Heimspiel – der Bundesliga-Kommentar
Gefühlte Stärke

Rund zehn Jahre ist es her, da verzauberte in Stuttgart das so genannte „Magische Dreieck“ um Krassimir Balakov, Fredi Bobic und dem genialen Giovane Elber die Liga. Noch heute spricht man im Schwabenland von den herrlichen Ballstafetten, den brillanten Toren und dem zweiten Platz, der damals bestenfalls dabei rausgesprungen ist.

Wer den starken Auftritt der Bremer am Samstag in Frankfurt und die anschließenden Jubelarien dazu verfolgt hat, der musste ebenso unweigerlich den Eindruck gewinnen, dass die Werderaner nicht nur Fußball vom anderen Stern spielen, sondern auch der Konkurrenz in der Bundesliga meilenweit voraus sind. Ein Blick in die Tabelle verdeutlicht jedoch: Es sind auf Schalke, Stuttgart und Bayern bestenfalls drei Punkte Vorsprung. Die „gefühlte Stärke“ der Bremer steht in keinem Zusammenhang mit dem tatsächlichen Vorsprung.

Genau darin besteht die Gefahr für Werder. Mannschaft und Führung sind zwar keinesfalls verdächtig, zu Übermut zu neigen. Wer allerdings pausenlos mit Reporterfragen im Stile von „Woran liegt es, dass Sie momentan so brillant spielen“ überhäuft wird, der glaubt über kurz oder lang selbst an die eigene Genialität. Und übertüncht so, dass es noch vor Wochen zu ganz schwachen Auftritten gegen Cottbus und Dortmund kam.

Die Konkurrenz aus Gelsenkirchen, Stuttgart und München sieht den Hype um Werder Bremen im Moment sicherlich entspannt. Gelingt es dort doch, auf pragmatische, nicht schöne, aber ergebnisorientierte Weise den Anschluss zu halten. Und baut dabei ein Drohpotenzial auf, das für den Führenden weitaus größer ist als in den Vorjahren, als es stets nur zwei Konkurrenten um den Titel gab. Vor allem besitzt die Konkurrenz eines: Deutliche Steigerungsmöglichkeiten. Auch das „Magische Dreieck“ ist einst am ganz großen Erfolg gescheitert, weil bei aller Brillanz die Konstanz gefehlt hat.

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