Gross-Entlassung in Stuttgart
Der Herbst kommt, die VfB-Trainer fallen

In Christian Gross hat der VfB Stuttgart den dritten Trainer in zwei Jahren „verschlissen“. 2008 musste Armin Veh gehen, 2009 war Markus Babbel dran – alle Coaches mit katastrophaler Hinrunde. Der Eindruck, dass es sich hier um strukturelle Probleme handelt, wird dadurch nicht gerade entkräftet. Eine Analyse.
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HAMBURG. Auch in Stuttgart ist Herbst. Jeden Tag geht die Sonne zwei Minuten später auf und zwei Minuten früher unter. Die Blätter der Bäume, so sie denn noch stehen, verfärben sich goldgelb. Und der VfB Stuttgart entlässt seinen Trainer.

Im Herbst 2008 musste Armin Veh gehen, der Trainer, mit dem sie anderthalb Jahre zuvor noch die Meisterschaft feierten. Es kam Markus Babbel, er blieb neun Spiele lang ungeschlagen. Im Herbst 2009 musste auch Babbel gehen, mit dem die Stuttgarter ein paar Monate zuvor den Einzug in die Champions League feierten. Es kam Christian Gross, der von neunzehn Bundesligaspielen nur zwei verlor. Zunächst. Nun wird auch er verabschiedet.

Der schlechteste Bundesliga-Start des VfB Stuttgart seit sechsunddreißig Jahren wurde dem Schweizer Gross zum Verhängnis. Sein bisheriger Assistent Jens Keller soll den Tabellenletzten fortan betreuen. Wortspiele mit dem Zunamen des neuen Trainers und der aktuellen Tabellensituation verbieten sich selbstredend. Mit dem Zunamen seines Vorgängers übrigens auch.

Clubpräsident Erwin Staudt sagte, als der neue Mann vorgestellt wurde: "Für uns war jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem wir Akzente setzten mussten. Das ist die schwierigste Situation in unserer Bundesliga-Geschichte. Es ist ein Ausnahmezustand."

Der Christian Gross hatte es wahrlich nicht einfach. Die Leistungsträger Jens Lehmann und Sami Khedira beendeten ihre Karriere oder wurden für viel Geld zu Real Madrid verkauft. Doch die Schwaben hielten ihre Taler beieinander, dachten gar nicht daran, in gleichwertigen Ersatz zu investieren. Stattdessen pumpten sie ihr Geld in ein, gemessen am architekturkritischen Geist der Stuttgarter Bevölkerung, relativ unumstrittenes Bauprojekt. In diesem Fall bloß geht es nicht um einen unterirdischen Bahnhof, sondern um den kostspieligen und stimmungstötenden Umbau ihres Fußballstadions.

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  • Warum eine Vereinsspitze den bisher erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte rauswirft, ist ein Rätsel: http://bit.ly/c69iLL

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