Fußball
"Golden Girls" wollen "TTM" den Titel schenken

Tina Theune-Meyer steht vor ihrem letzten Spiel als Bundestrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Die DFB-Spielerinnen wollen ihrer "TTM" zum Abschied heute im Finale gegen Norwegen den EM-Titel schenken.

Für Tina Theune-Meyer wird der Abpfiff im EM-Finale ein besonderer sein, denn für "TTM" ist nach dem heutigen Endspiel gegen Norwegen Schluss als Bundestrainerin. Für die 51-Jährige beginnt nach dem Endspiel ein neues Leben, das "TTM" genießen will. "Ich glaube, das Ganze wird mir sehr gut bekommen", betont die DFB-Trainerin, die sich mit ihrem dritten Europameisterschafts-Titel in den "Teilzeit"-Ruhestand verabschieden will.

"Ich will diese Goldmedaille unbedingt"

Nach neun Jahren im Amt ist das Frauen-Finale der EM-Endrunde in England heute in Blackburn zwischen ihren Weltmeisterinnen und Norwegen (16.15 Uhr Mesz/live in Eurosport) die letzte große Herausforderung der 51-Jährigen. "Ich will diese Goldmedaille unbedingt", sagt die derzeit völlig entspannt wirkende Theune-Meyer, weiß aber bereits um die Nachwehen der EM: "Erst einmal werde ich ausgepowert sein, denn ein großes Turnier ist doch immer sehr belastend."

Das, was danach kommt, bezeichnet die introvertierte, zierliche Frau gerne als "einen Traum". Dinge stehen fortan im Vordergrund, für die sie lange keine Zeit hatte. "Seit 18 Jahren gibt es doch fast nur Fußball in meinem Leben. Da verliert man schnell mal den Kontakt zu Freunden", berichtet die in einem umgebauten Wasserturm bei Köln wohnende Theune-Meyer ganz offen, aber ohne jede Verbitterung.

Noch vor ihrer Abreise zur EM hat sie schon einmal drei Klavierstunden genommen, will ihr Hobby Fotografieren mit Hilfe von Kursen professionalisieren. Reisen und das Erlernen von Fremdsprachen wie Italienisch und Französisch stehen zudem auf dem Wunschzettel der früheren Bundesligaspielerin, die 1985 als erste Frau überhaupt die Trainerlizenz des DFB erworben hatte.

Mögliche Zukunft in der Ausbildung

Gänzlich wird sie ihrer "alten Liebe" aber nicht den Laufpass geben. Gespräche mit dem Verband über eine Teilzeitstelle im Ausbildungsbereich sollen nach der EM abgeschlossen werden. Die große Fußball-Bühne wird dann aber nicht mehr die Welt der Pfarrerstochter aus Kleve sein. So wie in den letzten Jahren, als sie die Nationalmannschaft zu zwei EM-Titeln (1997, 2001), dem WM-Coup (2003) und Olympia-Bronze in Athen 2004 führte.

"Ich war wohl immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort", beschreibt Theune-Meyer ihr Erfolgsrezept, das besonders vor zwei Jahren in den USA aufging. Mit dem ersten Weltmeisterschafts-Titel fügte sie sich nahtlos in die Reihe von Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer ein. "Der Empfang auf dem Römer in Frankfurt war damals unglaublich", berichtet "TTM" - das Kürzel ist inzwischen längst zum Qualitätssiegel geworden.

Gegen eine Party am Montag auf dem Römerbalkon hätte Theune-Meyer auch diesmal nichts einzuwenden, warnt aber trotz des Sieges in der Vorrunde (1:0) vor Finalgegner Norwegen. "Sie zeichnen sich durch eine schnelle Auffassungsgabe aus. Sie kommen direkt, mit dem Moment des Ballgewinns in den gegnerischen Strafraum."

Titel als Abschiedsgeschenk

Dass der Kräfteverschleiß der Norwegerinnen im Halbfinale gegen Schweden (3:2 n.V.) am Donnerstagabend der entscheidende deutsche Vorteil sein könnte, glaubt Abwehrass Steffi Jones allerdings nicht. "Die schweben jetzt auf Wolke sieben und sind fit genug, um nochmal so ein Spiel machen zu können", sagt die Frankfurterin und macht keinen Hehl daraus, mit Theune-Meyer am Sonntag nach dem Endspiel unbedingt die obligatorische Siegerzigarre aus Jamaika rauchen zu wollen: "Wir möchten als Abschiedsgeschenk den Titel für Tina holen. Dafür wird jede von uns alles geben."

Norwegens Coach Bjarne Berntsen glaubt zwar, "gegen das derzeit weltbeste und favorisierte Team" anzutreten, er wird seine Spielerinnen aber sicher mit Zahlenmaterial motivieren. Bei Olympia 2000 in Sydney fügten die Norwegerinnen der DFB-Elf im Halbfinale eine bittere Niederlage (0:1) zu, fünf Jahren zuvor gewann Team "Norge" das WM-Finale in Stockholm (2:0). Eine letzte große Herausforderung also für "TTM".

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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