Hannover, die Absage und die Folgen
„Wir sollten uns nicht dem Terror beugen“

Die Deutschen sollten gelassen auf die Absage des Länderspiels in Hannover reagieren. Das rät der Sicherheitschef der WM 2006, Helmut Spahn. Er rechnet mit mehr Polizeipräsenz und ist strikt gegen Absagen in der Liga.

Helmut Spahn war Sicherheitschef beim Deutschen Fußballbund (DFB) und 2006 für die Sicherheit der Weltmeisterschaft in Deutschland zuständig. 2011 wechselte er zum neugegründeten Zentrum für Sicherheit im Sport (ICSS) in Doha. Wie er das Risiko in Stadien nach der Spielabsage in Hannover gegen die Niederlande einschätzt. Und wie Arenen sicherer werden können.

Das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover ist sehr kurzfristig und überraschend abgesagt worden. Martin Kind, der Vorstandschef von Hannover 96, fürchtet nun dramatische Folgen für den Fußball?
Das glaube und hoffe ich nicht. Auch wenn es aufgrund der aktuellen Eindrücke schwer fallen mag, wir sollten Ruhe und Gelassenheit bewahren und so emotionslos wie irgend möglich, objektiv und sachlich analysieren.

Terrorismusexperten prognostizieren, dass sportliche Großereignisse nun „immer mehr zu reinen Polizeiveranstaltungen“ werden?
In den nächsten Tagen, vielleicht Wochen, werden wir sicher eine größere Präsenz von Sicherheitskräften wahrnehmen, was völlig normal und der Lage angemessen ist. Allerdings sollten wir uns nicht dem Terror beugen, indem wir unser Leben komplett umkrempeln. Es gilt, eine der Lage angemessene Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden. Auch bei der WM 2006 hatten wir eine latente Terrorgefahr und dennoch waren es keine „Polizeiveranstaltungen“. Es sind ganzheitliche Konzepte gefragt, die die mit allen Stakeholdern abgestimmt sein müssen.

Sollte der nächste Spieltag der Bundesliga vorsichtshalber abgesagt werden?
Nein! Sonst müssten wir alle zu Hause bleiben und dürften auch keinen Bahnhof, Flughafen oder Kino betreten. Eine solche Entscheidung kann nur getroffen werden, wenn es konkrete Anhaltspunkte und eine unmittelbar bevorstehende Gefahr gibt.

Wie kann der Innenraum von Arenen wirksamer geschützt werden?
Die Sicherheitskonzepte in den Stadien sind wirksam und bereits auf einem hohen Niveau. Ich bin sicher, dass die Lage fortlaufend analysiert und dementsprechend gehandelt wird.

Was halten Sie von personalisierten Tickets, die es ja in Italien schon lange gibt?
Der Grund für personalisierte Tickets in Italien war ja nicht die Terrorabwehr. Die jeweiligen Veranstaltungen müssen individuell beurteilt werden. Maßnahmen, die bei einer WM erforderlich und sinnvoll sind, müssen nicht zwangsläufig auch im Ligaalltag angezeigt sein.

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„Hundertprozentige Sicherheit kann niemand gewährleisten“

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