Griff nach dem Double
Winterkorns Meisterstück

Einmal noch punkten und Wolfsburg wäre plötzlich mehr als nur Volkswagen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat VW-Chef Martin Winterkorn den Fußball in der Autostadt zur Chefsache erklärt. Hinter dem sportlichen Engagement des Managers steckt dabei nüchternes Kalkül.

WOLFSBURG/DÜSSELDORF. Die Manager am Mittellandkanal fiebern ihrem Endspiel entgegen: Donnerstagnacht stellen sie die Beflaggung der Autostadt neben dem VW-Werk auf Grün-Weiß um, festlich illuminiert in VfL-Farben werden auch die prall gefüllten, gläsernen Autotürme. Vier Großleinwände in der Innenstadt zeigen das morgige Heimspiel gegen Bremen live. Für den Meisterkorso stehen 25 VW-Cabrios bereit. Einmal noch punkten – und Wolfsburg wäre plötzlich mehr als nur Volkswagen.

Deutscher Meister, wie stolz das klingt. Das Ego der oft als Provinzler abgetanen Wolfsburger erlebt dieser Tage eine Frischzellenkur. Und Wolfsburgs mächtiger Mann Martin Winterkorn steht vor dem Double: Nicht nur, dass seiner Werkself der Titel winkt. Auch die Krone im weltweiten Automobilbau hält der Volkswagen-Vorstandschef fest in den Händen – nach einem aufreibenden Konzernduell. Dem überheblichen Stuttgarter Großaktionär Porsche rissen die VW-Mannen im letzten Drittel des Übernahmekampfes den sicher geglaubten Sieg aus den Händen.

Beide Erfolge sind kein Zufall. Winterkorn geht planvoll vor – im Unternehmen und auf dem Platz. Im Gegensatz zum VW-Patriarchen Ferdinand Piëch und Bernd Pischetsrieder, den er 2007 als VW-Chef ablöste, liegt ihm nicht nur das perfekte Automobil am Herzen, sondern eben auch der Fußball. Trotz der Mahnungen seiner Frau stellt sich „Wiko“, wie er intern heißt, für ein Benefizspiel zugunsten mexikanischer Straßenkinder schon mal selbst ins Tor. Und lässt sich von Fredi Bobic und Guido Buchwald Bälle um die Ohren schießen. Heimspiele des VfL Wolfsburg nutzt Winterkorn, um Händler aus der Region der Gastmannschaft zum ungefilterten Gespräch über Modelle und Vertriebspolitik in die Volkswagen-Arena zu bitten.

Der Vertrautenkreis um den Chef ist ebenfalls fußballbegeistert: Finanzchef Hans Dieter Pötsch und Chefkommunikator Stephan Grühsem vertreten den Konzern im VfL-Aufsichtsrat. Derzeit treibt die Führungsriege vor allem die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den abtrünnigen Trainer Felix Magath um. Favorit ist Stuttgarts früherer Meistermacher Armin Veh. Auch mit dem VfB-Manager Horst Heldt stehen die Niedersachsen in Kontakt. „Es werden Gespräche geführt“, bestätigte Heldt am Donnerstag der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“.

Hinter Winterkorns Engagement, das Wolfsburg ein stattliches Stadion und ein Trainingsgelände als Bestandteil der Autostadt beschert hat, steckt nüchternes Kalkül: Kein Sport emotionalisiert zumindest Männer mehr als der Fußball. Die enge Verbindung des Konzerns mit dem Ball hebt das Image tüchtig an, hoffen die VW-Strategen. „Wir verfolgen damit ein profitables Geschäftsmodell“, sagt Winterkorn. „Denn im Umfeld der Vereine verkaufen wir deutlich mehr Fahrzeuge und haben unseren Vertrieb auf entsprechende Verkaufserfolge verpflichtet.“ International engagieren sich die Autobauer bei den Topklubs AC Mailand, FC Barcelona, Manchester United und Ajax Amsterdam.

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