Gefahrenzone 2. und 3. Liga
Insolvenz: Aachen im finanziellen Abseits

In den unteren Ligen herrscht Katerstimmung. Alemannia Aachen muss Insolvenz anmelden, der MSV Duisburg versucht mit Sanierung Gleiches zu verhindern. Von Erstliga-Zeiten können Klubs nur drei Jahre lang profitieren.
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Frankfurt/Aachen/DuisburgGleich zwei Fußball-Traditionsklubs drohen derzeit an ihren leeren Kassen zu ersticken. Der eine ist Drittligist Alemannia Aachen. Der Verein ist zahlungsunfähig und wird deshalb in der kommenden Woche beim zuständigen Amtsgericht in Aachen einen Insolvenzantrag einreichen.

Wie der von der Alemannia beauftragte Rechtsanwalt Michael Mönig am Freitagmittag bekanntgab, fehlen dem Verein zum jetzigen Zeitpunkt mehr als vier Millionen Euro an Liquidität. „Da dieser Fehlbetrag mit jedem weiteren Monat deutlich zunehmen würde, ist ein Insolvenzantrag unvermeidlich“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.

Ziel dieser Maßnahme sei es, den Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechtzuerhalten, den Verein über ein Insolvenzverfahren zu sanieren und dann einen Neuanfang in der Regionalliga zu starten. Alle bisherigen Versuche, den finanziell angeschlagenen und abstiegsgefährdeten Tabellen-17. vor diesem Schritt zu bewahren, waren erfolglos geblieben. Sogar die Stadt hatte dem Klub noch im Frühjahr ein Darlehen von knapp 19 Millionen Euro gewährt.

Auch die Fans könnten die Folgen nun zu spüren bekommen. Der Verein schuldet seinen Anhängern, die Anleihen der Alemannia gezeichnet haben, im nächsten Jahr fünf Millionen Euro. Die Alemannia war in der Saison 2006/07 aus der Bundesliga und in der vergangenen Spielzeit aus der 2. Liga abgestiegen.

Erhält der DFB vom Amtsgericht Aachen die offizielle Mitteilung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens, werden alle bisherigen Saisonspiele des Vereins gestrichen. Der einstige Bundesligist steht dann als erster Absteiger in die Regionalliga fest und rückt am Saisonende ans Tabellenende. Sollte Aachen nicht sofort den Spielbetrieb einstellen und weiterhin an der Liga teilnehmen, werden die noch ausstehenden Spiele des Clubs ebenfalls nicht gewertet

Auch eine Liga höher sind die Probleme ähnlich. Der MSV Duisburg ist finanziell marode und will seine finanziellen Probleme nun durch eine Strukturreform beheben. Wie Aufsichtsrat und Vorstand des Zweitligisten am Donnerstagabend gemeinsam erklärten, stehe man einem durch eine Investorengruppe vorgelegten Sanierungskonzept offen gegenüber.

„Eine grundsätzliche Zustimmung wurde erreicht, wobei einige Punkte noch finalisiert werden und eine daraus möglicherweise resultierende Satzungsänderung nur durch die Außerordentliche Mitgliederversammlung genehmigt werden kann“, hieß es in der Erklärung.

Wird dem Sanierungskonzept zugestimmt, wäre zumindest die kurzfristige Zukunft gesichert. Dem Vernehmen nach fehlen dem MSV über zwei Millionen Euro, eine genaue Summe will der Club nicht bestätigen. „Klar ist, dass wir schnell Geld brauchen“, meinte Geschäftsführer Roland Kentsch.

Durch die prekäre sportliche Situation in der Abstiegszone und dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal beim Drittligisten Karlsruhe fehlen dem Verein eingeplante Einnahmen aus TV-Geldern. Für die Finanzierung des Stadions müssen jährlich rund 4,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Im Zweifelsfall müssen die Duisburger wegen Verstoß gegen die Lizenzauflagen mit einem Punktabzug rechnen.

Am Dienstag war der bisherige Vereinsvorsitzende Andreas Rüttgers von seinem Amt zurückgetreten, nachdem die Stadiongesellschafter, denen die Duisburger Arena gehört, das Konzept vorgelegt hatten. Wie es heißt, fordern die Investoren mehr Mitspracherecht im Verein. Dafür müsste eine Satzungsänderung vorgenommen werden. Scheitert der Plan, droht dem MSV in letzter Konsequenz die Insolvenz.

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