Giovanni Trapattoni
Der Weise mit dem runden Leder

VfB-Stuttgart-Trainer Giovanni Trapattoni hangelt sich mit 66 Jahren noch von Schicksalsspiel zu Schicksalsspiel.

Da verrutscht ihm sogar die große Brille vor Aufregung. Der alte Mann mit dem karierten Jackett redet sich in Rage. „Das ist der schlechteste Trainer, den wir seit dreißig Jahren hatten“, schimpft er im besten Schwäbisch. Tatort der verbalen Attacke: Das Trainingsgelände des VfB Stuttgart. Das Opfer der Verbalinjurie: Giovanni Trapattoni, der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt und momentan hauptberuflich sportlicher Übungsleiter in Stuttgart.

Doch mit üblen Nachreden kennt sich Trapattoni aus. In seiner langen Leidenszeit als Fußballcoach gehört solche Schmähkritik zum täglichen Brot. Entsprechend fällt seine Reaktion aus. „Der öffentliche Druck ist immer da, aber ich habe schon so viel erlebt im Fußball. Deshalb kann ich damit gut umgehen“, sagt er gelassen.

Doch der Druck gegen Trapattoni nimmt nicht nur bei den Experten der Fußball-Stammtische zu. Seine Vorgesetzten beim VfB Stuttgart ziehen ihre Stirn ebenfalls in Falten wegen der bislang desolaten Vorstellung während der laufenden Bundesligasaison.

VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt, nebenberuflich auch Chef der deutschen Arbeitgeber, und Erwin Staudt, hauptamtlicher Präsident des Vereins und vormals zepterschwingend bei IBM-Deutschland, signalisieren ihrem Trainer nach jedem vergeigten Spiel immer wieder gerne: Arbeitsplatzgarantien für Trainer, und seien sie auch noch so berühmt, gibt es im Fußball nicht. Basta.

Dabei hat der Mann einst die italienische Nationalmannschaft trainiert, die sich nun für die WM 2006 qualifiziert hat.

In Trapattonis eigenen Worten hörte sich das einmal so an: „Der Trainer hat immer die Schulde.“ Das war im März 1998. Trapattoni, damals Trainer von Bayern München, geißelte in einer Brandrede, bei der er überaus erfindungsreich Deutsch und Italienisch mischte, die mangelhaften Leistungen seiner Mannschaft und einiger Spieler: „Was erlauben Strunz?“

Sein Schlusssatz „Ich habe fertig“ wurde legendär. Dabei ist dies nur die direkte Übertragung der italienischen Grammatik ins Deutsche, bei der das Verb „haben“ verwendet wird und nicht „sein“: „Io ho finito!“ Auch sein „Flasche leer“ erklärt sich so: Im Italienischen wie im Französischen steht das Adjektiv immer hinter dem Hauptwort.

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