Heimspiel – der Bundesliga-Kommentar
Volles Risiko

Ein Phantom des deutschen Fußballs legt die Maske ab. Wann immer in den vergangenen Monaten und Jahren in Deutschland ein Trainerstuhl wackelte, fiel der Name Christoph Daum. Jetzt kehrt der Erfolgstrainer in die Bundesliga zurück. Allerdings in die zweite. Beim 1.FC Köln – dort, wo sein Stern vor 20 Jahren aufging – wagt er den Neuanfang in Deutschland. Nach eineinhalb grotesken Wochen der Verhandlungen, Absagen und plötzlichen Wenden erfüllt Daum den FC-Anhängern, die ihn immer noch verehren, den größten Wunsch.

Dass die Stimmungslage außerhalb der Domstadt eine andere ist, zeigen die Reaktionen auf Daums Engagement in Köln. Das Hickhack um den Vertragsabschluss hat Spuren hinterlassen. DFB-Präsident Theo Zwanziger etwa zweifelt an Daums „sozialer und gesellschaftlicher Glaubwürdigkeit“. Und obwohl es niemand offen ausspricht, fehlte der Hinweis auf dessen Kokain-Affäre in keinem Bericht der vergangenen Tage. So laut Fußball-Deutschland Christoph Daum in den vergangenen Monaten zur Rückkehr aufforderte, so groß ist die Skepsis die ihm jetzt, da seine Rückkehr real wird, begegnet.

Daums Entscheidung für Köln mutet vor diesem Hintergrund wie eine Flucht in die Geborgenheit an. In Wahrheit hätte der Trainer kaum einen schwierigeren Ort für seinen Neuanfang in Deutschland wählen können. Beim FC erwartet man von ihm nicht weniger, als den Verein nach frustrierenden Jahren zwischen Erst- und Zweitklassigkeit zurück in die nationale Spitze zu führen. Dabei ist schon der Aufstieg in diesem Jahr angesichts von acht Punkten Rückstand auf Platz drei eine Herkules-Aufgabe.

Das Gezerre um seine Unterschrift zeugt davon, wie sehr Daum das Risiko seiner Mission bewusst ist. Gleichzeitig hat es den Druck auf ihn noch einmal deutlich verschärft. Scheitert Daum in Köln, ist sein Mythos zerstört.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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