsführung, bei der Verabschiedung des Haushaltes oder im Rahmen der Investitionspolitik.

Eine Reform der „50+1“-Regelung ist dafür unabdinglich, schließlich gibt es eine solche Vorschrift nirgendwo sonst in Europa. Allerdings wird dieses nur im Konsens mit der DFL und in enger Abstimmung mit dem DFB möglich sein. Dafür bestehen ausreichend Möglichkeiten, um negative Entwicklungen – wie von einigen befürchtet – zu verhindern. Zudem können die Interessen des Muttervereins berücksichtigt werden.

Vor allem geht es dabei darum, die ernsthaften Absichten potenzieller Investoren sicherzustellen. Auch sollten Beteiligungen an Bundesliga-Vereinen langfristig eingegangen werden, Haltefristen von zehn Jahren wären deshalb denkbar. Und natürlich muss gewährleistet sein, dass die Beteiligungsgeber transparent sind. Die Bundesliga-Klubs sollen und dürfen keine Handelsobjekte werden. Wir haben in den vergangenen Wochen einen Kriterienkatalog erarbeitet. Dieser liegt der DFL vor. Es hat in der Zwischenzeit ein Gespräch stattgefunden. Dabei wurde vereinbart, eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema zu bilden.

Ich bin deshalb optimistisch, dass wir bis zum Saisonende, spätestens aber bis zum 31. Dezember 2008 eine Lösung finden, so dass wir eine juristische Auseinandersetzung in jedem Fall vermeiden. Und letztlich wäre jeder Verein noch immer frei in seiner Entscheidung, einen Investor an seinem Profi-Bereich zu beteiligen oder nicht.

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