Gerd Müller wird 60
„Dann macht es bumm, dann gibt’s ein Tor“

Gerd Müller, der stille Rekordtorschütze der Nation, wird am Donnerstag 60 Jahre alt. Und noch immer ist der "Bomber der Nation" unerreicht und für viele Spieler ein Vorbild. Sein Instinkt, seine Wendigkeit und seine Spontaneität – all dies wird einzigartig bleiben.

MÜNCHEN. „Dann macht es bumm, ja dann kracht's, und alles schreit, der Müller macht's, dann macht es bumm, dann gibt's ein Tor, und alles schreit dann Müller vor.“ Gerd Müllers Songbook ist ein schmales Bändchen. Neben dem oben erwähntem Liedgut enthält es noch die schöne Weise „Wenn das runde Leder rollt“. Das Werk erschien 1967, niemals zuvor, niemals danach hat Gerd Müller schärfer daneben geschossen. Und heute wird er 60 Jahre alt, dann macht es bumm.

Eine der zahlreichen Geschichten um den „Bomber der Nation“ geht so – den Jüngeren sei gesagt, man sprach damals, in diesen Sechziger-, Siebzigerjahren im Fußball so martialisch, gemeint war aber, dass Gerd Müller das Schussbein der Nation war, ihr Knie, ihr Kopf, ihr Hintern, denn mit allem, was gestattet ist, erzielte Müller seine Tore – Die Geschichte also geht so: Anfang der Siebzigerjahre kamen zum FC Bayern München ein paar junge Männer, Abiturienten, Paul Breitner war darunter, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Mrosko, Rainer Zobel. Abiturienten waren damals im Fußball noch eine Rarität, und so gab es die Mär, dass sich die gebildeten Jungs im Training auf Latein unterhielten. Den Franz Beckenbauer, der damals schon nicht leiden mochte, wenn jemand etwas besser kann als er, regte das fürchterlich auf. Und Gerd Müller, der gelernte Weber, der nie ein Mann des Wortes war und wurde? Der sagte: „I genervt? I find des toll, i könnt des net.“

An der Geschichte kann viel Verklärung dran sein, Hoeneß etwa, sagt dass niemals Latein im Training gesprochen wurde. Gesichert aber ist, dass Gerd Müller niemals irgendjemandem irgendetwas geneidet hätte.

Wenn man Gerd Müller heute auf dem Trainingsgelände des FC Bayern München trifft, und man trifft ihn dort immer, weil ihm der FC Bayern Heimat und Familie geworden ist, begegnet man einem körperlichen Unruhegeist mit knapp bemessenen Ausdrucksdrang. Der Unruhegeist wird befriedigt als Assistenztrainer der Amateurmannschaft und im täglichen Tennisspiel. Den Mehmet Scholl aus der Profimannschaft der Bayern hat Müller mal angepfiffen, weil der beim Tennisspiel mit ihm immer so mitleidig umgegangen sei. Und als Scholl dann kapiert hat, dass er gegen Müller sein gesamtes Tenniskönnen aufbieten darf, hat auch Gerd Müller ernst gemacht. Scholl gewinnt immer noch kaum einen Satz.

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