Gewalt vor der Weltmeisterschaft
Durch Brasilien rollt eine Protestwelle

Drei Wochen vor der WM steht Brasilien still: Alle möglichen Berufsgruppen versuchen die Regierung mit Demos zu erpressen. Die Anti-WM-Bewegung scheint jedoch an Stärke zu verlieren.
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São PauloErst streikten letzte Woche die Lehrer, Busfahrer und die Bewegung der obdachlosen Arbeiter. Jetzt kreuzten die Beamten der Bundes- und Zivilpolizei landesweit die Arme. Drei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft vergeht inzwischen kein Tag mehr, an dem in den zwölf Austragungsorten der Fußballweltmeisterschaft nicht gestreikt wird.

Dabei geht es regelmäßig gewalttätig zu: In Rio fackelten die Protestler an einem Tag 400 Busse ab. Auch in São Paulo werden selbst bei Demonstrationen mit wenigen hundert Teilnehmern Banken, Autohäuser und Fast-Food-Filialen zerstört.

Das Land steht inzwischen mehr, als dass es sich bewegt: Jede Berufsgruppe, Gewerkschaft oder Interessenkoalition versucht sich mit ihren Forderungen in Position zu bringen. Die Demonstranten wissen, dass sie derzeit ohne großes Risiko mächtig Druck machen können.

Denn drei Wochen vor der WM haben die meisten Bundesregierungen ihre Polizeieinheiten angewiesen, die Demonstrationen auf keinen Fall zu unterdrücken. Mehrfach schon haben knüppelnde Polizisten und von Gummigeschossen der Polizei verletzte Demonstranten für schlechte Schlagzeilen gesorgt.

Die will die Regierung jetzt auf jeden Fall vermeiden. Deswegen können auch ein paar hundert Demonstranten ganze Avenidas in Rio für Stunden stilllegen. In São Paulo entschloss sich eine Minderzeit von Busfahrern trotz der Einigung ihrer Gewerkschaft mit der Regierung weiterhin zu streiken.

Die Fahrer stellten die Busse mitten im Verkehr ab, durchstachen die Reifen und warfen die Schlüssel weg. Seit zwei Tagen fahren in São Paulo kaum noch Busse. Der chaotische Verkehr der 11-Millionen-Einwohner-Stadt wird vollends gelähmt durch historische Staus.

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