Geschäft Fußball
Wie fair played die Bundesliga?

Die Bundesliga startet in ihre 55. Saison. Und mehr denn je steht sie im Schatten der wirtschaftlichen Entwicklung des Sports. Rekordtransfers, Rekordeinnahmen – doch wie lange machen die Fans das mit? Eine Annäherung.
  • 1

DüsseldorfFußball ist ein Geschäft. Das ist längst keine pessimistische Zukunftsvision von Sportromantikern mehr, sondern absolute Realität. Rund 3,2 Milliarden Euro setzten die Klubs der 1. Fußball-Bundesliga in der letzten Saison laut DFL-Geschäftsbericht um. Zum Vergleich: Der stationäre Buchhandel in Deutschland machte 2016 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, die gesamte Optikerbranche setzte 5,71 Milliarden Euro um. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge liegt die gesamte Wertschöpfung des deutschen Profifußballs bei rund acht Milliarden Euro; mehr als 100.000 Jobs hängen demnach an der zweitschönsten Nebensache der Welt. Das ist längst eine volkswirtschaftliche Größe.

Wo Geld verdient wird, muss Geld investiert werden. Wenn die Bundesliga an diesem Freitag mit der Partie FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen ihre 55. Spielzeit anstößt, haben die Klubs insgesamt schon fast eine halbe Milliarde Euro an Ablösesummen in neue Spieler gesteckt. Bis zum Ende der Transferperiode in zwei Wochen rechnen Experten sogar damit, dass der im Vorjahr aufgestellte Transferrekord von rund 512 Millionen Euro noch übertroffen wird. Schließlich ist reichlich Geld im Markt: Barcelona arbeitet fleißig daran, die 220 Millionen Euro, die als Ablöse für den Wechsel von Superstar Neymar zu Paris St. Germain eingestrichen wurden, zu reinvestieren. Auf dem Zettel unter anderem: Ousmane Dembélé von Borussia Dortmund.

Summen, von der die Bundesliga für einzelne Spieler nur träumen kann. Aber vielleicht auch gar nicht träumen will. „Es ist mir wirklich egal, ob 220 oder 440 Millionen Euro gezahlt werden, das kann ich nicht mehr greifen“, sagte etwa Christian Streich, Trainer des SC Freiburg. Beides Summen, die für einen Verein wie den Klub aus dem Breisgau ohnehin nie zu stemmen sein werden. Der Umsatzrekord des SC Freiburg in der 1. Liga liegt bei 70 Millionen Euro – eine Summe, die gerade in ausländischen Ligen inzwischen locker für einzelne Transfers gezahlt wird.

Summen, die auch Bundesligaklubs bisher nur aus Transfers erlösten, aber nicht selbst ausgaben. Doch die wirtschaftliche Entwicklung gleicht immer mehr eine Schere. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund machen seit 2009 die Meistertitel unter sich aus. Die Münchener setzten im vergangenen Geschäftsjahr rund 627 Millionen Euro um, der BVB vermeldete allein schon einen Halbjahresumsatz von 212 Millionen Euro. Gut möglich, dass die Geschäftszahlen des FCB zum Ende dieser Saison zehnmal so hoch sind wie die des SC Freiburg. Ist das noch „Financial Fairplay“, wie es der europäische Fußballverband Uefa selbst propagiert, bei Transferausgaben sogar vorschreibt. Oder schießt Geld jetzt endgültig Tore?

Kommentare zu " Geschäft Fußball: Wie fair played die Bundesliga?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist schon erschreckend dass der Fan in ein paar Jahren quasi nicht mehr existieren wird. Er wird vielmehr als Kunde bezeichnet (wie bei RB Leipzig zB).
    Der Hunger aus Asien, die Technisierung und Vermarktung hat noch viel zu viel Potential und die Geldgeier der Uefa oder des DFB werden hier nur die Dollarzeichen in den Augen haben (siehe chinesische U20 Auswahl in der Regionalliga Südwest).
    Es wird so werden wie es in den USA schon immer gewesen ist: ein reines Event. Keine organisierten Fans bzw. Ultras mehr die eigenständige CHoreografien entwickeln, die eigenständig soziale Projekte vorantreiben. Nur noch Klatschpappen-Publikum welches auf Kommando klatscht und woohooo schreit.

    Nein sowas will ich nicht - da schau ich mir - so wie viele andere richtig Fans es auch tuen werden - lieber Amateurfußball an.
    Bis zu einem gewissen Grad ist Kommerz noch erträglich, aber es wird bald eine Grenze erreicht sein.
    Ich finde es gut, dass die Fans den Protest organisieren, es wird aber leider nichts bringen. Der DFB heuchelt Interesse an einer Annäherung mittels öffentlichkeitswirksamen zurückziehen der Kollektivstrafen, aber letztendlich hat er doch gar kein Interesse an einer wirklichen Zusammenarbeit mit den Fans. Man wird nur seine Macht demonstrieren wollen...

    Schade um die Fußballkultur - auch das ist etwas was meine Generation prägte und es ist ein großes Stück Kultur (ja auch die unangenehmen Seiten gehören zu einer Bewegung nunmal dazu), welche einfach vom Geld zerfressen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%