Herrscher der Fifa
Hüter des runden Grals

Seit acht Jahren herrscht Joseph S. Blatter, kurz Sepp gerufen, über den Weltfußball und ist dabei so erfolgreich wie umstritten. Unter seiner Ägide ist der Sport zu einer Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Blatter ist ein Alleinherrscher - aber wie lange noch?

DÜSSELDORF/ZÜRICH. Wer Joseph S. Blatter in die Augen schauen will, muss schnell sein. Ständig irrlichtert sein Blick umher, von rechts nach links, von links nach rechts - selbst wenn er sich dem Gesprächspartner zuwendet. "Ich messe vor einem Vortrag immer die Temperatur der Zuhörerschaft", hat er gesagt. Doch sein Blick, das ist keine Einfühlung, das ist Raumüberwachung wie sie zum Geschäft von Leibwächtern gehört, zu Menschen, die Gefahr wittern, die auf dem Sprung sind. Bei Blatters öffentlichen Auftritten ist die Unruhe unübersehbar, wenn er sich am Tisch weit nach vorne lehnt, den Körper angespannt, die Hände in Bewegung.

So war er nicht immer. Wer mit Menschen spricht, die ihn aus seiner Zeit als Generalsekretär kennen, als Nummer zwei des Weltfußballs, der hört von einem entspannten, sympathischen Mann. Leicht zugänglich soll er gewesen sein, erst recht spät nachts, bei Festivitäten, mit einem offenen Ohr auch für Fifa-Leute einige Hierarchiestufen unter ihm.

Seit acht Jahren herrscht dieser Mann über den Weltfußball. Unter seiner Ägide ist der Sport zu einer Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Und aus Josef Blatter, dem jovialen und charmanten Aufsteiger, kurz Sepp gerufen, ist Joseph S. Blatter geworden, ein gehetzter und misstrauischer Herrscher über die Fédération Internationale de Football Association.



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Dort, an der Spitze des Weltverbands, will er weiter bleiben. Morgen Abend, am Ende des Fifa-Kongresses, jener Versammlung der 207 Landesvorsitzenden der Fußballverbände, wird er verkünden, was ohnehin alle wissen: 2007 werde er sich für vier weitere Jahre zur Wahl stellen. Doch bis dahin kann viel passieren. Ein Prozess um Bestechung zum Beispiel, der die Fifa so tief in den Morast zieht, dass selbst Blatter, den Günter Netzer einmal den "gewieftesten Sportpolitiker, den es je gegeben hat", nannte, den Skandal nicht übersteht.

Wer erfahren möchte, wie es so weit kommen konnte, muss zu den Wurzeln, zu Josef Blatter vor seiner Umbenennung, die ihm ein "ph" und ein S-Punkt brachte. Er muss sich nach Visp aufmachen, einem Örtchen im Kanton Wallis. Bei schlechtem Wetter vernebelt das Chemiewerk von Lonza die Stadt. Dort arbeitete Blatters Vater.

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