„Gegen Deutschland verlieren wäre keine Schande“
Deutsche Elf beeindruckt argentinische Journalisten

Das deutsche Nationalteam hat mit seinem beherzten Offensivspiel weltweit für Fuore gesorgt. Eine besondere Form der Annerkennung erfährt die Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann derzeit von den argentinischen Journalisten. Plötzlich heißt es dort, ein "Ausscheiden wäre keine Schande". Für Argentinien.

HB HERZOGENAURACH. Ein mögliches WM-Aus gegen Deutschland wäre für Argentinien keine Schande. Diese Auffassung vertreten die Medienvertreter des Landes vor dem WM-Gipfel der "Gauchos" mit dem Gastgeber der Weltmeisterschaft an diesem Freitag (17.00 Uhr) in Berlin. "Die deutsche Mannschaft gefällt mir sehr gut. Sie spielt guten Fußball. Sie sucht den Torabschluss und versucht das Spiel an sich zu reißen." Julio Chiappetta von der argentinischen Tageszeitung "Clarín" ist beeindruckt von den beherzten WM-Auftritten des deutschen Teams: "In der Vergangenheit hat die Mannschaft wie ein Panzer gespielt; nur mit Kontern, Freistößen und langen Bällen. Das ist jetzt nicht mehr so."

Nachdem schon die Spieler des zweimaligen Weltmeisters die Favoritenbürde auf die Truppe von Bundestrainer Jürgen Klinsmann abgewälzt hatten, schlissen sich dem nun auch die Journalisten an. "Deutschland hat großes Potenzial und zählt zu den anerkannten Fußball-Mächten", sagt Marcelo Roberto Benedetto vom Sender Fox Sports, der fast rund um die Uhr mit mehreren Moderatoren vom Wohl und Wehe der "Albiceleste" berichtet.

Zusammen mit Brasilien sei Deutschland einer der großen Kandidaten auf den Titel. "Gegen Deutschland zu verlieren wäre für Argentinien keine Schande und kein Versagen", meint Benedetto. Es bliebe dennoch "ein großer Schmerz", meint Elias Perugino von "El Grafico": "Es wäre nicht so eine Katastrophe wie 2002. Aber die Mannschaft ist schon mit der Absicht nach Deutschland gefahren, den Titel zu holen." Um das Ziel zu erreichen, müssen die Argentinier die Neuauflage der Endspiele von 1986 und 1990 gewinnen. "Die Chancen stehen 50:50", glaubt Perugino. "Wichtig werden die ersten Minuten sein", ergänzt Moderator Benedetto vor dem Hintergrund von fünf deutschen Toren in den ersten zwanzig Minuten.

Ohnehin fürchten die Südamerikaner am meisten die Angriffslust des deutschen Teams. "Das ist die offensivste deutsche Mannschaft vergangener Weltmeisterschaften. Sie spielt geradezu südamerikanisch", findet Luis Calvano von der Fachzeitung "Olé". Cristian Grosso von der Tageszeitung "La Nación" pflichtet ihm bei: "Die deutsche Mannschaft ist im Aufschwung. Für eine Mannschaft ist es das beste, wenn sie sich während eines solchen Turniers auch noch steigert." Dies war den Argentiniern nach ihren ersten beiden Gala- Auftritten indes nicht gelungen.

Gleichwohl glauben die Berichterstatter, in deren Kreis auch die Angst vor einer schwachen Schiedsrichter-Leistung umgeht, eine entschidende Schwäche der DFB-Elf ausgemacht zu haben: Deutschlands Innenverteidigung. Sie wird sich voraussichtlich mit Hernán Crespo und Javier Saviola auseinandersetzen müssen, ehe Trainer José Pekerman bei entsprechendem Spielverlauf seine äußerst quirligen Jungstars Lionel Messi und Carlos Tevez aufs Feld schicken dürfte. "Mertesacker und Metzelder sind etwas langsam und behäbig", urteilt La-Nacion-Schreiber Grosso.

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