Götze, Sahin, Kagawa
Gnadenhof BVB

Borussia Dortmund investiert viel in die Rückkehr verlorener Söhne. Jetzt wird auch André Schürrle aus Wolfsburg losgeeist – trotz wenig überzeugender Auftritte. Dahinter steckt ein logisches, aber risikoreiches Konzept.

30 Millionen Euro für einen Weltmeister. Das klingt nach einem plausiblen Geschäft. Borussia Dortmund investiert ungefähr diese Summe jetzt in Flügelspieler André Schürrle vom VfL Wolfsburg. Das ist neuer Rekord für einen deutschen Spieler – wenn man alle bisher gezahlten Ablösesummen zusammen rechnet. Bayer Leverkusen, der FC Chelsea und nun Borussia Dortmund überwiesen insgesamt gut 92 Millionen Euro für den Spieler Schürrle. Das ist, in der Vergleichsgruppe von Fußballern mit vier Profitransfers, mehr als etwa Arjen Robben oder Mario Balotelli vorweisen können.

Schürrle ist mit seinen 25 Jahren an der Schwelle dessen, was gemeinhin als „genau das richtige Fußballeralter“ bezeichnet wird. Nach viel verlorener Zeit in der Premier League und Startschwierigkeiten beim VfL Wolfsburg ragte Schürrle mit neun Toren und fünf Torvorlagen immerhin in der vergangenen Saison aus dem Kollektiv der Niedersachsen heraus. Das sind keine Leistungsdaten wie sie Kevin de Bruyne beim VfL zeigte, aber dafür kostet Schürrle jetzt auch nur weniger als die Hälfte von dessen Ablösesumme. Und der deutsche Nationalspieler ist immer noch der Mann, der Mario Götze die Flanke zum Siegtor im WM-Finale 2014 gegeben hat.

Die 30 Millionen gehen in der Summe also in Ordnung, auch, weil Wolfsburg selbst seinerzeit dem FC Chelsea zehn Millionen Euro mehr bezahlte, als er im Einkauf gekostet hatte. Durch die Fußball-EM ist viel Bewegung im Transfermarkt, und durch die früh feststehenden Wechsel von Spielern wie Mats Hummels ist auch klar, dass viel Geld im Markt unterwegs ist. Das Wissen, wer wie viel ausgeben kann, treibt grundsätzlich die Preise.

Durch den Schürrle-Transfer hat der BVB jetzt für insgesamt acht Spieler in etwa das wieder ausgegeben, was die Verkäufe von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan erlöst haben. Natürlich, die Rechnung ist mit Steuereffekten, Provisionen und sonstigen Ausgaben immer nur ein Annäherungswert. Aber grundsätzlich ist die Dortmunder Linie klar: Wir haben uns bemüht, die Abgänge zu kompensieren.

Der BVB folgt dabei einem Schema. Neben jungen, hochveranlagten Talenten kommen auch gestandene Spieler. Wie bei kaum einen anderen Verein beinhaltet das auch Rückholaktionen von ehemaligen Aktiven. Jüngstes Beispiel: Mario Götze, der einst unter zornigen Protesten der hoch emotionalen Dortmunder Anhängerschaft für 37 Millionen zum FC Bayern München gewechselt war. Seine Vorgänger: Nuri Sahin und Shinji Kagawa. Alle wurden für weniger Geld zurückgekauft, als der BVB mit ihnen eingenommen hat. Meist, weil die sportliche Leistung in der Ferne nicht stimmte.

Gnadenhof BVB? Ein bisschen. Gerade bei der Wiederkehr Nuri Sahins war viel Nostalgie im Spiel. Doch das Kalkül hinter den Transfers ist ein anderes. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc sind beide inzwischen mit viel Erfahrung im Kampf der Fußball-Schwergewichte gesegnet. Beide wissen, wie man gut verhandelt, sie wissen, wie man erfolgreiche Mannschaften aufstellt. Und sie wissen, dass neben der Ratio in Dortmund immer auch eine satte Portion Leidenschaft und Emotion gefragt ist. Der Werber spräche von Markenbindung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%