Größtes Sportereignis der Welt
WM 2006: Eine gigantische Chance für Deutschland

Vorhang auf für das größte Sportereignis aller Zeiten auf deutschem Boden. Wenn heute die Fußball-WM beginnt, wird das letzte Kapitel einer Geschichte der Superlative geschrieben. Auch eine Chance für Deutschland.

Start frei zum letzten Kapitel einer Geschichte der Superlative: Heute fällt endlich der langersehnte Startschuss zum größten und gigantischsten Sportereignis aller Zeiten auf deutschem Boden, der Xviii. Weltmeisterschaft. Um 18 Uhr kommt es dann zum ersten Test der deutschen Nationalmannschaft beim Eröffnungsspiel gegen Costa Rica.

"Diese WM ist eine große Chance für unser Land. Eine Veranstaltung von dieser Größe und Bedeutung werden wir für die nächsten Jahrzehnte nicht mehr nach Deutschland holen können. Wir können unser Land präsentieren, wir können zeigen, wie gut wir sind", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im sid-Interview und verdeutlichte die historische Dimension der zweiten WM-Endrunde auf deutschem Boden nach 1974.

Allerdings nimmt sich das WM-Turnier 32 Jahre zuvor im Vergleich zum heutigen Event fast bescheiden aus. Statt diesmal 32 Mannschaften starteten damals nur 16 Teams. Mit rund 119 Mill. Euro wurden 1974 die neun WM-Stadien gebaut, auf 37,5 Mill. Euro beliefen sich die Gesamteinnahmen.

Fußball-WM = Mrd.-Turnier

Längst ist aber die Fußball-WM, das größte Einzelsportereignis der Welt, zu einem Mrd.-Turnier geworden. Für 1,5 Mrd. Euro wurde zwölf Stadien neu gebaut oder renoviert, 3,7 Mrd. Euro flossen in die Infrastrukturmaßnahmen. Allein das Budget des deutschen WM-Organisationskomitees um Präsident Franz Beckenbauer beläuft sich auf 430 Mill. Euro.

Die Gigantomanie der WM 2006 hat allerdings auch die Kritiker auf den Plan gerufen. Die wachsende Kommerzialisierung ist vielen Fans ein Dorn im Auge, und dies zu Recht. Die vier WM-Wochen in Deutschland bis zum Endspiel am 9. Juli in Berlin lässt sich der Weltverband Fifa mit 1,86 Mrd. Euro fürstlich bezahlen. Auch wenn ein beachtlicher Anteil wieder an die 207 Mitgliedsverbände fließt, die Fifa macht Kasse, und in vier Jahren in Südafrika ist mit einer weiteren Steigerung zu rechnen.

"WM ist der Höhepunkt schlechthin im Fußball"

"Die Vorfreude auf die WM lässt sich praktisch mit den Händen greifen", erklärt Fifa-Präsident Joseph S. Blatter, "die WM ist der Höhepunkt schlechthin im Fußball." Deutschland, das sich 1974 durch ein 2:1 gegen die Niederlande als Gastgeber und angeführt von Kapitän Franz Beckenbauer zum WM-Champion krönte, will die Gunst der Stunde nutzen.

Trotz des zweifellos großen Werbe- und Imagegewinns für den Standort Deutschland, ist der wirtschaftliche Schub durch die WM eher bescheiden. Von 2003 bis 2010 wird laut Expertenmeinung das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch die WM um acht Mrd. Euro steigen. Dies sind pro Jahr aber nur 0,04 bis 0,05 Prozent des BIP.

Dennoch grassiert kurz vor dem WM-Auftakt in Deutschland das Fußball-Fieber. Deutschland will sich nach dem Fall der Mauer als weltoffener und freundlicher Gastgeber im Mittelpunkt Europas präsentieren. Nicht umsonst wurde das Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden/"A time to make friends" gewählt.

DFB-Team wird von einer "Welle der Euphorie" getragen

Die Hoffnungen der deutschen Anhängerschar ruhen natürlich auf der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die vor vier Jahren in Yokohama erst im Finale gegen Rekord-Weltmeister Brasilien (0:2) verlor. Die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird derzeit von einer Welle der Euphorie getragen. Über 42 000 Fans kamen in Düsseldorf vor Wochenfrist allein zum Training des dreimaligen Welt- und Europameisters. Klinsmanns Optimismus bei seinem Amtsantritt nach dem EM-Debakel 2004 ("Wir wollen Weltmeister werden.") hat die ganze Republik erfasst.

Der Wahl-Kalifornier sieht seine Mannschaft gerüstet, um nach dem vierten deutschen WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990 zu greifen. "Wir sind hungrig auf dieses Turnier, und wir werden hungrig bleiben", verkündete Klinsmann, dessen Team sich am Pfingstmontag im Stammquartier im Berliner Grunewald versammelt hat.

Für viele Fans bleibt es allerdings ein Traum, ein WM-Spiel live im Stadion zu verfolgen. Sie müssen sich mit dem "Public Viewing" oder der Live-übertragung im TV begnügen. Für die rund 3,2 Mill. Eintrittskarten gab es 30 Mill. Interessenten. "Um der Nachfrage gerecht zu werden, hätten wir theoretisch Stadien mit einer Kapazität von bis zu 1,4 Mill. Zuschauern errichten müssen", berichtete Fifa-Generalsekretär Urs Linsi.

Kritik am Ticketing-System

Das Ticketverkaufssystem hat indes zu heftiger Kritik geführt. Zu wenige Karten seien an die wirklichen Fans gegangen, zuviele an die Sponsoren und Premiumpartner der Fifa, lautet der Vorwurf. "Wir haben versucht, allen Interessen gerecht zu werden. Vielleicht waren wir zu anspruchsvoll", sagte der für das Ticketing zuständige OK-"Vize"-Präsident Horst R. Schmidt.

Zudem wurde mit der Personalisierung jedes WM-Tickets, die als Voraussetzung für einen störungsfreien Ablauf der Spiele gilt, eine eine weitere hohe Hürde aufgebaut. Die Befürchtung, dass am Ende trotz der nahezu bereits ausverkauften 64 WM-Spiele etliche Plätze in den Stadien leer bleiben könnten, besteht weiterhin.

Der Kartenverkauf ist die Haupteinnahmequelle des deutschen WM-OK´s. "Wir haben konservativ kalkuliert. Wir rechnen mit einer schwarzen Null", sagt der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, der als OK-"Vize" die Finanzen überwacht. 200 Mill. Euro bringt das Ticketing, 60 Mill. zahlen die sechs nationalen Förderer (Bahn AG, ENBW, Hamburg-Mannheimer, OBI, Postbank und Oddset) ein, die Fifa schießt weitere 170 Mill. aus dem Hospitality-Programm zu.

Riesen Chance für Deutschland

Dafür sind insgesamt 23 Ausgabenbereiche abzudecken, an der Spitze stehen Investitionen in die zwölf WM-Stadien in Höhe von 120 Mill. Euro sowie Personal- und Sachkosten von 100 Mill. Euro. Unbezahlt arbeitende 15 000 freiwillige Helfer (Volunteers) sollen maßgeblich dazu beitragen, das WM-Motto mit Leben zu erfüllen. Und erwartete 32 Mrd. TV-Zuschauer weltweit werden für einen großen Image- und Werbewert Deutschlands sorgen.

Die nächste WM in Europa wird auf Grund der von der Fifa eingeführten Rotation der Kontinente bei der WM-Ausrichtung erst 2026 wieder stattfinden. Deutschland dürfte dann keine Chance auf die erneute Gastgeberrolle haben ...

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%