Hamburger Sportverein: Beim HSV greifen die Fans nach der Macht

Hamburger Sportverein
Beim HSV greifen die Fans nach der Macht

Wenn der Hamburger Sportverein am Sonntag im Congress Centrum Hamburg zur Hauptversammlung lädt, dürfte es turbulent zugehen. Schließlich sorgt die Wahl des Aufsichtsrates seit Monaten für Schlagzeilen. Dabei geht es um die Frage, wem der Verein gehört: Dem Kapital oder dem Fan?

HAMBURG. Von einem „Fan-Putsch“ war die Rede, da sich vier Kandidaten aus den Reihen des HSV Supporters Club zur Wahl stellen. In Hamburg, schrieb das Nachrichtenmagazin „Spiegel“, werde die „letzte große Schlacht“ zwischen den Fans auf den Stehplätzen und den ökonomisch orientierten Fußballmanagern geschlagen: Wem gehört das Spiel? Dem Kapital oder dem Fan?

Nach den Mitgliederzahlen gehört der Verein eindeutig den Fans. Der „Supporters Club“ stellt mit rund 46 000 der insgesamt 58 000 Klubmitglieder die klare Mehrheit. Mit Oliver Scheel entsendet die Fan-Vereinigung sogar einen der ihren in den Vorstand. Bisher hat die mächtige Fangruppe dem Klub finanziell nicht geschadet: Der HSV zählt mit jährlich 140 Mio. Euro Umsatz zu den potentesten Klubs der Bundesliga. Doch wenn gleich vier Leute in den zwölfköpfigen Aufsichtsrat einzögen, könnte die aktuelle Renaissance des HSV ein Ende nehmen.

Das jedenfalls befürchtet Bernd Hoffmann. Der Vorstandsvorsitzende personifiziert das Kapital, die Vermarktung des Fußballs. Hoffmann, einst Mitarbeiter der Sportrechte-Agentur Sportfive, will den HSV schnell zu den 20 besten Klubs in Europa machen. Zu diesem Zweck steigert er die Einnahmen, wo es nur geht.

Der Grat, auf dem er dabei wandelt, ist bisweilen schmal. Als der Verein beim Heimspiel gegen Werder Bremen teilweise 97 Euro für ein Eintrittsticket verlangte, waren viele Fans wütend. „Da gehen einige Menschen verloren, weil die das Geld nicht haben“, sagt Klubmitglied Johannes Liebnau, der bei jedem Heimspiel in der Kurve steht und als „Einpeitscher“ die Stimmung anheizt. Man wolle nicht, „dass die Kartenpreise ins Bodenlose schießen“, unterstützt ihn Ingo Thiel, ein weiterer Supporters-Kandidat. Er will im Aufsichtsrat grundsätzliche Fragen diskutieren. Zum Beispiel, ob es angesichts der Wirtschaftslage richtig sei, „die Gehälter von 40 Mio. auf 60 Mio. Euro erhöhen zu wollen“.

Gegen den Vorwurf, den sportlichen Aufstieg des HSV zu verhindern, verwahren sich die Kandidaten. „Die mündigen Mitglieder machen von ihrem Recht Gebrauch“, sagt Thiel. Stattdessen erkennen viele „Supporters“ in den Schlagzeilen der Hamburger Boulevardblätter eine Kampagne – und sehen sich nun bestätigt. Laut „Spiegel“ hat Hoffmann dem Sportchef der Hamburger Bild-Ausgabe eine 1 000-Euro-Uhr geschenkt. Auch das dürfte am Sonntag zur Sprache kommen.

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