Heimspiel – der Bundesliga-Kommentar
Zweitklassige Kost

Wie lange mussten wir darauf warten: Endlich kann jeder jeden schlagen. Die Bundesliga rückt zusammen. Mit Ausnahme der schwachen Wolfsburger in Gelsenkirchen waren an diesem Wochenende eigentlich alle Mannschaften ihren Kontrahenten ebenbürtig. Selbst die tapfer kämpfenden Aachener standen in München dicht vor einer Sensation. Pech und unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen verhalfen den Bayern doch noch zum erwarteten Sieg.

1:1 ist das Ergebnis des Spieltages und womöglich der ganzen Saison. Denn in den vergangenen Jahren groß gewordene Mannschaften wie Bayern, dann Bremen – zwischenzeitlich Dortmund – und schließlich der HSV sind nicht mehr in der Lage, ihre überlegene Position zu verteidigen. Den Beweis liefern die enttäuschenden Auftritte während der Woche auf internationaler Bühne.

Noch mehr als in den vergangenen Jahren ziehen die ganz Großen in Spanien, Großbritannien und Italien davon. Sie kaufen der deutschen Beletage die Stars weg. Hier wiederum fehlen finanzkräftige Sponsoren, um namhafte Spieler anzulocken und zu halten.

Noch ignoriert der gemeine Fan den Leistungsabfall. Denn nirgendwo sonst auf der Welt strömen so viele Zuschauer in die Stadien wie hier zu Lande. Kurzfristig winken der Bundesliga sogar noch blumigere Zeiten, weil die Großen schwächer werden und die Kleinen schwach bleiben. Das verheißt ein offenes Rennen um Titel und Abstieg. Selbst mittelmäßige Mannschaften wie Gladbach, Berlin, Stuttgart, ja sogar Nürnberg, spielen plötzlich oben mit, ohne dass sie an Klasse gewinnen. Dass sie international weit hinterherhinken, stört im geschlossenen Bundesliga-Alltag erst einmal kaum jemanden.

Doch das Mehr an Spannung ist trügerisch. Je weiter die Bundesliga international zurückfällt, desto mehr wachsen die Risiken, dass dem Fan die zweitklassige Kost irgendwann nicht mehr reicht.

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