Glazer-Brüder
Wer Manchester United an die Börse bringen will

Manchester United soll zum zweiten Mal an die Börse. Die Fans sind aufgebracht, die Glazer-Familie, Eigentümer des Traditionsvereins, schweigt. Wer sind die US-Investoren hinter dem englischen Rekordmeister?

LondonEs war ein ganz spezieller Empfang, den die Fans von Manchester United den neuen Eigentümern des Fußballclubs bereitet haben: Hunderte Anhänger trafen sich spontan am Stadion Old Trafford, das die Brüder Joel, Bryan und Avram Glazer gerade besichtigten. Die Fans errichteten Barrieren und gaben wüste Beschimpfungen von sich. Die Polizei musste eingreifen, um den Glazers das Entkommen zu ermöglichen. So beschreiben britische Medien den ersten Besuch der Brüder in Old Trafford im Juni 2005, nachdem ihr Vater, US-Milliardär Malcolm Glazer, den Club gekauft hatte.

Von Beginn an war die Beziehung zwischen den Anhängern des Traditionsvereins und den Eigentümern hochgradig gestört - jetzt mehr denn je. Die Glazers wollen Manchester United Finanzkreisen zufolge bis Ende des Jahres in Singapur an die Börse bringen. Bis zu einer Milliarde Dollar (690 Millionen Euro) wollen sie damit erlösen.

Für die Fans stand von Anfang an fest: Die Besitzer sind Heuschrecken, Turbokapitalisten, die Manchester United (ManUnited) nur ausnehmen. Sie haben die Übernahme auf Pump finanziert und dem Club die Schulden aufgebürdet, etwa 800 Millionen Euro. Aus der stärksten Marke im Fußball wurde die am höchsten verschuldete. Auch jetzt vermuten Anhänger des Clubs, dass das Geld aus dem Börsengang nicht in ManUnited investiert werden wird, sondern in andere Geschäfte. Die Glazers äußern sich nicht zu ihren Plänen. Ohnehin gelten sie als zugeknöpft. Nur so viel ließen sie vor gut einem Jahr deutlich mitteilen: Der Verein stünde nicht zum Verkauf. Damals erwog eine Gruppe von Fans ein Übernahmeangebot.

Der 83-jährige Malcolm Glazer, dem auch die Tampa Bay Buccaneers in der amerikanischen Football-Liga gehören, ist erst Mitte der 1990er-Jahre ins Sportgeschäft eingestiegen. Als Teenager übernahm er nach dem Tod des Vaters, eines litauischen Einwanderers, das familieneigene Uhrengeschäft. Seine erste Million machte er mit dem Verkauf von Stellplätzen für mobile Häuser, wie sie in den USA weit verbreitet sind. Weitere Millionen kamen nach seinem Einstieg bei dem Ölförderer Zapata hinzu. Zum Glazer-Imperium gehört auch die Holding First Allied, die in Immobilien genauso investiert wie in Radiosender, ins Internet und in Banken - in alles, was profitabel erscheint.

Malcolm Glazer habe ein Auge fürs gute Geschäft, schrieb das Wirtschaftsmagazin "Forbes", das den Mann mit einem geschätzten Privatvermögen von 2,6 Milliarden Dollar auf Platz 136 seiner Liste der reichsten Amerikaner führt.

Dass er mal ganz klein anfing, hat er bis heute nicht vergessen: Einem Journalisten des New Yorker Magazins "Village Voice", der ihn und seinen Sohn Bryan vor etwa zehn Jahren traf, sagte er: "Bryans Hose hat 200 Dollar gekostet. Meine 19 Dollar und 95 Cents. Meine gefällt mir besser - weil ich mich noch genau an den Tag erinnere, an dem ich nicht mal 20 Dollar hatte, um mir überhaupt eine Hose zu kaufen."

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