Gefälschter Pass sorgt für Aufregung
Staatsanwalt will Cafu hinter Gitter bringen

Die italienische Justiz hat gegen Brasiliens Cafu Ermittlungen aufgenommen. Dem Kapitän der "Selecao" wird vorgeworfen, seinen Pass zum Zwecke der Einbürgerung gefälscht zu haben. Staatsanwalt Antonello Racanelli fordert für den Verteidiger des AC Mailand sowie dessen Frau Regina Feliciano eine Haftstrafe von neun Monaten.

Cafu zeigt sich unbeeindruckt

Einen Tag vor dem WM-Auftaktspiel zeigte sich Cafu von der Meldung aus seiner Wahlheimat überrascht: "Es ist schon komisch, was da heute passiert ist. Aber das wird mich nicht erschüttern. Ich bin ganz auf das Spiel gegen Kroatien konzentriert."

Ohnehin steht eine entscheidende Woche in Bezug auf die Ermittlungen im italienischen Manipulationsskandal bevor. Der vom italienischen Fußballverband Figc beauftragte Staatsanwalt Francesco Saverio Borrelli hat am Montag mehrere Stunden lang den zurückgetretenen Geschäftsführer von Juventus Turin, Antonio Giraudo, vernommen.

Giraudo, der von seinem Rechtsanwalt Luigi Chiappero begleitet wurde, hatte vor einem Monat das Handtuch geworfen, nachdem italienische Zeitungen abgehörte Telefongespräche zwischen dem Juve-Geschäftsführer und dem ehemaligen Schiedsrichter-Koordinator Pierluigi Pairetto veröffentlicht hatten. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass Giraudo und der zurückgetretene Juve-Sportdirektor, Luciano Moggi, die Meisterschaft 2004/2 005 beeinflusst haben sollen.

Giraudo beteuert seine Unschuld

Vor Borrelli beteuerte Giraudo seine Unschuld. Er gab zwar zu, dass er enge Kontakte zu Pairetto hatte, er bestritt jedoch die Einflussnahme auf Spiele seines Klubs. Bisher hatte sich der 59-jährige Giraudo noch nie öffentlich zum Skandal geäußert.

Befragt wurde am Montag zum zweiten Mal auch der bekannte Schiedsrichter der Serie A, Gianluca Paparesta. Dieser hatte um eine zweite Vernehmung gebeten. Paparesta wies den Vorwurf der Absprache mit Juventus Turin entschieden zurück.

Borrelli hofft, noch diese Woche die Vernehmungsrunde abzuschließen. Er will noch bis Ende dieser Woche dem Fußballverband einen ausführlichen Bericht über seine Verhöre vorlegen. Borrelli klagte über mangeldende Kooperationsbereitschaft von Seiten der Verdächtigen. "Es wäre für die Untersuchung gut, wenn es zu Geständnissen kommen würde", sagte Borrelli.

Galliani soll vorerst im Amt bleiben

Inzwischen entscheidet die italienische Fußball-Liga bei einer am Montagnachmittag geplanten Sitzung über die Zukunft ihres Präsidenten Adriano Galliani. Mit einem externen Manager ohne Verbindungen zu Fußball-Klubs soll Galliani die Liga leiten, bis der Fußballverband neue Regeln für die Wahl des Liga-Chefs verabschiedet hat.

Als mögliche Kandidaten für diesen Posten gelten der Ex-Präsident der Mailänder Bank, Carlo Salvatori, und der ehemalige Chef des italienischen Stromkonzerns Enel, Franco Tato. Mehrere Liga-Mitglieder wollen Galliani jedoch sofort aus dem Amt drängen. Galliani wird beschuldigt, 2001 mit Hilfe von Ex-Manager Luciano Moggi von Juventus Turin und mehreren gekauften Stimmen die Wahl zum Liga-Chef für sich entschieden zu haben.

Inzwischen bahnt sich eine Wende beim skandalerschütterten Schiedsrichterverband AIA an. An Stelle des zurückgetretenen Tullio Lanese soll der Ex-Schiedsrichter Luigi Agnolin zum neuen Chef ernannt werden. Die offizielle Ernennung soll noch diese Woche erfolgen.

Zaccheroni könnte Capello beerben

Auch bei Juventus sollte es zu Neuigkeiten kommen. Interims-Geschäftsführer Carlo Sant´Albano überprüft die Kandidatur des ehemaligen Trainers vom AC Mailand, Alberto Zaccheroni, als möglicher Nachfolger von Fabio Capello. Capello, der seit vier Jahren die "alte Dame" trainiert, will den Klub verlassen, sollte der Renommierklub im Sog des Skandals in die Serie B zwangsabsteigen müssen.

© SID

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