Hertha BSC
Zurück auf Los

Hertha BSC Berlin und Juventus Turin verbindet prinzipiell nur der Spitzname „alte Dame“. Der deutsche Hauptstadtclub allerdings präsentierte – ebenso wie die italienische „Verwandtschaft“ – ständig ambitionierte Ziele: Meisterschaft, Champions League sollten es sein. Doch zehn Jahre nach dem Aufstieg steht die Hertha wieder dort, wo sie anfing.

BERLIN. Hat jemals ein Trainer eindrucksvoller bestätigt, am richtigen Ort zu sein als dieser Lucien Favre, der neue Mann bei Hertha BSC? Wie zahlreich waren sie gewesen, die Zweifel und Zweifler an dieser Personalie. Doch mit einem einzigen Satz hat er alles weggewischt, und er musste sich nicht einmal in die Brust werfen. Er tat es ganz beiläufig: „In ein paar Jahren“, sagte Favre, „wollen wir um die Meisterschaft mitspielen.“

Da war es wieder, das herthanische Diktum. Die Meisterschaft – nicht jetzt, nicht gleich, sondern demnächst, in ein paar Jahren, präzise umrissen wie ein Klimabeschluss der G-8. Lebte die Knef noch, sie würde ein Lied daraus machen. Denn in diesem Augenblick zeigte Lucien Favre: Ich weiss, wo ich bin; ich weiss, was hier los ist; ich weiss, was ihr wollt – ihr macht mir nichts vor.

Die Hertha im Jahr 2007, exakt zehn Jahre nach dem Aufstieg in die Erstklassigkeit, steht genau dort, wo sie damals ankam: am Anfang einer mutmasslich ganz großen Geschichte, nur unter ganz anderen Vorzeichen. 45 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasten den Verein, weswegen Anlegern demnächst mithilfe von Genussscheinen ein Investment bei Hertha schmackhaft gemacht werden soll. Der finanzielle Spielraum ist nicht größer als die Bewegungsfreiheit in einer Zwangsjacke.

Deshalb war Lucien Favre auch schon ganz anders zumute geworden, wie er einem Schweizer Journalisten erzählte. In Berlin habe alles keinen Zweck. Die Koffer gepackt und ab nach Zürich, wo er zwei Meisterschaften mit dem FC gewann – wie oft ihn dieser Reiz in den vergangenen Tagen und Wochen gejuckt hat, das behielt der Mann aus dem Waadtland lieber für sich. Sei es aus Höflichkeit gegenüber dem Arbeitgeber, sei es der eigenen Glaubwürdigkeit wegen für den Fall, dass er es für länger in Berlin aushält.

Wie auch immer, die Dinge stehen nicht gut für die Hertha. Wertet man die Tendenz der vergangenen Jahre aus, dann dürften die Berliner wieder ein Stückchen tiefer rutschen – womöglich in die Abstiegszone. Das Personal gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Ein Torso von Kader rannte in Frankfurt am ersten Bundesliga-Spieltag über den Platz und verlor 0:1. Zwar geht es schlimmer, doch die Hertha offenbarte nicht bloß eine frappierende Ideenlosigkeit. Beobachter hatten vielmehr arge Zweifel, ob die Combo verstehe, was ihr Trainer von ihr will. So scheute sich Herthas Mustermann, der Verteidiger Arne Friedrich, nicht, zum Besten zu geben, wie es um ihn und das Spielverständnis seiner Kollegen bestellt ist: „Wir werden wohl noch bis zur Rückrunde brauchen, um das zu verinnerlichen.“

Für einen passionierten Taktiker wie Favre sind solche Sätze wohl schlimmer als eine Nacht im Nagelbett. Und hätte er die Wahl, dann müsste sich Friedrich, der deutsche Nationalspieler, ganz sicher Sorgen um seinen Platz im Team machen. Denn der freundliche Monsieur Favre ist ein eifriger Eleminator: Wer mit seiner Idee von Fußball nicht konform geht, der darf einpacken. Dick van Burick, über Jahre ein Schlüsselspieler, musste es schon tun. Der unlustige Kevin Boateng flüchtete für 7,8 Millionen Euro Ablöse nach England zu Tottenham. Goalgetter Christian Gimenez bekam die Papiere samt besten Wünsche für seine berufliche Zukunft.

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