Heimspiel – der Bundesliga-Kommentar
Der Anfang vom Ende

Die Fußball-Bundesliga ist das Kabinett der Kapriolen. Während Teams wie Nürnberg und Aachen die Ligaspitze aufmischen kränkeln die Branchenführer weiter vor sich hin. Bayern, Werder und Schalke können angesichts der Tabellensituation noch einigermaßen gute Miene zum bösen Spiel machen. Schwieriger ist die Situation für Thomas Doll beim HSV.

Die Fußball-Bundesliga ist das Kabinett der Kapriolen. Nürnberg und Aachen mischen die Ligaspitze auf, selbst Cottbus durfte sich am Wochenende für einige Minuten als Tabellenführer wähnen. Und die Branchenführer kränkeln weiter vor sich hin: Frust bei den Europacup-Helden des FC Bayern, Zweckoptimismus auf Schalke und Durchhalteparolen in Hamburg. Wenigstens der Patient Werder scheint vom Gala-Auftritt gegen Barcelona beflügelt auf dem Weg der Besserung.

Chronische Beschwerden weisen sie allesamt von sich. „Nur keine Panik“ lautet das Motto der Stunde bei den Trainern. „Wir haben uns nie verrückt machen lassen“, betont Werder-Trainer Thomas Schaaf nach dem ersten Sieg seit sechs Pflichtspielen gegen Mönchengladbach. Unzufriedenheit bei Felix Magath nach der Bayern-Niederlage in Wolfsburg? „Nein, Wir haben es ja versucht.“ Auf Schalke vielleicht, wo nach der „Petzer-Affäre“ um Asamoah das peinliche Uefa-Cup-Aus folgte und nach dem anschließenden Donnerwetter auch in Leverkusen nur 20 Minuten Fußball gespielt wurde? „Wir müssen den Kopf hochnehmen, auch wenn der Hals dreckig ist“, sagt Mirko Slomka – wohlwissend dass die Gerüchte um Christoph Daum sowieso erst verstummen, wenn er wirklich in Gelsenkirchen angeheuert hat. Warum auch nicht gute Miene zum bösen Spiel machen? Bayern, Werder, Schalke – sie liegen allen jüngsten Betriebsunfällen zum Trotz weiter bestens im Bundesliga-Rennen.

Schwieriger ist die Situation für Thomas Doll. Seit zwölf Pflichtspielen sind seine Hamburger ohne Sieg – eine Durststrecke, die in der Vereinsgeschichte einmalig ist. Im DFB-Pokal gegen einen Regionalligisten gescheitert, in der Champions League Punktelieferant und in der Liga auf einen Abstiegsplatz abgestürzt – HSV steht derzeit für „hat siegen verlernt“.

Trotzdem stellt sich Doll vor die Mannschaft, bemüht den Fußball-Gott, der gerade kein HSV-Trikot trägt, redet von Moral, auf der man aufbauen kann und von fester Überzeugung, aus dem Schlamassel herauszukommen. Kein Gejammer kommt dagegen über die sportlich verheerende Personalpolitik des Vereins öffentlich über seine Lippen. Gerade einmal zwei Spieler der Stammelf der furiosen Vorsaison standen in Frankfurt auf dem Platz – weil die HSV-Chefs eine erfolgreiches und funktionierendes Team aus rein finanziellen Gründen auseinander gerissen haben. Und Wunden heilen nun mal nur langsam.

Wohl auch deshalb erhält Thomas Doll weiter Rückendeckung. „Thomas Doll ist der richtige, und das für die nächsten Jahre. Zwischen uns passt kein Blatt Papier“, sagt HSV-Boss Bernd Hoffmann. Trotzdem muss der Coach mit der Mannschaft nun schnell die Wende schaffen. Denn die Bundesliga-Geschichte hat gezeigt: Aussagen wie die von Hoffmann sind fast immer der Anfang vom Ende für einen Trainer.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
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