Goldenes Tor durch Henry
Frankreich entzaubert Brasilien

Brasilien ist entzaubert. Frankreich besiegte angeführt von einem alle überragenden Zinedine Zidane den Titelverteidiger im Viertelfinale völlig verdient mit 1:0 (0:0). Das Tor des Abends schoss nach 57 Minuten Thierry Henry. Die entthronte "Selecao" erhielt damit die Quittung für eine erneut enttäuschende Leistung. Die "Equipe Tricolore" spielt nun am Mittwochabend (21 Uhr) in München gegen Portugal um den Finaleinzug.

FRANKFURT. Acht Jahre nach dem WM-Trauma von Paris erlebte der Rekordweltmeister gegen die Franzosen erneut ein blaues Wunder. Die Brasilianer, die vor dem Turnier als heißester Anwärter auf den WM-Titel gehandelt worden waren, wurden ihrer Favoritenrolle zu keinem Zeitpunkt gerecht. Ronaldinho spielte ganz schwach, auch von WM-Rekordtorjäger Ronaldo war kaum etwas zu sehen. Frankreich, das sich während des Turniers kontinuierlich gesteigert hat, gewann vor den Augen von Staatspräsident Jacques Chirac letztlich verdient, und die Fans dürfen sich auf zwei weitere Spiele mit Zidane freuen, der nach der WM seine Karriere beenden will.

Nach dem Spiel freute sich der "Maitre", der wie zu seinen besten Zeiten aufgetrumpft war: "Ein enormes Spiel, wir mussten unser Bestes geben. Wir haben gut kombiniert, ich glaube, dass wir unseren Sieg verdient haben. Wir wollen jetzt alles machen, um ins Finale zu kommen." Der Schütze des Siegtores, Henry, sagte: "Das war kein geschenkter Sieg. Wir haben verdient gewonnen undgezeigt, dass wir keine Weicheier sind." Trainer Raymond Domenech zeigte sich sichtlich gerührt: "Das ist ein außergewöhnlicher Moment. Wir haben eine Riesenaufgabe bewältigt, das müssen wir jetzt feiern. Die Alten sind noch da. Wenn du lebst, hast du keine Zeit, es zu erklären. Das Glück trägt uns weiter. Jetzt wollen wir mehr.".

Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira zeiget sich dagegen maßlos enttäuscht: "Es ist ein harter Moment für uns alle. Es ist schwer, wenn eine brasilianische Mannschaft im Viertelfinale geschlagen wird. Niemand von uns war darauf vorbereitet, jetzt schon gehen zu müssen. Aber wir müssen dem jetzt in die Augen sehen." Er habe seine Mannschaft vorher gewarnt gehabt, wie gefährlich die Franzosen bei Situationen mit ruhendem Ball sind. Brasilien habe dumme Fehler gemacht. Ob er trotz des frühen WM-Aus als Trainer der Selecao weiter machen wird, ließ Parreira offen. "Da werd eich mir in Ruhe Gedanken drüber machen, wenn ich wieder in Brasilien bin."

Zu Beginn der 90 zwar nicht hochklassigen, aber durchaus unterhaltsamen Minuten überraschte Parreira mit einer taktischen Variante, die sehr dem System der Franzosen ähnelte. Er ließ Inter-Stürmer Adriano auf der Bank und schickte Ronaldinho als zweite etwas hängende Spitze auf Feld. Dadurch sollte der Weltfußballer 2005 nicht nur mehr Freiheiten erhalten, sondern sich auch den starken Abfangjägern Vieira und Makelele entziehen können. Zudem blieb Emerson draußen, der zwar seine Kniebeschwerden hinter sich gelassen, doch zuletzt die Erwartungen seines Trainers nicht erfüllt hatte. Dafür durften Gilberto Silva und der in Frankreich bei Lyon spielende Juninho ran - auch für Robinho, der eine Knöchelverletzung überwunden hat, blieb nur ein Platz am Spielfeldrand.

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