Gute Aussichten in trüben Zeiten
Die Fußball-Bundesliga hat Speck angesetzt

Die Deutschen Fußball-Profiklubs warten nach einigen fetten Jahren gelassen auf herannahende schlechte Zeiten. Das Geschäftsmodell Fußball sei in Deutschland zu stabil, um sich ernsthaft Sorgen machen zu müssen, ist sich die DFL-Führung sicher. Dennoch konnten nicht alle Vereine in der vergangenen Saison schwarze Zahlen verbuchen.

FRANKFURT. Die Krise ist nur wenige Meter entfernt: Mitten im Frankfurter Bankenviertel hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihr repräsentatives Quartier bezogen. Doch an diesem trüben Vormittag können die DFL-Geschäftsführer noch blendende Zahlen auftischen, schließlich bezieht sich ihre Jahresbilanz mit einem neuen Rekorderlös auf die Spielzeit 2007/08, als die Welt noch in Ordnung war, auf dem Platz wie in den Logen. 1,93 Mrd. Euro haben die Klubs der ersten und zweiten Bundesliga eingenommen, berichtet DFL-Chef Christian Seifert. "Ob wir die Zwei-Milliarden-Marke in der laufenden Saison knacken, ist nicht abzusehen. Die Weltwirtschaftskrise geht auch am deutschen Fußball nicht spurlos vorbei", sagte Seifert am Donnerstag bei der Vorstellung des "Bundesliga-Reports 2009".

Zur Nagelprobe wird nach Seiferts Worten erst die bevorstehende Saison 2009/10 werden, wenn Sponsoren ihre Engagements überprüfen, Stadionneubauten finanziell neu kalkuliert werden und die TV-Partner der Liga ihre Durchhaltekraft unter Beweis stellen müssen. Mit dem Sender Premiere verbinde die DFL zwar eine "Schicksalsgemeinschaft", sagt Seifert. "Es gibt momentan aber für uns keinen Anlass, an der Stabilität von Premiere zu zweifeln."

Bang ist Seifert grundsätzlich nicht: Das Geschäftsmodell Fußball sei in Deutschland zu stabil, um sich ernsthaft Sorgen machen zu müssen. "Der ausgewogene Einnahmen-Mix hat einen substanziellen Anteil daran, dass die Bundesliga besser durch die Krise kommen wird als andere Profiligen", sagt Seifert. Dank eines auf drei Säulen gelagerten Einnahme-Mixes sei man weniger anfällig für mögliche Einbrüche. So machen die Gelder aus medialer Verwertung (30 Prozent), Werbung (25) und Spieltagserlösen (21) zusammen schon rund drei Viertel der Einnahmen aus - ähnlich wie in der Vorsaison.

In einem ist sich die DFL-Führung sicher: "Sportlich wird die Bundesliga gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagt Seifert. Während andere Top-Ligen über 60 Prozent ihres Budgets für Spielersaläre ausgeben, steht die Bundesliga mit 40 Prozent vergleichsweise sparsam da. "Für ihr Gehaltsniveau sind die Engländer eigentlich zu schlecht", wird Seifert einen Seitenhieb los und spekuliert, dass sich die sportliche Lücke international dadurch schließen könnte, "dass uns mancher entgegenkommt". Schließlich sei es auch aus Spielersicht besser, ein konservativ kalkuliertes Gehalt zu kassieren, als um ein Starsalär zu bangen, weil der Klub finanziell wackelt. Mittelfristig gibt Seifert ein ambitioniertes Ziel aus: "Wir müssen den dritten Platz der Europawertung anstreben. Das hätte einen weiteren Startplatz in der Champions League zur Folge."

Bei der DFL in der Frankfurter Guiollettstraße gilt Fußball glasklar als "Produkt", die Liga als "Marke". Quasi als Beleg für die Produktgüte haben die Statistiker der DFL die Torquote ermittelt: 2,81 Mal pro Spiel klingelt es in der Bundesliga - in zehn Spielen fällt damit hierzulande ein Törchen mehr als in der zweitplatzierten Premier League (Quote: 2,69). Der für den Spielbetrieb zuständige Geschäftsführer Holger Hieronymus erkennt einen "bemerkenswerten Trend zu offensiver Spielweise und damit attraktivem Fußball".

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