Hamburger SV
Der finanzielle Abstieg des Bundesliga-Dinos

Seit Jahren lebt der HSV wirtschaftlich über seine Verhältnisse: Hohe Gehälter, Transfers und teure Missverständnisse auf der Trainerbank und im Management kosteten Millionen. Es bleibt nur noch der Ausweg Ausgliederung.
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Sportlich befindet sich der HSV spätestens seit der 4:2 Niederlage gegen Eintracht Braunschweig in einer tiefen Krise – finanziell schlingert der Verein jedoch schon seit Jahren dem Abgrund entgegen. Die desaströse Außendarstellung, der Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat sowie eine völlig verunsicherte Mannschaft sind ein Spiegelbild eines dahinsiechenden Fußballvereins.

Seitdem der HSV nicht mehr auf europäischer Bühne spielt, wirtschaftet der Klub stark defizitär: In den vergangenen drei Jahren machte der HSV einen Verlust von über 20 Millionen Euro.

Obwohl es sportlich nicht für Europa reicht, bezahlt der HSV weiterhin seinen Spielern fürstliche Gehälter. Ein Kardinalfehler, der auch schon Borussia Dortmund Mitte der 2000er-Jahre fast ruinierte. Trainer- und Managerentlassungen kosteten den Verein weitere Millionen.

Nach Informationen des „Manager-Magazins“ ist das Eigenkapital des HSV aufgebraucht. Banken leihen dem Verein kein Geld mehr: „Der Verein ist derzeit nicht handlungsfähig, weil die Schulden so hoch sind, dass wir keine neuen Kredite aufnehmen können“, sagt der frühere Aufsichtsratsvorsitzende und Initiator von HSV plus, Ernst-Otto Rieckhoff, im Interview mit der „Welt“.

Banken brauchen Sicherheiten; der HSV kann keine Sicherheiten garantieren. Nun sind Fußballvereine aber wahre Finanzjongleure: Wenn die Bank kein frisches Geld bereitstellt, dann holen sie es sich von anderer Stelle.

In Hamburg hat man schon fast jede Möglichkeit ausgenutzt: Der HSV lieh sich 17,5 Millionen Euro als Fan-Anleihe von seinen treuen Anhängern. Edelfan Klaus-Michael Kühne finanzierte Transfers mit. Doch auch das reicht nicht mehr. Als letzter Ausweg bleibt nur noch die Ausgliederung der Profifußball-Abteilung, damit der HSV frisches, zinsfreies Geld erhält.

„Wir stehen vor einer schwierigen Saison, keine Frage. Erreichen wir wieder nicht den Europapokal, müssen wir unseren Gehaltsetat runterfahren“ äußerte Carl-Edgar Jarchow, heutiger Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV, bereits im März 2011 Bedenken zur finanziellen Situation des Vereins gegenüber der Bild-Zeitung. Doch trotz der warnenden Worte überschreiten die Personalkosten des HSV bis heute den Gehaltsetat.

Jarchow trat ein schweres Erbe an. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV von 2003 bis 2011, stellte in der Endphase seines Schaffens an der Elbe einen teuren und überalterten Kader zusammen. Im Sommer 2011 folgte der Umbruch: Mit Frank Rost, Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto, David Rozehnal und Guy Demel verließen alte und teurere Spieler den Verein. Zeitgleich verpflichtete der Verein neue, jüngere Spieler – besonders wilderte der Klub in der Jugendabteilung des FC Chelsea.

Doch trotz der Abgänger schaffte es der HSV nicht, seine Gehaltskosten entscheidend zu senken. In der Saison 2010/11 beliefen sich die Personalkosten des Vereins auf 60,1 Millionen Euro; in der nächsten Saison (2011/12) verschlangen die sie immer noch 57,8 Millionen Euro und in der Saison 2012/13 stiegen die Personalkosten des Hamburger Sport-Vereins sogar wieder auf 59,6 Millionen Euro.

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  • Die Fragen sind: Wieso Millionen für die unfähigen, nicht einsatzbereiten, nur dem Verein schädigen, Profis? Warum wird der leistungsbereite/geile Nachwuchs nicht eingesetz???

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